Kanalinseln

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"Die Kanalinseln sind ein Stück Frankreich, das ins Meer gefallen ist und von England aufgehoben wurde!" (Victor Hugo).

 

Jersey
Guernsey
mit Alderney, Herm und Sark

 

Die Kanalinseln oder Normannischen Inseln (frz.: ‚Îles anglo-normandes') sind eine Inselgruppe im Ärmelkanal, näher an Frankreich als an England gelegen. Sie wurden 933 dem Duchy of Normandy einverleibt. Seit 1204, als William I. - William the Conqueror - die meisten Ländereien in der Normandie verlor, wurden die Kanalinseln als Kronbesitz verwaltet. Jersey und Guernsey geben jeweils eigene Geldscheine heraus, die im Wasserzeichen ein Kuh (statt der Queen!) zeigen. Man kann aber auch mit dem britischen Pfund bezahlen. Wenn man aber mit deren Banknoten in England bezahlen will, muss man sie zuerst in der Bank umtauschen - so streng sind die Sitten. Sie geben eigene Briefmarken heraus und erkennen nicht einmal die der anderen Inseln an. Sark wird regiert von Europas letztem Feudalherren. Auf Herm ist die Benutzung von Radios im Freien verboten, auf Alderney leben blonde Igel. Die Inseln bieten Skurriles vor beeindruckender Kulisse: stolze Herrenhäuser, steile Klippen, reißende Strömung, goldgelbe Strände, Blütenpracht und türkisblaues Meer.

Die Kanalinseln gehören geologisch zum Armorikanischen Massiv und bestehen vor allem aus vulkanischen Tiefengesteinen. Zu Inseln wurden sie nach dem Anstieg des Meeresspiegels nach der letzten Eiszeit vor ca. 10.000 Jahren. Durch Erosion bildeten sich die heutigen Oberflächenformen: Jersey und Sark sind flache Plateaus mit hohen Küsten, Guernsey, Alderney und Herm dagegen fallen von Süden nach Norden ab und haben im Norden flache Strände. Politisch sind sie unterteilt in die Amtsbezirke (‚Bailiwicks') von Guernsey und Jersey mit eigenen Parlamenten, den sogenannten ‚States'.
Wie die Isle of Man sind die Kanalinseln als ‚Crown Dependency' der britischen Krone unterstellt. Beim Beitritt Großbritanniens 1973 zur Europäischen Gemeinschaft wurde der Status der Kanalinseln in einem Zusatzprotokoll geregelt. Die Kanalinseln sind demnach nicht Mitglied der EU, gehören aber zum Zollgebiet der Gemeinschaft. Die französische Sprache wird von Teilen der Bevölkerung in Form eines speziellen Dialekts (‚Patois') noch heute gesprochen, viele Schilder sind zweisprachig. Der Einkommenssteuersatz ist wie überall auf den Kanalinseln extrem niedrig und liegt generell bei 20 Prozent.

Die Kanalinseln waren das einzige britische Gebiet, das die Deutschen im Zweiten Weltkrieg vom 30.06. - 01.07.1940 fast kampflos besetzt hatten. Sie erwarben sich zwar insgesamt einen guten Ruf, denn bei schlechter Lebensmittelversorgung hungerten die Deutschen ebenfalls - aber es blieben halt Besatzer. Viele Soldaten meinten wohl, in England gelandet zu sein, da sie überall erzählten, daß sie darauf brannten, in London einkaufen zu können. Der Niedergang der deutschen Besatzung, die in der Zwischenzeit die Inseln völlig befestigt hatten, begann 1944, als sie von der Versorgung aus Frankreich abgeschnitten wurden. In den Jahren der Okkupation errichteten die Deutschen Festungsbauten als Teil des Atlantikwalls, die noch heute existieren, häufig aber umgebaut wurden, z.B. als ‚Watch Towers' für den Flugverkehr. Außerdem gibt es German Military Underground Hospitals in Jersey und Guernsey, die von russischen Kriegsgefangenen in den Felsen getrieben wurden und heute als Museum der Besatzungszeit zu besichtigen sind. Es gibt eine Anekdote über die Insel Sark, die damals von der legendären Sybil Hathaway (1884-1974), der 21. ‚Dame of Sark', regiert wurde. (‚Dame' ist die weibliche Form des Besitzers der Seigneurie). Als die deutsche Generalität am späten Nachmittag an dem ‚Seigneurie' genannten Herrenhaus anklopfte, um die Insel für besetzt zu erklären, ließ sie ausrichten, dass sie so spät keinen Besuch mehr empfange. Die Deutschen zogen unverrichteter Dinge ab, kehrten aber am nächsten Morgen zurück und die Dame of Sark musste sich in ihr Schicksal fügen. Sie behandelte die deutschen Besatzer freundlich, aber autoritär. Sie war neben dem Guernseyer ‚Jurat' (Richter) Lainé die einzige politisch einflussreiche Person, die sich weigerte, deutsche Befehle zu unterschreiben. ("Ihr Wort war Gesetz. Sogar für uns ..." meinte ein deutscher Soldat dazu).

Jersey

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(1) Firmenschilder in St. Helier, (2) Jersey Cow, (3) St. Ouen's Bay, (4) St. Brelade Bay, (5) Gorey Castle, (6) German Military Underground Hospital, (7) Sunset over Corbière Lighthouse

 

Jersey gilt als die sonnenreichste aller britischen Inseln und ist berühmt für seine ausgedehnten Strände. Die Vielfalt der Natur ist das Kapital des Tourismus, denn Jersey ist die landschaftlich abwechslungsreichste Kanalinsel, zumindest aber die größte. An der Südwestspitze liegt das beliebteste Foto-Motiv der Insel, der hellweiße Leuchtturm von Corbière, der auf schroffen Felsen aus dem Meer ragt.
Am (fast) nördlichsten Punkt der Westküste liegt Grosnez Castle, Reste einer mittelalterlichen Burganlage aus dem 14. Jahrhundert, hinter dem die Klippen tief ins Meer abfallen und mit Ginster, Farnen sowie niedrigen Sträuchern und Kräutern bewachsen sind. Der größte Teil der Insel ist entweder landwirtschaftlich bewirtschaftet oder bebaut, wobei vor allem in den kleineren Orten die Häuser oft mit schönen Gärten oder Parkanlagen, vor allem aber hohen Steinmauern umgeben sind. Die Küsten wechseln von der winzigen, weltabgeschiedenen Strandbucht bis zu abrupt abfallenden Steilküsten, von tiefen Dünentälern bis zu felsübersäten Wattflächen.
Schmale Landstraßen und die noch engeren ‚Green Lanes' überspannen Jersey, führen zu stillen Weilern, alten Wassermühlen und prächtigen Gärten. Radfahrer und Reiter sind auf diesen Sträßchen fast häufiger anzutreffen als Autos. Von der Lage der Insel profitiert der Tourismus, der zusammen mit Finanzdienstleistungen in den letzten Jahren die Landwirtschaft als wichtigste Einkommensquelle ablöste. So nimmt es nicht Wunder, dass in St. Helier sich an Häusern die Schilder von (Briefkasten-) Firmen häufen, die angeblich hier ihren Sitz haben. Eine weitere wichtige Einkommensquelle ist die Blumenzucht. Jersey hat ein mildes Klima und die Sonnenscheindauer (mehr als 1900 Stunden pro Jahr) ist höher als in jedem anderen Teil der Britischen Inseln. Das Klima begünstigt frühe Ernten in der Landwirtschaft.
Zu den wichtigen Exportgütern der Insel gehören Rinder, eine eigene Rasse, die ‚Jersey Cows' oder kurz ‚Jerseys'. Sie geben besonders viel Milch und hat (angeblich) treue braune Augen. Genetisch bedingt produzieren sie Milch mit hohem Eiweiss- und Fettgehalt. Häufig tragen sie eine aufgelegte Decke, damit "die Milch bei Regen nicht zu dünn wird". Sie sollen auch einen guten Charakter haben und zeigen eine geringere Körpergrösse im Vergleich mit den anderen Rassen. Jerseys-Kühe sind sehr betreuerbezogen. Ein Pfiff genügt angeblich, und die Jungrinder trotten vertrauensvoll auf ihren Besitzer zu und lassen sich den Kopf kraulen. Sie sind meist angepflockt und grasen dann den Kreis ab, sie werden täglich dreimal umgepflockt. Es ist halt eine kleine Insel. Bei Export werden sie groß und grobschlächtig, daher benötigt man immer Nachschub von Jersey.
Eine Attraktion ist der Zoo von Jersey, der in den letzten Jahren stark erweitert wurde. 1959 gründete ihn der zoologische Autodidakt Gerald Durrell, um bedrohte Tierarten vor dem Aussterben zu bewahren. Neben einer gut dokumentierten Orang-Utan Horde gibt es eine große Anlage für Flughunde.
In der Hauptstadt St. Helier sind die Geschäfte vorwiegend auf die Tagestouristen aus Frankreich ausgerichtet und verkaufen vor allem Parfüm, Schmuck und Alkohol. Wer also etwas vom Touristenrummel weg will, sollte sich daher besser außerhalb der Stadt aufhalten oder eine der anderen Kanalinseln besuchen.
Eine der schönsten Buchten ist St. Brelade's Bay mit einem ausgedehnten Sandstrand, einem kleinen Park mit Palmen und einem Denkmal zur Erinnerung an den ‚Liberation Day' (am 9.5.1945 übergab Generalmajor Wulf die Kanalinseln kampflos den britischen Truppen) mit Winston Churchill ("...and our dear Channel Islands shall be freed today"). Von hier bot sich ein herrlicher Blick auf Elizabeth Castle, das man bei Ebbe zu Fuß erreichen kann.



Guernsey

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(1) St Peter Port, (2) War fortification, (3) Deutscher Friedhof, (4) Dolmen, (5) verschwiegene Buchten, (6) Lihou Island



Zur Hauptinsel Guernsey gehören zusätzlich die Inseln Alderney, Sark, Herm, Jethou, Brecqhou, Burhou sowie weitere kleine Eilande.
Die Insel besteht aus einem Hügelland mit Steilküsten (besonders im Süden). Betrieben werden vor allem Viehzucht und Gartenbau, eine große Fläche davon unter Glas. Milchproduktion und Blumenzucht prägen die Landwirtschaft. Besonders aus der Luft fällt auf, dass Guernsey abseits der Küste mit Gewächshäusern ähnlich dicht bedeckt ist wie manche Teile der Niederlande.Guernsey ist wichtiges Touristenziel für Natur- und Vogelliebhaber. Die Insel hat wegen des Einflusses des Golfstroms und aufgrund seiner geschützten Lage im Golf von Saint Malo ein mildes, fast mediterranes Klima. Temperaturen unter null Grad sind extrem selten, das Meer erreicht jedoch selbst im Hochsommer nie Temperaturen über 20 Grad. Wegen des fehlenden Frostes gedeihen auf der Insel Fuchsien, Guernseylilien (die Nationalblume der Insel) aber auch Zypressen, Bananenstauden und sogar Palmen.
Mittelpunkt des Insellebens ist die Hauptstadt St. Peter Port mit einer langen Uferpromenade und dem Yachthafen. Deren meist kopfsteingepflasterte und von bunten Häusern gesäumte Gassen ziehen sich an mehreren Hängen hinauf. Ein Spaziergang über das Pier führt zur Festung Castle Cornet - am besten rechtzeitig vor 12 Uhr mittags, um die ‚Gunfiring Ceremony' in Erinnerung an den königstreuen Insel-Gouverneur Sir Peter Osborne nicht zu verpassen. Guernsey ist konservativer als Jersey, was jeder Urlauber immer wieder sonntags erfährt. Die Freikirchen haben hier noch so viel Einfluss, dass sonntags Pubs und Diskotheken geschlossen bleiben. Fällt Silvester auf einen Sonntag, feiern viele Insulaner den Jahreswechsel daher bereits am Vorabend. Da auch Benzin Alkohol enthält, waschen und reparieren die Tankstellen sonntags zwar Autos, verkaufen Zeitungen und Süßigkeiten, aber keinen Treibstoff oder Motoröl - nicht einmal in Notfällen.
Auf Guernsey achtet der Staat darauf, dass die Einheimischen nicht durch den Zustrom reicher Ausländer aus Großbritannien und anderen Teilen der Welt benachteiligt werden. Der Häusermarkt ist daher geteilt. Etwa 2.000 Häuser werden auf dem ‚Open Market' zu exorbitanten Preisen an jedermann verkauft oder vermietet. Einige von ihnen stehen in Fort George, das als Wohngebiet für Millionäre entwickelt wurde. Daneben gibt es einen ‚Local Market' mit preiswerten Häusern und Apartments, der nur Einheimischen zugänglich ist.

Bevor Großbritanniens Eintritt in die Europäische Union den Inselbauern die Preise verdarb, wurden darin vor allem Tomaten - die ‚Guernsey Toms' - gezogen. So wie die kleine Kartoffelsorte ‚Jersey Royals' ein typisches und in England sehr beliebtes Produkt der Nachbarinsel ist, war und ist Guernsey Tom der Inbegriff bester Qualitätstomaten, auch wenn die Produktion stark zurückging und weitgehend von der Blumenzucht abgelöst wurde. Von wirtschaftlicher Bedeutung für Guernsey sind auch die vielen Segler, vor allem aus Frankreich, die vor der Luxussteuer der Sozialisten flüchteten und St. Peter Port anliefen. 1.400 Liegeplätze verwandeln die Jachthäfen in einen dichten Mastenwald. Aber auch die Fischer finden im Hafen noch Platz: Krebse und Hummer stammen aus lokalen Fanggründen. Sie sind so reichhaltig, dass die Krustentiere sogar nach Frankreich exportiert werden können.
Literaturfreunde erwartet auf Guernsey ein Leckerbissen. Zum obligatorischen Besichtigungsprogramm gehört Hauteville House in St. Peter Port, das heute im Originalzustand besichtigt werden kann. Hier verbrachte der französische Schriftsteller Victor Hugo fünfzen Jahre seines Lebens. Nach Napoleons Machtergreifung floh der für sein politisches Engagement gegen die französische Kolonialpolitik und die Todesstrafe bekannte Künstler 1851 zunächst nach Belgien, später nach Jersey und Guernsey. Victor Hugo nahm seine Frau, seine vier Kinder und praktischer Weise auch gleich seine Geliebte mit und fühlte sich auf Guernsey wohl. Hier schrieb er Gedichte und Romane, die maßgeblich die französische Romantik geprägt haben, wie zum Beispiel Les Miserables. Mit seinen Romanen Der Glöckner von Notre Dame oder Die Arbeiter des Meeres war Hugo berühmt geworden und hatte viel Geld verdient. Dieses gab er auch an die Armen auf Guernsey weiter. Jede Woche lud er mittellose Kinder in sein Haus ein und kochte für sie. Victor Hugo war 50, als er auf die Kanalinsel kam. Seine Frau und er sehnten sich nach Frankreich, das man bei klarem Wetter von hier aus sehen konnte, konnten aber erst nach 19 Jahren in ihre Heimat zurückkehren.

Die kleine Insel Lihou Island (15,6 ha) vor der Westküste von Guernsey kann man bei Ebbe zu Fuß von Guernsey aus erreichen. Der Pfad ist nur gut zwei Stunden passierbar, bei Flut liegt er rund sieben Meter unter dem Meeresspiegel. Lihous Vogel- und Seeleben macht es zu einem wichtigen Naturschutzgebiet. Auf der Insel sind die Ruinen der Abtei von St. Mary, die wahrscheinlich von Benediktinermönchen im 12. Jahrhundert errichtet wurde. Die Mönche waren aber keineswegs bei den Einheimischen beliebt, die vermuteten, dass sie den Teufel verehrten. Die Feindschaft konnte aber auch daher rühren, dass sie auf dem Recht an Schiffwracks bestanden.
Weder die Gezeiten noch das Gezeter der Hexen von gegenüber konnte die Benediktiner-Mönche im 12. Jahrhundert jedoch von ihren Gebeten und ihrer landwirtschaftlichen Arbeit auf Lihou abhalten. Nach der Reformation wurde die Abtei geschlossen und verfiel. Im Zweiten Weltkrieg wurde das einzige Haus auf der Insel von der deutschen Besatzung für Artillerieübungen genutzt, nach dem Krieg wieder aufgebaut und dient heute als Schulungscenter für christliche Jugendgruppen. In der Vergangenheit wurde hier Seetang geerntet und auf Gestellen am Strand getrocknet. Eine kleine Fabrik produzierte daraus Jod. Alle Spuren dieser Industrie verschwanden während der Besatzung der Deutschen.

Alderney - http://www.visitalderney.com
ist die nördlichste der Kanalinseln und gehört zum Bailiwick of Guernsey. Sie ist 4,8 km lang und 2,4 km breit und liegt ungefähr 16 km westlich von La Hague in der Cotentin-Halbinsel von Frankreich. Die 2.500 Einwohner werden traditionell mit dem Spitznamen 'Vaques' nach den den Kühen oder 'Lapins' nach den vielen Kanickeln auf der Insel genannt. Die Gemeinde St. Anne (La Ville') dehnt sich über die ganze Insel aus. Deutsche Truppen besetzten die Insel von 1940 - 1945, bauten viele Befestigungsanlagen und vier Konzentrationslager.
Zwei Jahre nach dem Krieg wurde die Landwirtschaft als Gemeinschaftsfarm betrieben, um die Kriegsschäden zu beheben. Erst 1949 wurde Alderney per Gesetz wieder unabhängig. Im 20. Jh. hat sich viel verändert, es wurde ein Flughafen errichtet und der letzte Bewohner, der die Inselsprache Auregnais sprechen konnte, starb. Die Landwirtschaft als Haupterwerbsquelle wurde vom Tourismus und der Fianzwirtschaft abgelöst. Elektronische Handel hat zunehmend an Bedeutung gewonnen und die Insel besitzt das Registrierrecht für Domain-Namen für die Insel und für die Betrieber von einem Dutzend Glücksspielseiten im Internet.



Herm - "the jewel in the crown of the Channel Islands" - http://www.herm.com


(1) Jethou und Brecqou, (2) Herm Island, (3) Shell Beach, (4) White Hart Hotel


Herm ist 2,4 km lang und weniger als 800 m breit (Fläche 2 qkm). Die nördliche Hälfte besitzt Sandstrände, während die südliche Hälfte felsig ist. Wer Ruhe und Abgeschiedenheit sucht, ist hier genau richtig. Lediglich 55 Einwohner leben auf dem kleinen Eiland, das 20 Bootsminuten von Guernsey entfernt liegt. Auf Herm sind weder Autos noch Fahrräder unterwegs, das Verbot wird aber umgangen, indem man mit Traktoren und Rasenmähern fährt. Herm ist eine kaum vorstellbare Oase der Ruhe, auch wenn sie im Sommer tagsüber einige hundert Touristen besuchen.
Die Insel ist derzeit im Besitz von Adrian Heyworth, dem Schwiegersohn des legendären Major Wood (‚King Peter'), der die Insel urbar gemacht hatte. Die Haupteinnahmequelle liefert der Tourismus. Weitere Einkünfte werden mit dem Anbau von Gemüse und der gelegentlichen Herausgabe von eigenen Briefmarken erzielt, die allerdings seit 1969 verboten sind. Bereits in 90 Minuten kann man die Insel umrunden. Neben herrlichen Sandstränden laden romantische Klippenpfade zum Wandern ein. Die Strände von Herm gehören zu den 100 schönsten und naturbelassensten der Welt. Hauptattraktion für die Besucher der Insel ist Shell Beach mit angeblich 200 verschiedenen Muscheln von 40 Arten, "ein Vanillezuckerstrand von Karibikgüte, an den der warme Golfstrom seltene, zum Teil sogar tropische Muschelarten anspült" und an dem man selbstverständlich auch baden kann.
Die Entwicklung der Insel begann bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Verantwortlich dafür ist der Neuseeländer Major Peter Wood, der 1949 die Insel für 100 Jahre von den States of Guernsey mit der Auflage pachtete, sie als Besucherattraktion aufzubauen und zu pflegen. Diesem Werk widmete Wood fortan sein Leben und verwandelte das vernachlässigte, teils kriegszerstörte Herm nach und nach in ein ruhiges Paradies, lange bevor die Idee vom sanften Tourismus geboren wurde. So gibt es auf Herm außer drei Traktoren und drei Gelände-Buggys weder Autos noch Luftverschmutzung. Abfall wird sofort verbrannt oder in einem alten Steinbruch entsorgt. Blumen pflücken und das Ausreißen von Pflanzen sind ebenso tabu wie der Betrieb von Kofferradios am Strand und in der Natur. Und während der Hochsaison dürfen aus Energiespargründen keine elektrischen Wasserkocher benutzt und Waschmaschinen nur am Vormittag in Betrieb genommen werden.
Arbeit finden die Bewohner im noblen ‚White Hart Hotel', das eine prächtige Kulisse abgäbe für einen Agatha-Christie-Krimi, in den zwei Kneipen, ‚Mermaid Tavern' und ‚The Ship Inn', in den drei Souvenirläden und in den zwei schönen Strandcafés. Zwei Vollzeitgärtner kümmern sich um die tropische Flora, die zum Teil aus Südamerika stammt. Inselmanager Adrian Heyworth leitet im Brandfall die Feuerbrigade und fungiert als Polizist. Weil Eingriffe in die Vegetation verpönt sind, gleicht die Insel im Sommer einem riesigen, leicht verwilderten Garten. Hier gedeihen der Königsfarn und die wilde Iris, das Schellkraut und der Fingerhut, Schlüsselblumen und Exoten wie neuseeländischer Flachs und japanischer Kaktus. Eine regelrechte Schatzkammer ist Herm für Ornithologen. Als die ornithologische Gesellschaft der Royal Air Force vor 25 Jahren den Bestand aufnahm, fand sie 92 Arten, darunter Wildgänse, Trottellummen, Tordalks, Krähenscharben und Papageientaucher. Sogar einen Gedenkstein für einen Vogel gibt es - den Papageien von Sir Percival Perry, der eines Nachts von einer Schar betrunkener Fischer erdrosselt worden war.
Zwischen den Stränden des Nordens und der Steilküste im Süden mit bis zu 70 Meter hohen Klippen krönt ‚Le Manoir', das Herrenhaus, ziemlich genau die hügelige Inselmitte. Um das von einem mächtigen Turm beherrschte Anwesen herum verteilen sich Farm, Schule, Ferienwohnungen, die pastellfarbenen Cottages der Bewohner und St. Tuguals Chapel. Diese kleine runde Granitsteinkapelle stammt aus dem 11. Jahrhundert und wurde erbaut von Benediktinermönchen der Abtei Mont St. Michel. St. Tugual wiederum war im 6. Jahrhundert der wahrscheinlich erste Mensch, der seinen Namen auf Herm hinterließ, zugleich aber auch manches Rätsel. So ist bis heute noch nicht einmal erwiesen, ob Tugual ein Mann war oder eine Frau - obwohl die Statue vor der Tür Bart trägt und für den Künstler die Sache folglich glasklar war. Die Gräber von Major Wood und seiner Frau Jenny, ohne die es auch die Kapelle heute nicht mehr gäbe, befinden sich auf dem kleinen Friedhof daneben.

Hier ein Ausschnitt eines BBC-Berichts (23.6.2004) anlässlich eines könglichen Besuchs:
Herm ready for first royal visit
The islanders of one of the UK's smallest outposts, Herm, have been waiting 800 years for this occasion.
On Wednesday the Prince of Wales will become the first royal visitor to set foot on the island, population 55. The occasion is to mark 800 years since the Channel Islands pledged their allegiance to the Crown. At Herm School, which has two girls and seven boys aged four to nine, pupils are taking the visit in their stride. The children attend the school until the age of nine when they go to a weekly boarding school in Guernsey. Mrs Sandrey, their teacher, comes in by boat every day from Guernsey.
The prince is due to arrive at Rosaire Steps to meet all 55 island residents under the flagpole on the lawn of the White House Hotel, the island's only one. The 500-acre island also has only one pub and one main shop. From there he will walk up the hill to the Norman church of St Tugual's, the island's only church, where Mr Heyworth or his wife give sermons on a Sunday. There is no vicar.
The 75 minute visit is part of a two-day excursion around the Channel Islands which were part of the lands of the Dukes of Normandy when William the Conqueror extended his domain by conquering England. In 1204 King John lost Normandy, but the islanders, many of whom had landed interests in England, decided to align themselves with the English. And there they have remained - bar occupation by the Germans during World War II.
After World War II Herm was left derelict and abandoned until the Guernsey authorities bought it from the Crown - the fee has never been disclosed. Herm, unlike its bigger, feudally-run neighbour Sark, comes under Guernsey's jurisdiction. Peter and Jenny Wood were chosen as the first tenants of the island in 1949 and their daughter Pennie Heyworth - with husband Adrian - continue the family link with the island. Adrian Heyworth manages the island with his wife Pennie
.

Die Insel Jethou liegt unmittelbar südlich von Herm und ist zur Zeit von Sir Peter Ogden von der IT-Gesellschaft Computacenter gemietet und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Über die Insel gibt es sogar ein Buch von E. R. Suffling (1855-1911) "Jethou or Crusoe Life in the Channel Isles".

Sark

http://www.sark.info


(1) Sark Hill Transport, (2) La Seigneurie, (3) La Coupée



Sark ist mit etwa 5 qkm Fläche die kleinste der vier großen Kanalinseln und hat etwa 600 Einwohnern. Sark besteht aus Great Sark mit 419 ha und Little Sark mit 96 ha, die nur durch den schmalen Grat La Coupée, miteinander verbunden sind. La Coupée besitzt erst seit 1900 ein Geländer und wurde 1945 von deutschen Kriegsgefangenen zu einer betonierten Verbindung ausgebaut.
Sark wird oft als das letzte Bollwerk des Feudalismus bezeichnet, da hier noch das Lehnswesen existiert. Bis heute hat dessen Besitzer auch politisch mehr Einfluss als jeder Einwohner.
Der Tourismus spielt eine wichtige Rolle, allerdings müssen die vielen Tagestouristen die Insel um 17.00 Uhr wieder verlassen. Die Straßen sind nicht asphaltiert und haben keine Beleuchtung. Das Überfliegen der Insel ist verboten. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg waren Pkws nicht zugelassen. Auch Traktoren sind nur für wichtige geschäftliche Verwendungen erlaubt, Passagiere dürfen sie, außerhalb des steilen Harbour Hill, nicht befördern. Ersatzweise werden Pferdewagen und Fahrräder eingesetzt. Sogar der Krankenwagen wird von Pferden gezogen. Als Tagesbesucher lässt man sich am besten von einem der Taxis - Traktoren vor Anhängern mit aufgeschraubten Sitzbänken - auf die Hochfläche transportieren und mietet sich dann ein Fahrrad zur Inseldurchquerung.
Auf Sark gibt es keine Ortschaften, nur Ansammlungen von Gebäuden entlang der Straßen oder in der Nähe von wichtigen Punkten. Im Herzen der Insel verläuft The Avenue, die "Hauptstraße" Sarks. Manches ist hier etwas skurril: So ist das Postamt der Insel eher ein kleines Kaufhaus. Die Gäste kaufen ihre Andenken und für die Einheimischen ist die Post eine wichtige Versorgungsstelle, in der sie nebenbei auch noch ihre Briefe abholen können.
Gleich neben der Paketannahme ist die Haushalts- und Eisenwarenabteilung. St. Peter's Church wurde 1820 erbaut, als die britische Regierung Geld für den Bau neuer anglikanischer Kirchen bereitstellte, um die Ausbreitung des Methodismus einzudämmen. Das Gefängnis, 1856 erbaut als Ersatz für einen älteren Vorgängerbau, wird heute noch benutzt, jedoch vor allem als Ausnüchterungszelle und für maximal zwei Tage Haftdauer. Langzeitgefangene werden auf Kosten Sarks nach Guernsey verlegt. Eine Windmühle wurde 1571 erbaut, die der ‚Seigneur' bis 1920 für sein Mühlmonopol nutzte.
Le Manoir', ein Gebäude, das früher als Wohnhaus des Seigneurs diente, wurde bereits vom ersten Seigneur Helier de Carteret (1564/65-1581) erbaut. Die heutige Seigneurie lebt etwas abseits im Nordwesten der Insel. Dieses Gebäude gehörte ursprünglich zum ‚Tenement la Perronerie' und wurde erst 1730 mit dem Kauf der Insel durch die Le Pelleys, die Eigentümer von ‚la Perronerie', zum Wohnsitz des Seigneurs. Das Haus wurde ca. 1675 erbaut, 1854 kamen Salon und Turm hinzu. In den zur Besichtigung offenen Außenanlagen der Seigneurie findet sich neben zahlreichen historischen Objekten auch der teilweise symmetrische, von Sybil Hathaway angelegte Garten mit vielen exotischen Pflanzen. Der Seigneur nimmt die Insel von der Königin zum Lehen und ist verpflichtet, ihr ein Zwanzigstel einer ‚Knight's Fee' zu zahlen. Er zahlt jährlich £ 1,79, was heute ca. 2,70 € entspricht (2007). Vor allem aber muss er die Insel ständig mit 40 bewaffneten Männern schützen. Das Amt des Seigneurs kann nicht nur vererbt, sondern auch verkauft werden, was aber die Erlaubnis des Monarchen voraussetzt. Das ist bisher viermal geschehen, zuletzt 1852. Gründe waren oft Schulden der Titelinhaber. Der heutige Seigneur ist seit 1974 der Enkel von Sybil Hathaway, John Michael Beaumont, ein gelernter Luftfahrtingenieur.

Auf Sark gibt es eine eigene Schule mit etwa 60 Schülern zwischen 4 und 16 Jahren. Der mit 16 Jahren abzulegende Schulabschluss ‚General Certificate of Secondary Education' wird heute per Fernunterricht vorbereitet, während die ‚Advanced Levels' (vergleichbar dem Abitur) auf Sark nicht möglich sind.
Durch den autonomen Status und die eigene Gesetzgebung der Insel haben seltsam anmutende, aber immer noch gültige Gesetze die Jahrhunderte überlebt. Beispielsweise ist der Seigneur die einzige Person auf der Insel mit dem Recht, Tauben zu züchten; auch eine nicht sterilisierte Hündin (‚Bitches') darf er als einziger halten, da zu viele Hunde und Tauben eine Gefahr für die Landwirtschaft auf der Insel wären. Auf sämtlichen Kanalinseln ist zudem das Relikt des Clameur de Haro verbreitet, die - heute kaum noch genutzte - Möglichkeit, durch ein französisch gebetetes Vaterunser und einen symbolischen Hilferuf an den Fürsten bei allem, was man als Verletzung seiner Rechte ansieht, Aufschub erreichen zu können. Wenn jemand meint, ihm sei ein Unrecht geschehen, so muß er sofort ausrufen:
Haro, haro, haro,
A L'aide de mon Prince,
on me fait tor
t.
Dann muß sofort eine Anklage vor Gericht erhoben werden. Erst 2003 wurde durch Ausweitung der Kompetenzen des königlichen Gerichts in Guernsey ein weiteres altes Gesetz abgeändert, nach dem eine Ehescheidung nur dann möglich war, wenn einer der beiden Ehepartner für ein Jahr die Insel verließ.
Eine weitere Besonderheit ist das heute noch bestehende Lehnswesen: Die 39 Landbesitzer (‚Tenants') wurden im 16. Jahrhundert vom Seigneur mit 40 Parzellen (‚Tenements') belehnt. Diese haben also keine eigentlichen Eigentümer, können aber sowohl vererbt als auch verkauft werden. Nicht alles Land gehört zu den Tenements, manche Ländereien gehören dem Seigneur und werden von diesem verpachtet. Die Pächter gelten nicht als Tenants und genießen auch nicht deren politische Vorteile.