East Anglia

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Zu East Anglia gehören die Grafschaften
Suffolk, Essex, Norfolk, Cambridgeshire und Hertfordshire
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Suffolk
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(1) Somerleyton Hall, (2) The Maltings, Aldeburgh, (3) Southwold Pier und Beach Huts,
(4) Lavenham Wool Hall, (5) Newmarket, (6) Summerhill School in Leiston

 

Southwold am River Blyth wurde bereits im Domesday Book als wichtiger Fischereihafen genannt. 1489 wurde es unter Heinrich VII. zur Stadt. In den folgenden Jahrhunderten baute sich eine Kiesbarriere vor der Hafenmündung auf, so dass kein größerer Hafen entstand. Durch ein Feuer von 1659 wurde die St Edmunds-Kirche zerstört und es wurden einige offene Flächen geschaffen, die nie bebaut wurden. Diese Grünflächen und das Bauverbot auf den umgebenden Marschland geben dem Ort ein vornehmes Aussehen und einen Olde Worlde Charm. Die Adnams-Brauerei besteht seit 1660 an derselben Stelle im Ort.
Southwold Pier wurde 1900 erbaut und 1934 durch einen Sturm praktisch zerstört, 2001 aber wieder restauriert. Während andere Piers ums Überleben kämpfen, erfreut sich Southwold Pier großer Beliebtheit. Tim Hunkin, ein englischer Ingenieur, der im Channel Four die Serie The Secret Life of Machines schuf, erfand mit "Under the Pier Show" eine Penny Arcade mit einer Anzahl von humorvollen, mit Münzen zu fütternden Automaten.
Das fiktive Southwold Estate, Sitz der gleichfalls fiktiven Earls of Southwold, ist der Landsitz der Familie von Lady Marjorie Bellamy in dem ITV-Drama "Upstairs, Downstairs". Stadt und Umgebung dienten in vielen Filmen und Fernsehprogrammen als Schauplatz, in "Iris" über das Leben von Iris Murdoch, in "East of Ipswich" und in der1970er Version von David Copperfield.
2003 verlegte Julie Myerson ihren Roman Something Might Happen über einen brutalen Mord an einer jungen Frau nach Southwold, das sie als "a sleepy, slightly self-satisfied seaside town" beschreibt. Der Schriftsteller George Orwell verlebte einen Teil seiner Jugend in Southwold. 1929 schrieb er hier Burmese Days und 1934 A Clergyman's Daughter, das teilweise in einem fiktiven Southwold spielt. In den letzten Jahren haben viele Leute hier eine Zweitwohnung gekauft, was dem Ort das Attribut "the least affordable town in Suffolk" eingebracht hat. Dazu gehören die oben erwähnte Julie Myerson, Esther Freud, ebenfalls Schriftstellerin und P. D. James, "one of the most acclaimed living writers of detective fiction".

Aldeburgh am Alde River leitet sich von "Alde Burgh", d.h. "Old Fort" her, obwohl dieses längst im Meer verschwunden ist. Im 16. Jahrhundert war der Ort ein führender Hafen mit blühendem Schiffbau. Sir Francis Drake's Schiffe Greyhound und Golden Hind wurden beide in Aldeburgh gebaut. Als der Hafen jedoch versandete, verfiel er. Im 19. Jahrhundert wurde Aldeburgh Seebad. Heute hat der Ort eine gewisse Berühtheit durch einen Fish-and-Chip Shop erlangt, der seit den 1970er Jahren im Besitz der Cooney Familie war und von der Times als "possibly the finest on the east coast" beschrieben wurde.
Den Musikfans ist der Ort wohlbekannt, denn außerhalb der Stadt findet jedes im Juni ein bekanntes Festival für klassische Musik statt. Das Aldeburgh Festival wurde 1948 von Benjamin Britten, Eric Crozier, und Peter Pears begründet. Die ursprüngliche Idee war, der English Opera Group eine Heimat zu geben, aber das Festival wurde bald auf Literaturlesungen, Vorträgen und Kunstausstellungen erweitert. Die Snape Maltings, ursprünglich eine Mälzerei für die Bierherstellung aus dem 19. Jh., wurden in ein Konzertsaal umgebaut und 1967 durch die Queen eröffnet. Das Festival ist einzigartig durch seinen Veranstaltungsort im ländlichen Suffolk. Heute liegt der Schwerpunkt auf neuer Musik, neuen Interpretationen und der Wiederentdeckung vergessener Musik. Britten starb 1976 in Aldeburgh, Pears 1986. Sie sind nebeneinander auf dem Friedhof der St Peter and St Paul's Church in der Stadt begraben.
Am Strand von Aldeburgh, nicht weit vom Stadtzentrum, steht eine Skulptur The Scallop, die Benjamin Britten gewidmet ist, der nachmittags hier spazierenging. Sie besteht aus zwei verschlungenen Jakobsmuscheln, beide durchbrochen, wobei die aufrechtstehende Muschel mit den Worten "I hear those voices that will not be drowned" durchstochen ist. Die Worte stammen aus Brittens Oper Peter Grimes. Die Skulptur wird nicht von allen akzeptiert, weshalb sie mehrfach mit Graffiti besprüht und übermalt wurde. Viele sind der Meinung, daß ein künstliches Objekt die wunderbare, natürliche Landschaft nicht zerstören sollte.

Der kleine Ort Leiston nördlich von Aldeburgh war jahrelang das Mekka von Reformpädagogen aus aller Welt. Das Wort "Summerhill" atmete nicht nur für die 68er-Generation den Duft von Befreiung vom Muff der 1950er Jahre ("Unter den Talaren Muff von Tausend Jahren") und Offenheit für neuartige Erziehungsmodelle.
Alexander Sutherland Neill hatte 1927 mit "Summerhill" einen neuen Typ Schule eingeführt in dem Glauben, das eine Schule zum Kind passen sollte und nicht umgekehrt. Bei dieser "antiautoritären" Erziehung, wie sie bei uns genannt wird, wird die Schule demokratisch geführt, d.h. Lehrer und Schüler haben gleiches Stimmrecht. Sie war 1921 als "Neue Schule" in der Nähe von Dresden gegründet worden. Aus Unzufriedenheit mit seinen Möglichkeiten in Deutschland zog Neill jedoch zuerst nach Österrreich und später nach Lyme Regis, bevor es seine endgültige Bleibe in Leiston fand. Nach Neills Tod 1973 wurde die Schule von seiner Frau Ena bis 1985 weitergeführt. Heute wird die Schule mit angeschlossenem Internat für primäre und sekundäre Erziehung von Neills Tochter Zoe Neill Readhead geleitet. Summerhill geht davon aus, daß Kinder am besten ohne Zwang lernen. Alle Unterrichtsstunden sind freiwillig und die Kinder entscheiden, was sie mit ihrer Zeit anfangen. In den Worten von Neill: "The function of a child is to live his own life - not the life that his anxious parents think he should live, not a life according to the purpose of an educator who thinks he knows best."
Die Schüler nehmen nach wie vor an der Verwaltung der Schule teil. School Meetings finden viermal pro Woche statt. Es gibt kein Konzept für das Unterrichtsjahr oder die Klassen, die Schüler werden entsprechend ihrer Fähigkeiten in den Fachunterricht gesetzt, so dass manche Schüler bereits mit 13 oder 14 Jahren ihr General Certificate of Secondary Education (GCSE) ablegen. Das hat zu Kontroversen mit der Regierung geführt und Summerhill ist die am meisten inspizierte Schule Englands, in den 1990er Jahren allein neunmal. Als die Schließung drohte, rief man die Gerichte an und erreichte, dass Summerhill in Zukunft anders inspiziert wird, wobei die besondere Erziehungsphilosophie berücksichtigt wird.
Ein paar Zitate "on the subject":
"I'd be very disappointed if a Summerhill child became Prime Minister. I'd feel I'd failed." -- A.S. Neill
"No one is wise enough or good enough to mould the character of any child. What is wrong with our sick, neurotic world is that we have been moulded, and an adult generation that has seen two great wars and seems about to launch a third should not be trusted to mould the character of a rat" - A.S. Neill
"What cannot be doubted is that a piece of fascinating and valuable educational research is going on here which it would do all educationists good to see" - Report by Her Majesty's Inspectors of Schools, 1949
"I would sooner send my children to a brothel" - Max Rafferty (amerikanischer Erziehungswissenschaftler).

Viele Jahre diente die Fährverbindung Zeebrügge - Felixstowe als bequeme Anfahrt in den Osten Englands. Dann wurde eines Tages der Fährverkehr von P & O auf dieser Linie ohne große Vorankündigung eingestellt. P & O wollte den Hafen verstärkt für den Gütertransport ausbauen. Zusammen mit Southampton und Tilbury ist Felixstowe heute einer der Top Three Ports in Grossbritannien mit 35% Containerverkehr. Er ist der viertverkehrsreichste in Europa hinter Rotterdam, Hamburg und Antwerpen, in dem pro Jahr an einem 2,3 km langem Quay mit 25 Containterbrücken mehr als 3,7 Mio Container abgefertigt werden. Der Hafen gehört Hutchison Whampoa Ltd. in Hong Kong, aber das meiste Land ist interessanterweise im Besitz von Trinity College in Cambridge.


Die mittelalterlichenFachwerkhäuser von Lavenham zieren häufig die englischen Kalenderblätter. Dank seiner Ansammlung von Häusern aus dem Mittelalter und der Tudorzeit hat man Lavenham "the most complete medieval town in Britain" genannt. Herrensitze von wohlhabenden Händlern wechseln mit einfach Fachwerkhäusern, einige davon mit vom Alter gebogenen Balken. Die älteren Häuser stehen um den Marktplatz mit der Guildhall aus dem 16. Jahrhundert und dem noch älteren Marktkreuz, das Bear-Baiting-Kämpfe aus dieser Zeit zeigt. Die Guildhall wird heute vom National Trust verwaltet. Während des Mittelalters war Lavenham ein blühendes Zentrum des englischen Wollhandels, was sich noch in der prächtigen Wool Hall zeigt. Den wohlhabenden Händlern gehörten diese denkmalgeschütztenen Häuser einschließlich der Kirche von St. Peter and St. Paul aus dem 15. und 16. Jahrhundert, wohl eine der schönsten Wool Churches im Land. Sie ist berühmt für seine reichen Schnitzereien, innen wie außen. Hier kann man das Sterndesign der De Vere-Familie sehen, das überall in die Kirche geschnitzt ist. John de Vere, 13. Earl von Oxford, war einer der Hauptwohltäter der Kirche. Trotz seiner belebten Vergangenheit blieb Lavenham klein und hatte nie mehr als 2000 Einwohner, auch nicht im Mittelalter, als es zu den zwanzig reichsten Städten Englands zählte.

Sir Peter Fitzosbert baute um 1240 einen Herrensitz, wo heute Somerleyton Hall steht. Sir Morton Peto, der das Haus 1843 kaufte, war 1809 in London geboren und ging bei seinem Onkel in die Lehre, wo er Mauern und Bodenlegen lernte. Als er 21 war, starb sein Onkel und überließ ihm ein blühendes Geschäft. Mit großem Fleiß wurde er der führende Bauunternehmer, der Mann, der die meisten Leute auf der Welt beim Eisenbahnbau in Dänemark, Kanada, Argentinien und Rußland beschäftigte. Er baute das Parlamentsgebäude, die Nelson-Säule und den Hafen von Lowestoft. Als aufrechter Baptist war er unermüdlich, die Lebensbedingungen seiner Arbeiter zu verbessern. 1847 wurde er Liberaler Unterhausabgeordneter für Norwich und 1855 Baronet. 1863 verkaufte er den gesamten Besitz an Sir Francis Crossley, einem Mann wie er, Unternehmer, Menschenfreund, Abgeordneter für Halifax und Baronet. Seine drei Söhne Francis, Joseph and John ließen einen durch Dampf angetriebenen Webstuhl entwickeln, der riesige Mengen an Teppichen zu billigen Preisen produzieren konnte. So überfluteten billige Teppiche nicht nur England, sondern auch Europa und Amerika und machten die Familie steinreich. Sir Francis starb im Alter von 55 Jahren und seine Witwe zog nach Somerleyton. Ihr einziges Kind, Sir Savile - der Großvater des gegenwärtigen Lord Somerleyton - wurde als Country Gentleman erzogen, besuchte zuerst Eton School, ging später in die Armee und wurde Abgeordneter für Nord-Suffolk, später für Halifax. 1916 wurde Sir Savile zum Baron Somerleyton ernannt. Er bekleidete viele öffentliche Ämter, u.a. war er Geheimer Staatsrat, Könglicher Kammerherr für Georg V. und Zahlmeister. Sein Enkel, der gegenwärtige Lord Somerleyton (Savile Crossley, dritter Baron Somerleyton), erbte den Titel 1959. Er folgte der Familientradition bei öffentlichen Ämtern im Land und kümmerte sich um Somerleyton und um die Landwirtschaft. 1978 wurde er Lord-in-Waiting für Königin Elisabeth II. und von 1991 bis 1999 war er Master of the Horse. Der "Master of the Horse" ist der dritte Würdenträger am Hof und war immer ein Mitglied des Ministeriums, ein Adliger und ein Privy Councillor. Alles, was mit Pferden verbunden ist, früher auch Hunden, sowie Ställen, Kutschen und dem Gestüt fällt unter seine Jurisdiktion.
Bei Somerleyton Hall gibt es einen italienischen Campanile-Turm, aus dem man aufs Meer und die St. Margaret's Kirche sehen konnte. Der Hof wird beherrscht von einer Uhr, die von Vulliamy aus der berühmten Uhrenhersteller-Familie entworfen wurde. Die Uhr war einst Gegenstand großer Auseinandersetzungen zwischen Vulliamy, dem Uhrmacher Georg III., Georg IV., William IV und Victoria. 1847 wurde im Oberhaus beschlossen, eine neue Uhr für das Parlament herzustellen und Vulliamy wurde gebeten, ein Modell zu entwerfen. Das Modell sollte kopiert werden und als Glockenturm für Big Ben dienen. Vulliamys Modell war zu teuer, aber er weigerte sich, es zu überarbeiten und so kaufte Peto, damaliger Besitzer von Somerleyton, die Uhr und errichtete den Glockenturm. Der grosszügige Wintergarten, der 1914 aus Sparsamkeitsgründen aufgegeben wurde, war eine gigantische Eisen- und Glaskonstruktion, die durch tiefer liegende Gärten ersetzt wurde. Die Gärten zeigen besondere Baumarten, von dene viele nach dem Sturm von 1987 neu gepflanzt werden mussten. Am populärsten ist der Irrgang aus Eibenhecken von 1846, der von dem berühmten Landschaftsgärtner William Nesfield entworfen wurde.
Das Dörfchen Somerleyton lohnt ebenfalls einen Besuch. Die Häuser, die um einen Dorfanger angelegt sind, gehörten einst zum Somerleyton Estate. Somerleyton war übrigens die Heimat von dem Erfinder des Hovercraft, Sir Christopher Cockerell, der auf den Broads seine ersten Versuche mit den Luftkissenbooten machte.



Newmarket
, das Hollywood of Horseracing, liegt mit einem Ortsteil in Suffolk und dem anderen in Cambridgeshire. Es ist ein Marktstädtchen, das im Zusammenhang mit Pferderennen und Pferdezucht im National Stud bekannt wurde und das größte Trainingszentrum für Rennpferde in GB betreibt. Hier werden genauso viele Pferderennen veranstaltet wie in Ascot. Die frühesten Rennen gehen auf das Jahr 1174 zurück. Am Ende der High Street steht das Rutland Arms -Hotel auf dem Grundstück des alten Palastes von König Charles, dahinter seine Pferdeställe und das Haus seiner Mätresse Nell Gwynn. Das Jockey Club-Haus steht in Newmarket, obwohl seine Verwaltung in London ist. Hier ist auch der Hauptsitz des größten Pferdeauktionshauses der Welt Tattersalls, die Heimat des National Horseracing Museum and ein "Equine Centre for Horse Health." Es gibt Ställe für mehr als 2.500 Rennpferde, die im Stadtzentrum nahe der Rennbahn liegen, 70 lizensierte Trainer und mehr als 60 Gestüte in und um Newmarket und zwei Rennbahnen auf Newmarket Heath, die Rowley Mile and den July Course, die durch den Devil's Dyke getrennt sind. 1967 eröffnete die Königin das National Stud, ein Zuchtzentrum für reinrassige Pferde. Die Königin, die die Familientradition aufrecht erhält, und Pferde im National Stud in Norfolk züchtet, besucht die Stadt häufig und ihre Tochter Anne, die Princess Royal, errang einen ihrer schönsten Siege auf dem in Newmarket trainierten Pferd Ten No Trumps im großen Ladies' Race von Ascot.