Der Norden

 

Nordwest-England Manchester - Wigan - Liverpool - Port Sunlight - Morecambe - Blackpool - Lake District
Isle of Man Douglas - Cregneash - Laxey Wheel - Calf of Man
Nordost-England

Rotherham - Sheffield - Meadowhall - Hull - Humber Bridge - Beverley - Haworth - Bradford - Saltaire - York - Howard Castle - Harrogate - Ripon - Fountains Abbey - Herriot Country - Flamborough Head - Scarborough - Rievaulx Abbey -Robin Hood's Bay - Whitby - High Force Waterfall - Swaledale - Hawes - Hardraw Waterfall - Ribblehead - Horton-in-Ribblesdale - Durham - Angel of the North - Gateshead - Hadrian's Wall - Northumberland National Park - Alnwick - Bamburgh - Farne Islands - Lindisfarne

 

Nordwesten


(1) Ashness Bridge on Lake Windermere, (2)Wordsworth's 'Daffoldils', (3) Beatles,
(4) Manchester canals, (5) Rover's Return in Coronation Street, (6) Blackpool Tower,
(7) Liverpool Seafront, (8) Wigan Pier

 

Manchester (486.000 Einwohner), der Ballungsraum mit 2,6 Mio Einwohnern (2006), konkurriert mit Birmingham um den Rang der zweitwichtigsten Stadt Großbritanniens. Die Bewohner Manchesters werden ‚Mancunians' oder verkürzt ‚Mancs' genannt. Gnaeus Iulius Agricola ließ 79 n. Chr. am Zusammenfluss des Irwell und des Medlock ein Kastell errichten, das ‚Mamucium' genannt wurde, das keltische Wort für ‚brustförmiger Hügel'. Der Wortteil ‚chester' erinnert an die römische Zeit und bedeutet ‚Lager' (Castrum) - wie in den Ortsnamen Chester, Gloucester, Worcester, Winchester oder Chichester. Nachdem die Römer im Jahr 407 Großbritannien verlassen hatten, war die Gegend lange Zeit unbewohnt, bis dann im 7. Jahrhundert die Angelsachsen sich hier niederließen. Sie gründeten ein Dorf mit dem Namen ‚Mameceaster', woraus sich Manchester entwickelte. Im 14. Jahrhundert siedelten hier Einwanderer aus Flandern und begründeten die Tradition der Wollverarbeitung und Leinenherstellung.

Manchester und die Industrielle Revolution
Manchester spielte eine Schlüsselrolle während der Industriellen Revolution. Die zahlreichen Bäche, die in den Pennines nördlich und östlich der Stadt entsprangen, waren ideal für die Errichtung von Baumwollspinnereien, die durch Wasserkraft angetrieben wurden. Die Stadt profitierte außerdem von der Nähe zum Hafen in Liverpool. Nach der Erfindung der Dampfmaschine waren die Baumwollspinnereien nicht mehr länger auf die Wasserkraft angewiesen und in der Folgezeit entstanden größere Betriebe in der Stadt sowie in den umliegenden Dörfern und Städten. Innerhalb weniger Jahrzehnte stieg die Bevölkerungszahl um ein Vielfaches an und Manchester wurde zum wichtigsten industriellen Zentrum der Welt. Die meisten Arbeiter wurden jedoch zu Hungerlöhnen angestellt und mussten in erbärmlichen Zuständen leben. So kam es 1797 als Folge einer Rezession in der Textilindustrie zu Aufständen und Plünderungen. Die blühende Textilindustrie führte zu einer Expansion der Stadt und zum Zusammenwachsen mit den Vororten. Vor allem der Bau von Eisenbahnen und Kanälen trug zum Wachstum bei. 1829 baute George Stephenson die erste Eisenbahn von Liverpool nach Manchester. Der Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkriegs im Jahr 1861 hatte eine sofortige Verknappung der Baumwolle zur Folge, was die Textilindustrie in eine tiefe Krise stürzte. Um die Abhängigkeit vom Hafen von Liverpool zu verringern, wurden zahlreiche Kanäle gebaut, allen voran der 1894 eröffnete ‚Manchester Ship Canal'. Dadurch wurde Manchester zur drittgrößten Hafenstadt Großbritanniens, trotz einer Entfernung von 64 Kilometern zum Meer.

Manchester als Medienstandort
Nach dem zweiten Weltkrieg übernahm Manchester erneut eine Führungsrolle, diesmal in der Informatik. Das Filmstudio ‚Mancunian Films' nahm 1947 den Betrieb auf und wurde 1954 von der BBC übernommen. Im gleichen Jahr wurde ‚Granada TV' gegründet, das u.a. die seit Jahrzehnten laufende Seifenoper Coronation Street produziert. Sie ist die am längsten gezeigte Soap, von den Zuschauern zärtlich nur Corrie genannt, wurde zum ersten Mal am 9. Dezember 1960 ausgestrahlt. Sie sollte sechs Wochen laufen. Vom Romanschriftsteller Tony Warren entwickelt, basierte sie auf dem fiktiven Vorort Weatherfield von Manchester, voller stereotyper Charaktere in ‚Back-to-Back'-Reihenhäusern einer nicht sehr wohlhabenden nordenglischen Stadt. Außer einem Dutzend Wohnhäusern gibt es 'a corner shop, a newsagent's, a factory where several of its key characters worked, and a public house, 'The Rovers Return'. Letzteres wurde Brennpunkt sozialer Begegnungen. Der Pub wurde von der Brauerei Newton & Ridleys beliefert und hatte Stammkunden mit eigenen Sitzplätzen in ihren Lieblingsecken. Auch mehr als 40 Jahre später erreicht die Sendung noch Zuschauerrekorde. Wer die Studios besichtigt, kann auch ein Video von Coronation Street kaufen, mit einer kurzen Einspielung , in dem man selbst im Rovers Return auftritt.

Trotzdem ging die Bevölkerungszahl zurück: Zählte man 1971 noch 543.868 Einwohner, so waren es 2001 nur noch 422.302. In den 1950ern und 1960ern wurden alte, überbevölkerte Viertel großflächig saniert und durch Hochhaussiedlungen ersetzt, die wiederum seit den späten 1980ern zu einem Großteil wieder abgerissen werden. Mittlerweile steigt die Einwohnerzahl von Manchester wieder an, die Stadt profitiert von den teuren Mieten in London, so dass sich besonders Dienstleister hier ansiedeln. Allein im Stadtzentrum hat sich die Einwohnerzahl von 2.000 auf mehr als 12.000 erhöht. Im Jahr 2015 rechnet man in der Innenstadt mit einer Einwohnerzahl von mehr als 20.000.
Am 15. Juni 1996 explodierten 1500 kg Sprengstoff im Zentrum Manchesters. Es gab zwar keine Toten, jedoch 206 Verletzte. Dem Anschlag ging - wie bei der IRA üblich - eine Warnung eine Stunde vor der Zündung voraus, die Schlimmeres verhinderte. Der Anschlag zerstörte 50.000 qm Einkaufsfläche und 25.000 qm Bürofläche. Seit dem Anschlag wurde die gesamte Umgebung komplett renoviert, was das Stadtbild allgemein verbesserte. Als Folge der Wiederaufbaumaßnahmen und einer günstigen Wirtschaftsentwicklung hat die gesamte Innenstadt Manchesters in den letzten 10 Jahren einen bedeutenden Aufschwung erfahren. Das Stadtbild wird heutzutage durch Kaufhäuser der gehobenen Klasse sowie Luxuswohnungen und futuristische Architektur geprägt. Manchester erhielt 2003 von der EU den Preis für den besten Strukturwandel einer europäischen Großstadt.

Das ‚Museum for Science and Industry' in Manchester ist ein relativ junges Museum - es entstand erst Mitte der 1960er Jahre auf Initiative der beiden dort ansässigen Universitäten sowie des damaligen Manchester City Council. Dass ein solches Museum der Volksbildung dient, zeigt sich gleich in den moderaten Eintrittspreisen. Die Entscheidung von British Rail ‚Liverpool Road Station', den ältesten Bahnhof der Welt, zu schließen, bot dem Museum 1975 die einmalige Gelegenheit, sein endgültiges Domizil zu finden. Südwestlich des Stadtzentrums gelegen, bietet das Areal inmitten eines historischen Ambientes ausreichend Raum für unterschiedlichste Ausstellungen. 1983 öffnete das Museum erstmals seine Pforten. 1985 übernahm es das gegenüberliegende, in einer alten Markthalle untergebrachte ‚Air and Space Museum'. Seit Dezember 2001 ist der Eintritt frei, so dass man in Zukunft mit mehr als 450.000 Besuchern rechnet.
In den Ausstellungen des Museums kann man heute vom Pleistozän bis ins Maschinen-Zeitalter reisen - und dabei immer wieder den Geruch der Industriellen Revolution schnuppern. Auf mehr als 28.000 Quadratmetern gibt es verschiedenste thematische Einzelausstellungen über Dampfmaschinen, Raumfahrt, Baumwolle, Gas, Wasser, Elektrizität, Computer, Photographie und Geschichte, aber auch die Xperiment-Gallerie, ein eigenes interaktives Naturwissenschaftszentrum, in dem sich auch eine arbeitsfähige Rekonstruktion von ‚Baby', dem weltweit ersten Computer befindet, der 1948 an der Universität von Manchester entwickelt wurde. ‚Fibres, Fabrics and Fashion' gibt einen Einblick in Vergangenheit und Gegenwart von Manchesters Textilindustrie und wie die Baumwolle im 19. Jahrhundert aus Manchester eine der mächtigsten Städte der Welt gemacht hat. Eine besonders sehenswerte Attraktion ist die ‚Power Hall' mit der weltweit größten Sammlung an funktionstüchtigen Dampfmaschinen, die sich jeden Nachmittag zischend und fauchend in Betrieb setzen und mit ihrem Geruch nach heißem Öl allein schon eine Reise wert sind. In der ‚Air and Space Gallery' gibt es Flugzeuge in großer Zahl, darunter auch eine Spitfire sowie einen japanischen Kamikaze-Flieger.


Wigan, westlich von Manchester am Fluss Douglas, ist eine Industriestadt mit Metall-, Textil- und chemischer Industrie (87.100 Einwohner, 2004). Sie war hauptsächlich eine ‚Mill Town', ein wichtiges Zentrum der Textilverarbeitung. Der Leeds-Liverpool Kanal transportierte Kohle aus Lancashire in die Fabriken von Wigan und Baumwolle von Liverpool nach Wigan. Als William Woods 1818 den ersten ‚Power'-Webstuhl hier einführte, bekamen die Fabriken schnell einen schlechten Ruf wegen ihrer unzulänglichen Arbeitsbedingungen, Niedriglöhnen und Kinderarbeit. Nach dem Krieg erlebte die Textilindustrie noch eine kurze Blüte und brach dann völlig zusammen. Die letzte Cotton Mill, ‚May Mill', schloß 1980.
George Orwell verbrachte 1936 nicht einmal einen Monat in Wigan und schrieb ein Buch mit einem Titel - fast einer Botschaft, The Road to Wigan Pier, das allein in der Penguin- Ausgabe mehr als eine halbe Million mal verkauft wurde und das zum großen Teil von den Lebensbedingungen der englischen Arbeitklasse handelt. Der Titel war sarkastisch gemeint, da die arme Arbeiterklasse sich keinen Urlaub in einem Seebad (mit Pier) leisten konnte und nurmehr am Kanal auf und abgehen konnte. Was den meisten Lesern im Gedächtnis bleibt, sind die ersten 18 Seiten, in denen er seinen Aufenthalt in einer Unterkunft in Wigan beschreibt. 1982, als der Journalist Ian Jack den Ort besuchte, herrschten ähnliche Verhältnisse, 20% Arbeitslosigkeit, alle Textilfabriken im Ort geschlossen, die Kohlegruben erschöpft und viele Häuser waren mit Brettern vernagelt.
Orwells Buch hat literarisch Interessierte in den Ort geführt, aber es war nur ein kleiner touristischer Beitrag. In einem ausgebauten Lagerschuppen am Kanal hat man die Geschichte zu dem Roman aufbereitet, aber der wirtschaftliche Niedergang ist durch die vielen leer stehenden Fabrikhallen der ehemaligen Industrien nicht zu übersehen.
Wigan ist die Heimat der Firma Heinz, - ‚the one of the ‚Fifty-Seven Varieties' - u.a. Hersteller von ‚Baked Beans', dem ‚König' der Produktpalette. Über Baked Beans hatte George Orwell einmal gesagt, das sie in England jegliche Revolution verhindert haben. Sie waren immer so billig, dass selbst der ärmste Arbeiter davon immer noch satt wurde: "We may find in the long run that tinned food is a deadlier weapon than the machine gun." Heinz hat 40% Anteil am Baked Beans-Markt, alle Baked Beans, die in England verzehrt werden, kommen aus Wigan, ‚the baked bean capital of the world.'

In My Life, einer von John Lennons sehr persönlichen Songs, wird Liverpool in einem imaginären Bustrip besungen:

There are places i'll remember
All my life though some have changed
Some forever not for better
Some have gone and some remain
All these places have their moments
With lovers and friends i still can recall
Some are dead and some are living
In my life i've loved them all..
.

Liverpool, an der Mündung des Flusses Mersey gelegen, hatte 2002 eine Bevölkerungszahl von 441.447, das Ballungsgebiet 1.362.026. Die Stadt war der wichtigste transatlantische Hafen im 19. Jh., hat mehr als 2.000 historische Gebäude, eine ‚Waterfront' als World Heritage Site (2004), eine weltbekannte Musikszene und war zudem im Jahr 2008 ‚European Capital of Culture'. J. B. Priestley beschrieb die Stadt im frühen 20. Jh. als 'imposing, dignified and darkish, like a city in a rather gloomy Victorian novel.'
Auf der anderen Seite des Flusses Mersey liegen Wallasey und Birkenhead. Heute ist die Stadt durch die traditionsreichen Fußballvereine FC Everton und FC Liverpool sowie durch ihre pulsierende Musikszene bekannt, aus der in den 1960er Jahren unter anderem die Beatles hervorgingen. Die Einwohner Liverpools werden offiziell ‚Liverpudlians' genannt, doch die Einheimischen nennen sich eher ‚Scousers'. Sie sprechen einen besonderen Dialekt, der ‚Scouse' genannt wird (der Name leitet sich von von ‚Labskaus', einem traditionellen Seemannsgericht, her).

Liverpool's Past
Die Ursprünge von Liverpool gehen auf das Jahr 1207 zurück, der Aufschwung setzte aber erst 1698 ein, als das Unterhaus den Stadtbewohnern das Recht erteilte, eine neue Kirche zu bauen. Von diesem Zeitpunkt an begann der Aufstieg Liverpools zu einer der wichtigsten Städte des Landes. Durch den zunehmenden Handel mit den Westindischen Inseln begann die Stadt zu wachsen. Große Profite aus dem Sklavenhandel trugen zum Wachstum und zum Wohlstand bei. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden 40 Prozent des Welthandels über den Hafen von Liverpool abgewickelt. Von hier fuhren viele tausend Auswanderer mit dem Schiff in die Vereinigten Staaten von Amerika, um dort ein neues Leben zu beginnen. Große Mengen Stahl und Textilien, in Städten wie Manchester, Sheffield oder Leeds produziert, wurden von Liverpool in alle Welt verschifft.
Liverpool wurde im 19. Jahrhundert mit der Sklaverei mächtig und war Ausgangspunkt des berühmten ‚Slave Triangle'. Von hier gingen Schiffe mit billigem Industrietand nach Afrika, wo dieser gegen Sklaven eingetauscht wurde. Die Sklaven waren im Süden der USA auf den Baumwollplantagen sehr gefragt, da sie im Gegensatz zu den Indianern auch bei großer Hitze hart arbeiten konnten. Hier wurden die Sklaven gegen die in den englischen Textilfabriken begehrte Baumwolle umgetauscht, die nach Liverpool verschifft wurde.
Daneben wurde aber auch Zuckerrohr von den ‚West Indies' importiert und unter Henry Tate entstand 1869 eine große Zuckerraffinerie in Liverpool, die er nach London expandierte und dort mit seinem Vermögen 1897 die Tate Gallerie gründet. Später wurde sie mit Lyle zu Tate & Lyle zusammengeschlossen. Die Firma ist für ihre Raffinerieprodukte bekannt und besonders für seinen Sirup. ‚Lyle's Golden Syrup Trademark' zeigt einen Löwen and einen Bienenschwarm sowie ein Zitat aus der Bibel (‚Book of Judges', Kapitel 14).
1880 erhielt Liverpool das Stadtrecht. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hielt das Wachstum an und die Stadt wurde ein Anziehungspunkt für Einwanderer aus ganz Europa, vor allem Irland. 1930 zählte die Stadt 850.000 Einwohner. Im Zweiten Weltkrieg wurde Liverpool von deutschen Bomberverbänden erheblich zerstört, die Ruine einer Kirche wurde als Mahnmal nicht wieder aufgebaut. Nach dem Krieg folgte ein großes Wiederaufbauprogramm mit zahlreichen neuen Wohnquartieren und dem 1972 eröffneten Seaforth Dock, dem bedeutendsten Hafenprojekt Großbritanniens. Doch bereits seit den 1950er Jahren nahm die Bedeutung Liverpools als Hafen- und Industriestandort kontinuierlich ab und die Einwohnerzahl sank bis 1985 auf 460.000.
Nationale Bedeutung erlangte zwischen 1984 und 1987 die Auseinandersetzung zwischen der Tory-Regierung und dem Stadtrat von Liverpool, der unter die Kontrolle von trotzkistisch eingestellten Teilen der Labour Party geraten war. In der Folge kam es zu mehreren großen Demonstrationen und Streiks. Der Konflikt wurde mit der Abschaffung des Stadtparlaments durch Margaret Thatcher beendet. Die Situation zur damaligen Zeit wird drastisch in dem Film Letter to Breshnev (1985) gezeigt, in dem sich die zwei russischen Seeleute Peter und Sergej in die Fabrikarbeiterinnen Elaine und Teresa verlieben. Elaine kann ihren Freund nicht vergessen und schreibt einen Brief an Breschnev, ob sie in die Sowjetunion kommen kann, denn schlimmer als in Liverpool kann es dort auch nicht sein.

Liverpool Today
Nach dem industriellen Niedergang der Stadt in den 1970ern und 1980er Jahren erholte sich die Wirtschaft Liverpools allmählich. Besonders in den Bereichen Dienstleistungen und Tourismus entstanden in den letzten Jahren zahlreiche Arbeitsplätze. Die Stadt setzt vor allem auf die Kultur und die Popularität der von hier stammenden Beatles. Die Albert Docks, 1846 eröffnet und 1972 für die Schiffahrt geschlossen, wurden in den 1980er Jahren restauriert mit dem Merseyside Maritime Museum auf der Nordseite, der Tate Liverpool, einer Zweigstelle der Tate Gallery im Norden und einem Museum zur Geschichte der Beatles - ‚The Beatles Story'. Jeder Raum dieses Museums widmet sich einem neuen Abschnitt im Leben der ‚Fab Four'. Auffallend ist, dass zu jedem ihrer Lebensabschnitte auch ein Album erstellt wurde, ein Raum ist ausschließlich John Lennon gewidmet.
Von 1988 bis 1996 wurde von hier das ITV-Frühstücksfernsehen This Morning ausgestrahlt. Das Wasser im Dockhafen wurde für die Wettervorhersage benutzt: ‚Weatherman' Fred Talbot machte die Wettervoraussage von einer schwimmenden Karte der Britischen Inseln, wobei er gelegentlich, wenn er nach Nordirland hinübersprang, auch einmal ins Wasser fiel, sehr zur Freude der Zuschauer. Die Albert Docks sind vom Zentrum Liverpools getrennt, was von vielen Liverpoolern auch kritisiert wird, weil deren Ladenbesitzer, häufig aus London stammend, mit Liverpool eigentlich nichts zu tun haben wollen.

Der Cavern Club, am 16. Januar 1957 in der Mathew Street Nummer 10 eröffnet, war ein legendärer Rock-'n'-Roll-Club. Hier trafen 1961 Brian Epstein und die Beatles zusammen. Alan Sytner gründete den Club, der nach dem Vorbild des Pariser ‚Le Caveau' entstand. Zunächst ein Jazzclub, wurde der Cavern bald die Heimat der Skiffle-Bands. Anfang der 1960er traten Bluesbands und Beatgruppen im Cavern auf. Die erste Beat-Nacht fand am 25. Mai 1960 statt, mit ‚Rory Storm & the Hurricanes', bei denen Ringo Starr am Schlagzeug saß. Cilla Black, Sängerin und am besten bezahlte Fersehmoderatorin in der Geschichte des englischen Fernsehens, arbeitete an der Garderobe. 1961 hatten die Beatles ihren ersten Auftritt im Cavern Club, nachdem sie aus Hamburg zurückgekehrt waren. Zwischen 1961 und 1963 traten die Beatles 292 mal auf. In den folgenden Jahren gaben viele bekannte Bands Konzerte im Club, darunter The Rolling Stones, The Kinks, The Who, die Yardbirds, Elton John und John Lee Hooker. Im März 1973 wurde der Cavern Club geschlossen und das Gebäude beim Bau der U-Bahn abgerissen. Joe Davey baute den Club neu auf, der im April 1984 die Pforten öffnete. Am 4. Dezember 1999 stellte Paul McCartney im neuen Cavern Club sein Album Run Devil Run vor.

Das ‚Royal Liver Building' ist eines der Wahrzeichen von Liverpool und wurde nach der Royal-Liver Versicherung benannt, welche das Gebäude als Hauptsitz der Versicherung erbauen ließ. Entworfen wurde es von Walter Aubrey Thomas und war eine der ersten mehrstöckigen Stahlbetonkonstruktionen sowie eines der ersten Hochhäuser Großbritanniens. Das ‚Royal Liver Building' ist 90 m hoch, hat 13 Etagen und wurde im Jahre 1911 fertiggestellt. Es steht im bedeutsamen Hafengebiet Pier Head am Mersey und ist eines der ‚Three Graces', wie die drei Gebäude zwischen St. Nicholas Place und Mann Island in Liverpool genannt werden. Die zwei anderen ‚Graces', ‚Port of Liverpool Building' und ‚Cunard Building', stehen südlicher. Das Royal Liver Building besitzt zwei Glockentürme, deren Zifferblätter mit 7,6 Metern Durchmesser zu den größten in Großbritannien zählen. Auf den obersten Kuppeln des Gebäudes befinden sich die mythischen Liver Birds, die von Carl Bernard Bartels entworfen wurden. Einer populären Legende zufolge sind die Kormorane ein Männchen und ein Weibchen, das Weibchen schaut zur See, ob die Seeleute sicher nach Hause kommen, während das Männchen in Richtung Stadt sieht, um sicher zu stellen, dass die Pubs offen sind. Die 5,5 Meter hohen Vögel aus Kupfer wurden in kürzester Zeit zum Wahrzeichen Liverpools. Das Gebäude ist heute der Hauptsitz der ‚Royal Liver Friendly Society'.

Es gibt drei Tunnel unter dem Mersey hindurch nach Birkenhead - einen Bahntunnel und zwei Straßentunnel. Über den Fluss fährt die Mersey-Fähre, berühmt geworden durch den Song Ferry Cross the Mersey von ‚Gerry and the Pacemakers'. Er wird jedes Mal gespielt, kurz bevor die Fähre im Hafen anlegt. Eine Fahrt mit der Fähre nach Birkenhead lohnt sich, da man an Bord begrüßt wird, als ob man zu einer Überseereise aufbricht und mit der Silhouette von Liverpool vertraut gemacht wird.

Life goes on day after day
Hearts torn in every way
So ferry 'cross the Mersey
'Cause this land's the place I love
And here I'll stay

Auf einem Hügel über der Stadt steht eine moderne katholische Rundkirche, die von den einheimischen ‚Paddy's Wigwam' genannt wird. Das soll eine Anspielung auf die Iren sein, die ja für die Engländer die Ostfriesen der Britischen Inseln und etwas ‚slow' im Kopf sind. Iren, die nach Amerika auswandern wollten, mussten zuerst einmal zum Hafen nach Liverpool kommen. Da einige aber nach der Fahrt über die Irische See glaubten, bereits in der "Neuen Heimat" zu sein, blieben sie hier und bildeten eine der größten Minderheitengruppe in der Stadt.
Und noch eine Geschichte hält sich in Liverpool die, dass Adolf Hitler hier eine Zeitlang im Hotel Adelphi arbeitete. Es soll sogar noch ein paar Schlittschuhe im Eislaufhalle geben, die von Hitler stammen. Diese Episode wird auch von der Schriftstellerin Beryl Bainbridge in ihrem Roman Young Adolf beschrieben.

All you need is - us...
Wenden wir uns nun aber noch einmal dem größten Werbeträger der Stadt, den Beatles. zu. Man kann eine ‚Magical Mystery Tour' buchen, eine zweistündige Fahrt zu den bedeutesten Stätten der Beatles in Liverpool. Bereits der Bus erinnert an die Hippie-Zeit der Beatles in den Jahren 1967/68, an das Album und den Film Magical Mystery Tour. Die Fahrt führt vorbei an der Straße, in der Ringo Starr aufwuchs. Weiter geht es zur berühmten Penny Lane. Nächste Station ist der Friseur der Beatles. Ob hier tatsächlich die berühmte Beatles-Frisur kreiert wurde, ist zweifelhaft. Als typisch englisches Wohnhaus präsentierte sich das Geburtshaus von George Harrison.
...Let me take you down, 'cause I'm going to Strawberry Fields. Nothing is real and nothing to get hung about. Strawberry Fields forever...
Der Song Strawberry Fields ist allen bekannt, wobei der tatsächliche Namensgeber dieses Songs ein Waisenhaus am Rande Liverpools ist. Dann sieht man das Haus, in dem in den ersten Jahren John und Cynthia (Lennon) gelebt und in dem Julian geboren wurde. Paul McCartney's Geburthaus in Forthlin Road No. 20, Allerton, steht unter Denkmalsschutz, wurde vom National Trust erworben und ist mittlerweile der Öffentlichkeit zugänglich. Die Tour endet am Cavern Club in der Mathew Street.

1985 veröffentlichte der Sunday Times Columnist Ian Jack einen Artikel über Birkenhead, auf dem linken Ufer der Mersey gelegen, der zeigt, wie ein Teil der Bevölkerung damals hier lebte. Der Artikel "Life on the Scrap Heap" beginnt mit "The sight of miners and miners' children scrambling for coal over a colliery waste-heap is probably the most striking visual metaphor for povertry and desperation that Britain has produced in the twentieth century. ... Proceed to the metropolitan county of Merseyside and a rubbish tip on the outskirts of Birkenhead in the spring of 1985. Here unemployed men - and sometimes their womenfolk and children - are snatching a living of a sort by scavenging among the thousands of tons of waste matter which Merseyside council dumps every week... A visitor to Bidston Moss has some difficulty in believing what he is seeing. Later, on the train back to London, he is not sure whether he has witnessed scenes in Birkenhead, England, or in the nastier slums of Bombay".
Er schildert ein Bild, in dem Liverpool bereits als Dritte Welt dargestellt wird, ein Bild, das Gedanken an die alte North - South Divide von Elizabeth Gaskell hervorruft: der Norden, wo Arbeitsplätze wegbrechen und Wohlstand schwindet, der Süden, wo neue Arbeitsplätze entstehen und Reichtum zunimmt.
Wer Zeit hat, sollte auf jeden Fall auch Sunlight Village besuchen. Port Sunlight liegt auf der ‚Wirral' genannten Halbinsel und wurde von William Hesketh Lever (later Lord Leverhulme) ab 1888 für die Angestellten der Lever Brothers Seifenfabrik gebaut, die heute zum Unilever- Konzern gehört. Der Name leitet sich von Levers bekanntestem Reinigungsmittel ‚Sunlight' her. Der Ort hat 900 historische Gebäude und soll bald Weltkulturerbe werden. Lever selbst plante das Dorf für seine Arbeiter mit Kleingärten, der ‚Lady Lever Art Gallery', mit ‚a cottage hospital, schools, a concert hall, open air swimming pool, church, and a temperance hotel'. Er führte Wohfahrtseinrichtungen, Untericht und Unterhaltung für seine Arbeiter ein und ermutigte Freizeitbeschäftigungen mit Kunst, Literatur, Naturwissenschaft und Musik. Der Ort wurde gebührend gefeiert. 1912 wurde er Gegenstand des erfolgreichen Westend Musicals The Sunshine Girl in London. Bis in die 1980er Jahre waren alle Bewohner Angestellte von Unilever mit ihren Familien, später durften die Häuser privat verkauft werden.

Morecambe in der Morecambe Bay gehört zum Bereich der City of Lancaster. Die Stadt war bis in die Mitte des 20. Jh. ein blühendes Seebad. Während Blackpool vorwiegend Gäste aus den ‚Lancashire Mill Towns' anzog, kamen die Urlauber hier eher aus Yorkshire und Schottland. Wie alle englischen Seebäder hat Morecambe sinen Niedergang erlebt. Es hatte einmal zwei Piers. Die Central Pier wurde durch Feuer zerstört und die West End Pier Opfer eines Sturmes. 1994 schloß ‚The World of Crinkley Bottom'-Attraktion in ‚Happy Mount Park' nach nur 13 Wochen, ‚Bubbles', Morecambe's Hallen-Wasserwelt und ‚Frontierland Pleasure Beach' kurze Zeit später. Morecambe war danach ziemlich heruntergewirtschaftet mit Problemen von Kokain, Heroin und Alkohol, hat sich aber in den letzten Jahren wieder erholt.
Der Name der Stadt ist vielen besser vertraut durch den Comedian John Eric Bartholomew, OBE (1926-1984), der sich mit Künstlernamen ‚Morecambe' nach seiner Heimatstadt nannte und zusammen mit Ernie Wise zeigten sie über Generationen im Fernsehen "the most illustrious, and the best-loved, double-act that Britain has ever produced". Ihr Spaß an der Arbeit übertrug sich auf die Zuschauer, die sie als Entertainer und Freunde ansahen. Ihr Ansehen erlaubte es ihnen, Leute wie Princess Anne, Cliff Richard, Laurence Olivier, Tom Jones, Elton John, The Beatles und sogar den früheren Premierminister Harold Wilson einzuladen.
In den letzten Jahren tauchte der Ort noch einmal unter der Schlagzeile ‚Morecambe Bay Disaster' auf, weil dort am 5. Februar 2004 eine Gruppe von Chinesen starb, die in der Bucht Muscheln sammelten und von der Flut an der Water Bank überrascht wurden.
23 illegale Asylanten zwischen 18 und 45 Jahren kamen dabei ums Leben. Die Bucht ist berüchtigt wegen ihrer Treibsande und der schnell einbrechenden Gezeiten, von denen man sagt, dass sie hereinkommen ‚as fast as a horse can run.'

Do you want to go to the seaside?
I'm not trying to say that everybody wants to go
I fell in love at the seaside
I handled my charm with time and slight of hand...

Die Zeilen dieses Schlagers treffen wohl auf keinen Ort so zu wie auf Blackpool für einen tradionellen ‚Bucket and Spade'-Urlaub mit Beach-Beer-Bingo. Für Kinder gibt es die beliebten ‚Donkey Rides', denn Blackpool hat mit 200 Tieren die meisten Strand-Esel. Pro Jahr reiten Tausende Kinder auf dem Rücken der Tiere, aber nach strengen Regeln. So dürfen die Esel nur sechs Tage die Woche zwischen 10 Uhr und 19 Uhr arbeiten. Mindestens eine Stunde Mittagspause, ein freier Tag und ein Gesundheitstest für die Tiere vor der Sommersaison sind obligatorisch - und nach einem neuen "Esel-Kodex" ist es jungen Tierfreunden, die über 50 Kilogramm wiegen verboten, auf Eselrücken über den Strand zu reiten - garantiert ein Problem bei der heutigen Fettleibigkeit der Kids.
Die M 55 führt direkt in die Stadt , vorbei an riesigen Parkplätzen für Pkws und Busse, die meist gut besetzt sind. Blackpool ist laut und ordinär, aber genuine. Vieles an Blackpool ist ‚fake': die Felsen am Strand sind künstlich aus Beton gestaltet - was im 19. Jahrhundert in England eine gesuchte Kunst war und von der Firma Pulman hergestellt wurde - große Hotels sind als mittelalterliches Castles gebaut, der Blackpool Tower ist eine Nachbildung des Eiffelturms...
Eine Besonderheit im Stadtbild stellen die herrlichen historischen Straßenbahnen dar, eine vollständige Sammlung alter Straßenbahnen, ob ‚Single Decker', 'Double Decker' oder 'Open Decker'.

Blackpool for fun
"Unterhaltung satt" - so kann man das Angebot beschreiben, das Blackpool bietet. Alle größeren Hotels bieten ihr eigenes Unterhaltungsprogramm mit einem ‚Resident Pianist' und den beliebten ‚Singalongs', bei denen bekannte Evergreens von vorher verteilten Textblättern gesungen werden und wo es bei geselligen Spielen kleine Preise zu gewinnen gibt. Darüberhinaus gibt es große Unterhaltung auf den drei Piers, der Grand Opera und den Winter Gardens, alles zu zivilen Preisen. Blackpool ist für jeden Künstler eine Herausforderung, wer hier besteht, wird überall erfolgreich sein, denn Blackpool ist die "Hölle". Blackpool hatte einst 13 Varietétheater und damit mehr als London vorzuweisen, bleibt aber immer noch ein Treffpunkt für Unterhaltung von ‚Variety Shows' mit Showveteranen wie Ken Dodd (‚How tickled I am'), der sich auf Grund seiner vorstehenden Zähne häufig mit "I am the only one who eat a tomato through a tennis racket" vorstellte. Diese waren das Ergebnis einer Wette im Alter von 10 Jahren, dass er mit geschlossenen Augen Fahrradfahren kann, wobei er nur bis zu nächsten Ecke kam. Außerdem ist da Roy 'Chubby' Brown, der für seine schlüpfrigen Witze bekannt ist und daher selten im Fernsehen gezeigt wird. Er wurde auch durch seine gräuliche Kleidung ("a pilot's hood and flight goggles, a multicoloured patchwork jacket and trousers, white shirt, red bow tie and brown slip on shoes") bekannt, die er bei seinen Auftritten trägt. Hier sah in den 1950er Jahren Peter Frankenfeld auf Talentsuche für seine Sendung ‚Guten Abend Peter Frankenfeld' in den Winter Gardens Freddie Frinton und wollte ihn mit nach Hamburg zum NWDR mitnehmen. Es gab nur ein Problem: Frinton, der im Zweiten Weltkrieg die britischen Truppen unterhalten hatte, mochte die Deutschen nicht. Schließlich war er einverstanden, den Sketch auf englisch aufzuführen und 1963 wurde Dinner for One - das übrigens in England keiner kennt - aufgenommen und Frinton erhielt 300.- DM Honorar. Hier werden bekannten Musicals wie Joseph and the Amazing Technicolour Dreamcoat aufgeführt, aber auch Oldies wie die Drifters sind zu sehen (Sweet for my sweet, sugar for my honey, There goes my baby, Save the last dance for me) und in den Theatern auf den Piers werden die beliebten 'End-of-Pier Shows' gezeigt.

A look into Blackpool's history
Blackpool leitet seinen Namen wahrscheinlich von einem langen Entwässerungskanal her, der über ein Moor führte. Das Wasser, das in Blackpool ins Meer floß, war schwarz vom Moor und bildete einen ‚Black Pool' in die relativ saubere Irische See. Blackpool wurde eine der Geburtsstätten des modernen Massentourismus. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts profilierte sich der Ort zunächst als Seebad für die wohlhabenderen Schichten der Bevölkerung Nordenglands. Ab dem 19. Jahrhundert blühte es jedoch als Ferienziel der nordenglischen Arbeiterschicht auf. Die Nähe zu den Textilstädten des nahe gelegenen Lancashire bewirkte schon früh eine Ausrichtung auf breite Publikumsschichten. Schon bevor die Eisenbahn 1840 Blackpool erreichte, gab es organisierte Ausflugsfahrten von Arbeiter-Sparvereinen nach Blackpool. Diese Ausflugsgäste wurden in katastrophalen Massenquartieren untergebracht. Dennoch blieb Blackpool auch das ‚Nobelpublikum' bis weit ins 19. Jahrhundert erhalten - die Erste Pier (1863 errichtet, heute die Nordpier) zielte auf dieses zahlungskräftigere Publikum, während die 1868 eröffnete zweite (heute die mittlere) Pier bald als Tanzplattform für die Textilarbeiter dienen sollte. 1842 sprach eine Gruppe von Sonntagsschullehrern bei der damals in Schwierigkeiten befindlichen P&W-Bahnlinie wegen eines 50%igen Sonderrabattes für den Sonntagsausflug ihrer Vereinigung nach Blackpool vor - diese Reise vom 3. Juli 1842 wurde zu einem der ersten Beispiele des modernen organisierten Massentourismus in Form der Gesellschaftsreise. Solche Sonntagsausflüge zum halben Preis wurden binnen kurzem zu einer Erfolgsformel der britischen Bahngesellschaften. Im September 1879 trat Blackpool aus Gründen der Rettung einer konjunkturell schwachen Tourismussaison als Pionier der elektrischen Beleuchtung hervor - die herbstliche Illumination ist seither zu einem Markenzeichen des Badeortes geworden. Die ‚Blackpool Illuminations' entlang der 11 km langen Seepromenade locken die Besucher von Ende August bis Anfang November an, wenn andere Seebäder längst ihre Saison beendet haben. Auf der gesamten Strecke werden Bilder erleuchtet dargestellt, z.B. aus Thomas the Tank Engine, Peter Rabbit, oder Donal Duck und es entstehen lange Schlangen von Autos und Bussen, die Stoßstange an Stoßstange die ganze Promenade abfahren. "A celebrity flicks the switch" und damit ist die fünfte Jahreszeit eröffnet.

Blackpool hatte seine hohe Zeit von 1900 bis 1960, besonders während der 'Wakes', dem jährlichen Sommerurlaub der Northern Mill Towns, häufig organisiert von Organisationen wie Coop, Temperance Societies und Friendly Societies. Bilder aus dieser Zeit zeigen Massen von Touristen am Strand und auf der Promenade. Angeblich hat die Stadt heute noch mehr Hotels und B & Bs als Portugal. Besonders gern kamen Besucher aus Glasgow und das ist auch heute noch so. Der Niedergang begann mit billigen Flügen in den 1960er Jahren, als viele Engländer den Mittelmeerraum wegen preiswerterer Angebote und besserem Wetter vorzogen. Trotzdem ist Blackpool immer noch das beliebteste Seebad Englands, obwohl die Besucherzahl von 17 Mio (1992) auf heute 10 Mio zurückgegangen ist. Die freien Attraktionen von Blackpools ‚Pleasure Beach' ziehen immer noch 6 Mio Besucher an, aber die Verweildauer ist kürzer geworden, man bleibt eher nur ein Wochenende, statt einer ganze Woche. Beliebt ist auch ein Aufenthalt über die Weihnachtstage, die ganze Familien hier seit Jahren verbringen. Viele Hotels bieten ein komplettes Festtagsprogramm in allen Preislagen an und feiern dann mit ihren Gästen Weihnachten, einschließlich Kirchenbesuch, der beliebten Pantomime, Auftritt des Weihnachtsmannes und festlichem Essen, während auf der gegenüberliegenden Straßeseite die Irische See gegen die Kaimauer tobt. Außerhalb der Urlaubssaison finden in den Winter Gardens regelmäßig Konferenzen der großen politischen Parteien und Gewerkschaften statt.

A tour of Blackpool
Eine weitere Besonderheit sind Angebote für Homesexuelle und Lesben in besonderen Hotels, B & Bs und Clubs. Kontrovers sind die ‚Hen and Stag Parties', deren Teilnehmer, oft in gewagtem Outfit, Pubs und Bars heimsuchen und sich dabei immer mehr betrinken, was zu Klagen der Inhaber von Hotels und Gästehäusern führt, die eher eine Upmarket-Klientel anlocken wollen. Ein Versuch von Blackpool, sich mit einem Casino zu einer Spielerstadt wie Las Vegas oder Atlantic City zu entwickeln scheiterte, da Manchester vom ‚Government Casinos Advisory Panel' ausgewählt wurde. Daraus entspann sich ein Rechtsstreit und Blackpool hofft immer noch auf den Zuschlag.
Blackpool Tower, 158m hoch, 1894 eröffnet, beherrscht die Skyline von Blackpool und wurde dem Eiffelturm nachgebaut. Unter dem Tower sind Freizeiteinrichtungen, Unterhaltungssäle und Restaurants wie auch der berühmte ‚Tower Ballroom and Tower Circus'. Hier tanzt die Arbeitklasse, die Männer mit offenem Hemd und Hosenträgern zu den Klängen der legendären Wurlitzerorgel, die seit 32 Jahren von dem ‚Resident Pianist' Phil Kelsall gespielt wird, der landesweit durch die BBC bekannt gemacht wurde.
Die North Pier (1863) ist ‚the most prestigious one' für die Oberschicht, mit einer kleinen Einkaufsarkade, einer Straßenbahn und dem Nordpier-Theater am Ende der Pier. Auf einem richtigen Pier dürfen natürlich ‚Fortune Tellers' (Wahrsager) nicht fehlen, die mit Dankesschreiben aus aller Herren Länder werben. Außerdem eine ‚Bingohall' mit einem ‚Caller', der aus einem elektronischen ‚Random Number Generator' Nummern zieht und sie in einem speziellen ‚Lingo' ausruft (both the fives - 55, two and three - 23, 42 - Winnie the Poo, 88 - two fat ladies) Es gab auch einen Hubschrauberlandeplatz, der jedoch 1997 durch eine Sturm zerstört wurde und in der Irischen See verschwand.
Die Central Pier (1868) ist beliebt bei der Mittelschicht mit einem großen ‚Ferris Wheel' und Läden,

Die South Pier (1893), die südlichste, gegenüber der ‚Pleasure Beach', Blackpools Paradies für Adrenalinjunkies mit ‚Pepsi Max Big One', dem größten Roller Coaster im UK. Etwa 125 Attraktionen sind hier inmitten des Stadtgebiets vertreten. Seinen Charakter als Familienbetrieb verdankt die Pleasure Beach einem reizvollen Mix aus Nostalgie und Neuerung - vor allem auf dem Gebiet der Achterbahnen. Ein Kettenkarussell stammt aus dem Jahr 1904 mit an Raketen erinnernden Gondeln, die ursprünglich sogar steuerbar sein sollten. Der benachbarte ‚Big Dipper' hatte 1923 die steilsten Gefälle und zählt auf seine hölzern raue Art noch heute zu den wildesten Fahrgeschäften des Geländes. Die Achterbahn Pepsi-Max-Big-One überragt mit ihren 65 Metern Höhe das ganze Gelände so gewaltig, dass sie - zusammen mit dem Tower - selbst aus 30 Kilometern Entfernung die Silhouette von Blackpool mitbestimmt. Wenn man sich auf eine Fahrt einlässt, stürzt man durch eine Schraubenzieherkurve von 62 m Höhe mit 120 km/h auf Promenade und Strand zu. Hier sind die Anforderungen an die Gäste genau festgelegt: "A rider must be 52" or taller to ride. People with heart problems and high blood pressure are not recommended to ride."
Die Winter Gardens sind ein großes Unterhaltungs- und Konferenzzentrum mit dem Opernhaus, einem der größten Theater Europas, dem ‚Pavilion Theatre', ‚Empress Ballroom', ‚Spanish Hall', Arena und Olympia. Sie wurden 1878 eröffnet, aber der größte Teil stammt aus den 1930er Jahren. Es ist der bevorzugte Tagungsort für alle politischen Parteien. Die Besitzer schwören, dass jeder britische Premierminister seit dem Zweiten Weltkrieg hier gesprochen hat. Weiterhin tagen hier die ‚Transport and General Workers' Union' (TGWU) mit Tausenden von Besuchern und Delegierten, sowie kleinere Gewerkschaften, außerdem findet hier das ‚World Matchplay Darts Tournament' jeden Juli seit 1994 statt.
Heute sind sich selbst Fans einig, dass die Stadt einen frischen Anstrich gebrauchen könnte. Mit elf Millionen Besuchern pro Jahr ist sie zwar immer noch das Lieblingsziel britischer Touristen und drei von vier Engländern haben das Seebad irgendwann besucht. Aber es waren einmal 17 Millionen Gäste, bevor die Briten Mallorca und Marbella entdeckten. Das Management des privat betriebenen Pleasure Beach ist bemüht, das Angebot mit viel Geld attraktiver zu machen. Aber anderswo bleiben Investitionen aus. Das Blue Hotel ist dann auch der einzige nennenswerte Hotelneubau der vergangenen 25 Jahre. Im Normalfall landen Touristen hinter den Rüschenvorhängen einer Landlady, die plüschige Zimmer vermietet.

Der Lake District in Cumbria, bzw. der ‚Lake District National Park' (1951), ist ein populäres Touristenziel, berühmt für seine Seen und Berge (Fells). Alle Erhebungen über 3000 Fuß liegen im Nationalpark, auch der mit 3.209 Fuß (978 m) hohe Scafell Pike, der höchste Berg Englands. Die Berge wurden eiszeitlich überformt, es gibt Trogtäler, Kare, die mit Gebirgsseen (Tarns) gefüllt sind. Die höheren Fells sind baumfrei, unterhalb der Waldgrenze wachsen Eichen und im 19. Jh. gepflanzte Kiefern.
Geologisch besteht der Lake District aus dem alten Gestein der Skiddaw-Schiefer und den Borrowdale-Vulkanen aus dem Ordovizium (Erdaltertum), die auch die höchsten Erhebungen bilden. Außerdem gibt es Limestone der Windermere-Gruppe aus dem Silur, der sich auf dem vulkanischen Gestein abgelagert hat.
Der Lake District hat mit 2000 mm den höchsten Niederschlag Englands, der regional sehr unterschiedlich fällt. Es regnet vor allem im Westen, während der Osten trockener ist. März bis Juni sind die trockensten, Oktober bis Januar die feuchtesten Monate. Das maritime Klima ist relativ mild, im Januar mit 3° C und Höchstwerten von 15° C im Juli. Wegen der geringen Höhe der Berge fällt nicht jedes Jahr Schnee. Die hohen Niederschläge und der Besucherstrom zeigen sich vor allem in der starken Bodenerosion.
Im Neolitikum wurden Steinäxte gefertigt und auf den Langdale Pikes gab es sogar eine ‚Stone Axe Factory'. Seit der Römerzeit werden hier Schafe auf Weiden gehalten, die von Trockensteinmauern umrahmt sind. Im 19. Jh. kamen die meisten Garnspulen der Textilindustrie aus diesem Gebiet. Ein Teil des Landes wird für Silofutter und Milchwirtschaft genutzt. Vom 16. - 19. Jh. wurden Kupfer, Blei, Baryt, Graphit und Schiefer abgebaut. 1698 reiste Celia Fiennes durch ganz England einschließlich Kendal und dem Kirkstone Pass. Der Schriftsteller Daniel Defoe reiste 1724 hierher und schrieb in A Tour Thro' the Whole Island of Great Britain: '...the west side, which borders on Cumberland, is indeed bounded by a chain of almost unpassable mountains which, in the language of the country, are called fells'.
Gegen Ende des 18. Jh. wurde die Gegend bei Reisenden populär, teilweise weil durch die Kriege auf dem Kontinent das Reisen eingeschränkt war. 1778 veröffentlichte Thomas West seinen ‚Führer durch die Seen', der das Zeitalter des modernen Tourismus eröffnete. William Wordsworth führte den Führer als A Guide through the District of the Lakes in the North of England fort, der noch heute erhätlich ist. Der Bau der Eisenbahn 1846 brachte weitere Touristen, ebenso der Anschluß an das Fernstraßennetz. Während das Straßennetz stark überlastet ist, ziehen viele vor, das Gebiet zu durchwandern, besonders seit der Veröffentlichung des Pictorial Guide to the Lakeland Fells von Alfred Wainwright, erstmals in den 1950er Jahren erschienen mit detaillierten Informationen über 214 Berggipfel, mit handgezeichneten Karten und Panoramas und Geschichten aus der Region. Durchschnittlich 14 Mio Besucher besuchen den Lake District jedes Jahr.

Lake District for literature
Der Lake District ist eng mit der englischen Literatur im 18. und 19. Jh. verbunden. Thomas Gray beschrieb die Region zuerst in seiner ‚Grand Tour' von 1769. Hofdichter Robert Southey lebte 40 Jahre in Keswick (1803-43), Samuel Taylor Coleridge ein paar Jahre in Keswick, und dann mit den Wordsworths in Grasmere. Thomas Arnold wohnte in Ambleside, John Ruskin die letzten Jahre seines Lebens in Brantwood am Coniston Water. Andere Dichter verbrachten ihren Urlaub hier wie Percy Bysshe Shelley, Sir Walter Scott, Nathaniel Hawthorne, Thomas Carlyle, John Keats, Lord Tennyson, Matthew Arnold.
William Wordsworth, der bekannteste der ‚Lake Poets' wurde 1770 in Cockermouth geboren und verbrachte 60 Jahre seines Lebens im Lake District, er ging in Hawkshead zur Schule und lebte dann in Grasmere (1799 - 1813) und Rydal Mount, Ambleside (1813-1850). Er ist auf dem Friedhof von Grasmere begraben.
1795 schloss er enge Freundschaft mit Samuel Taylor Coleridge. Zusammen veröffentlichten sie 1798 die für die englische Romantik bedeutsamen Lyrical Ballads mit Wordsworths Tintern Abbey und Coleridges Ancient Mariner. Während einer Reise nach Deutschland begann Wordsworth mit seinem autobiografischen Gedicht The Prelude. Sein Gedicht I Wandered Lonely as a Cloud (1804), durch die Osterglocken am Ufer von Ullswater inspiriert, bleibt eines der berühmtesten Gedichte in englischer Sprache.
Der Romanschriftsteller Sir Hugh Walpole wohnte in Brackenburn oberhalb von Derwent Water von 1924 bis zu seinem Tod 1941. Hier schrieb er The Herries Chronicle, eine fiktive Familiensaga aus Cumbria. Der Fernsehautor und Schriftsteller Melvyn Bragg (mittlerweile ‚Baron Bragg of Wigton in the County of Cumbria'), der bekannt wurde mit ‚The South Bank Show' für ‚London Weekend Television' (LWT), stammt aus Cumbria und wurde auch mit seinen Romanen The Cumbria Trilogy und The Maid of Buttermere bekannt. Coniston Water wurde wegen eines kontroversen Mordfalls bekannt, der in Raymond Chandlers Roman Lady in the Lake (1943) beschrieben wurde.
Near Sawrey und Far Sawrey sind zwei benachbarte Dörfer, die berühmt wurden im Zusammenhang mit der Kinderbuchautorin Beatrix Potter (1866 - 1943). Sie wohnte in der ‚Hill Top Farm' in Near Sawrey, wohin sie 1896 das erste Mal mit 30 Jahren kam. Ihr Vater mietete jedes Jahr ein Landhaus, u.a. auch im Lake District. Dort trafen sie Canon Hardwicke Rawnsley, der sich Sorgen machte über die Auswüchse der Industrie und den Tourismus im Lake District. Er gründete 1895 den National Trust. Beatrix Potter hatte sich sofort in die rauen Berge und dunklen Seen verliebt und durch Rawnsley wurde sie auf die Bedeutung der Bewahrung der Natur hingewiesen. Potter besuchte Hill Top Farm, so oft sie konnte. Mit den Geldern aus dem Verkauf ihrer Bücher erwarb sie Land, 1947 heiratete sie William Heelis, einen Rechtsanwalt aus der Gegend und zog für immer nach Hill Top Farm. Eine Reihe von Örtlichkeiten wurden in ihren Büchern The Tale of Tom Kitten, The Fairy Caravan und The Tale of Jemima Puddle-Duck verwendet. Einige ihrer besten Bücher zeigen Hill Top Farm und das Dorf. Sie hatte keine Kinder, aber Hunde, Katzen und einen Igel mit Namen "Mrs. Tiggywinkle". Sie vertiefte sich in die Züchtung von Herdwick-Schafen, wurde eine respektierte Farmerin, Richter bei örtlichen Landwirtschaftsshows und Präsidentin der ‚Herdwick Sheep Breeders' Association'. Mit ihrer elterlichen Erbschaft kaufte sie weitere Farmen und Land. Später zog sie mit ihrem Mann nach Sawrey, wo die Kinder sie wegen ihres mürrischen Gesichtsausdrucks ‚Auld Mother Heelis' nannten. In ihrem Testament hinterließ Beatrix Potter fast ihren gesamten Besitz dem National Trust: 16 qkm Land, Häuser und 15 Farmen, alle im Lake District Nationalpark gelegen.

Ein guter Start für eine Tour durch den Lake District ist ist das bei den Toursiten sehr beliebte Bowness-on-Windermere. Von Bowness gelangt man schnell nach Ambleside und Grasmere. Eine Fährverbindung über Lake Windermere bringt Autos in die Ortschaften auf der anderen Seite des Sees wie Far Sawrey.
Ambleside ist ein guter Ausgangspunkt zum Wandern, Bergsteigen und Mountainbiking und hat auch eine große Zahl von Pubs. Bridge House über das kleine Flüsschen Stock Ghyll gebaut, ist über 300 Jahre alt und diente wahrscheinlich als Sommerhaus und Vorratslager für Äpfel von Ambleside Hall. Das Haus wurde 1926 von Einheimischen gekauft und dem National Trust gegeben. Grasmere wurde schon erwähnt und ist vor allem mit dem Namen von Wordsworth verbunden. Keswick ist ein Marktstädtchen, in der die ersten Graphitbleistifte hergestellt wurden - und heute noch hergestellt werden.
Hawkshead ist eine der hübschesten Orte des Lake Districts und war im Mittelalter eines der bekannten Wollzentren. ‚Hawkshead Grammar School', in die Wordsworth zur Schule ging, wurde 1585 gegründet. Hawkshead strahlt eine zeitlose Atmosphäre aus und besteht aus einer Vielzahl kleiner Alleen mit überhängenden Giebeln und mittelalterlichen Plätzen. Es wird beredt in William Wordsworth's Gedicht The Prelude beschrieben.
Coniston Water ist der drittgrößte See im Seengebiet. Er ist 8 km lang und 800 m breit und maximal 56 m tief. Im 20. Jh. wurde hier mehrfach versucht, den Weltrekord für Speedboote zu brechen. Am 19. August 1939 setzte Sir Malcolm Campbell den Rekord mit 228 km/h in seinem Bluebird K4. Zwischen 1956 und 1959 erzielte sein Sohn Donald Campbell vier Rekorde in Bluebird K7, einem Wasserflugzeug. 1966 entschied er, er müsse schneller als 300 Meilen (483 km/h) fahren, um den Rekord zu halten. Am 4. Januar 1967 erreichte er eine Spitzengeschwindigkeit von mehr als 320 Meilen (515 km/h). Er verlor jedoch die Kontrolle über Bluebird, der sich überschlug und schnell versank. Campbell wurde sofort getötet. Der Rekord zählte nicht, da die Rückfahrt nicht beendet worden war.

 

The Isle of Man

(1) Douglas, (2) Laxey Wheel, (3) Isle of Calf

Das Wappen der Insel ist ein Triskelion (griechisch für ‚drei Beine'), die symmetrisch angewinkelt und kreisförmig im Schritt verbunden sind. Es wird mit Rüstung und Sporen verziert dargestellt. Es ist spätestens seit dem 13. oder 14. Jh. nachweisbar und wird in der inseleigenen Sprache ‚Manx' als ‚tre cassyn' (‚three legs') bezeichnet. Das Anwinkeln wird in der Regel im Uhrzeigersinn gezeigt, gegen den Uhrzeigersinn bedeutet es - wie häufig und auch auf dem ‚Laxey Wheel' dargestellt - in der Heraldik "Aggression". Diese Triskelia weisen häufig auf Gottheiten oder Geister der Unterwelt hin. Im Wappen erscheinen die Worte QUOCUNQUE JECERIS STABIT ('Wherever you throw it, it stands').Dieses Symbol erscheint auf dem alten Staatsschwert, das Olaf Godredson gehört haben soll, der 1226 ‚King of the Sudreys' (‚Southern Hebrides and the Isle of Man') wurde.

Mit dem ‚King Orry' der ‚Isle of Man Steam Packet Co'. gelangt man in fast 4 Stunden von Heysham nach Douglas auf die Insel. Neben seiner landschaftlichen Attraktivität ist sie vor allem als Austragungsort der ‚Tourist Trophy' (TT) bekannt geworden und für Vermögende eine willkommene Gelegenheit, unter Offshore-Bedingungen Geld anzulegen. Außerdem hat die Insel das älteste Parlament der Welt und keltische Einflüsse. Die Tierwelt kann mit einer Besonderheit aufweisen, es gibt hier die ‚Manx Cat', eine Katze ohne Schwanz.

Die Tourist Trophy ist das älteste - und härteste - Motorradrennen der Welt und findet nicht auf einem speziellen Rundkurs statt, sondern auf den normalen Straßen der Insel Anfang Juni eines Jahres statt. Diese werden während des Trainings und des Rennens für den normalen Verkehr gesperrt. Start und Ziel ist die Hauptstadt Douglas. Die 60,72 km lange Strecke, der so genannte ‚Mountain Course', stellt wie kein anderes Rennen Anforderungen an Mensch und Material. Es ist nahezu unmöglich, sich jede Kurve und damit verbunden, alle Bremspunkte zu merken. Beim Rennen gibt es kein gemeinsames Starterfeld, sondern die Kontrahenten starten einzeln, zeitversetzt. Die Durchschnittsgeschwindigkeit bei der TT beträgt in den Rennen mit den schnellsten Maschinen über 200 km/h. Zum Vergleich: auf den modernen Rennstrecken, auf denen Motorrad Grand-Prix gefahren werden, wird ein Schnitt von ca. 160 km/h erreicht. Fast jedes Jahr kommt es zu tödlichen Unfällen. Sturzräume und Auffangbereiche sind spärlich bis gar nicht vorhanden. Die Teilnehmer bewegen sich auf dem Asphalt zwischen Häusern, Steinwänden und Böschungen. Auch Fahrbahnkuppen, wie etwa bei Brücken, sind kaum entschärft oder erst in späteren Jahren nivelliert worden. Zu jeder TT gehört der ‚Mad Sunday', bei dem ein Teil der Strecke abgesperrt und in einer Richtung auch für Privatfahrer freigegeben wird. Dabei kommt es allerdings nicht zu weniger Unfällen als bei den eigentlichen Rennläufen. Die Rennen sind auch deshalb so gefährlich, weil die Strecke in kürzester Zeit in das karge, über 600 m gelegene Hochland der Insel führt, wo das wechselhafte Wetter in der Irischen See häufig mit Nebel und Regen das Rennen weiter erschwert. Die Insel Man konnte dieses mörderische Rennen veranstalten, weil sie eine Sonderstellung im britischen Reich hat und sich nicht an das Verbot halten muss, Rennen nur noch auf permanenten Rennstrecken anzubieten. Die Besucher kommen aus allen Teilen der Welt, viele aus Deutschland und reisen zünftig mit dem eigenen Motorrad an, beliebt ist die Fähre von Liverpool nach Douglas. Auf der Insel wird in der Regel auf freien Wiesen gezeltet. Ehrensache ist natürlich am Mad Sunday teilzunehmen, wo man seine eigenen Fahrkünste ausprobieren will. Viele vergessen, dass es aber auch an diesem Tag an manchen Punkten der Insel Geschwindigkeitsbeschränkung gibt. Da gibt es dann - Rennen hin, Rennen her - 'Tickets', gebührenpflichtige Verwarnungen - die an Ort und Stelle auch kassiert werden. Dafür wird man aber von der Polizei mit einem T-Shirt als fairer Gegengabe geadelt. Auf der Promenade von Douglas treffen sich dann jeden Abend die Motorradfreaks und unterhalten - gut ausgestattet mit ‚Six Packs' - die anderen mit Privatvorführungen auf ihren Motorrädern und wählen unter großem Gejohle die Miss Wet T-Shirt - alles nichts für sensible Gemüter. Daher ist es verständlich, dass die Rennen zwar ein gutes Geschäft für die Insel sind, aber die ‚Manx People' zufrieden sind, wenn nach ein paar Tagen der Spuk vorbei ist und die Insel zur gewohnten Ruhe zurückkehrt.

Die Isle of Man ist als autonomer Kronbesitz (‚Crown Dependency'), direkt der britischen Krone unterstellt, jedoch weder Teil des Vereinigten Königreichs, noch Kronkolonie, noch Teil der Europäischen Union. Sie ist bekannt als Steueroase und Sitz von Offshore-Firmen. Staatsoberhaupt (‚Lord of Man') ist Königin Elisabeth II., die auf der Insel - wie auch in jeder Grafschaft - durch einen ‚Lieutenant Governor' vertreten wird. Das 979 gegründete Parlament, der ‚Tynwald', ist das älteste durchgängig bestehende Parlament der Welt und hat zwei Kammern, das direkt gewählte ‚House of Keys' und das indirekt gewählte Oberhaus, den ‚Legislative Council'. Wahlberechtigt zum Tynwald ist seit 2006 jeder Einwohner ab 16 Jahren. Die Insel hat ihre eigene Währung, das ‚Isle of Man Pound' und ihre eigenen Briefmarken.
Die 572 qkm große Insel ist zumeist hügelig. Die höchste Erhebung ist der 620 m hohe Snaefell, der auch mit der ‚Snaefell Mountain Railway' erreicht werden kann. Im äußersten Norden ist die Insel sehr flach. Bei einer Ausdehnung von 52 km mal 22 km besitzt die Insel eine Küstenlänge von 160 km. Die Bewohner bezeichnen sich und ihre Insel nach der ausgestorbenen (inzwischen wiederbelebten) keltischen Sprache als ‚Manx'.

Die viktorianischen Häuserfassaden der Hauptstadt Douglas sind vom Krieg unberührt geblieben und weitgehend saniert. Ein schönes Bild geben die von Pferden gezogenen offenen Straßenbahnen ab, die auf der Promenade von Douglas verkehren. Douglas als Hauptstadt der Isle of Man besitzt einen Tiefwasserhafen, in dem auch Kreuzfahrtschiffe anlegen.
Im Süden der Insel durchfährt man die Ortschaften Ballasalla - Castletown mit Flughafen - Port St. Mary -Port Erin - Peel und Kirk
St. Michael.
Interessant ist das entlegene Museumsdorf Cregneash auf Mull Hill, in dem jährlich Manx Festivals abgehalten werden und wo eine Herde der seltenen Loaghtan-Schafe (mit vier Hörnern) beheimatet ist. Ein großer Teil des Dorfes dient als Living Museum, um die traditonelle ‚Manx Ways of Life' zu bewahren. Es wurde 1938 eröffnet und zeigt die typische Lebensweise eines kleinen Inseldorfes im 19. Jh. Viele der meist reetgedeckten ‚Cottages' aus der viktorianischen Zeit sind samt Inventar erhalten.
An der Ostküste interessiert zuerst das riesige Laxey Wheel (auch als ‚Lady Isabella' bekannt) in Ramsey. Es handelt sich um ein Wasserrad, das in der Stadt Laxey gebaut wurde, um Wasser aus den Zink-, Blei-, Silber- und Kupferminen zu pumpen. Es wurde 1854 erbaut, hat einen Durchmesser von 22,1 m und ist 1,83 m breit. Es dreht sich dreimal in der Minute. Der Name ‚Isabella' kommt von der Frau des Lieutenant Governor Hope, der damals Gouverneur der Insel war. Das Laxey Wheel soll das größte noch arbeitende Wasserrad in Europa sein.
Der Südwestspitze vorgelagert ist die 2,6 qkm große und maximal 120 m hohe Insel ‚Calf of Man', ein Vogelschutzgebiet. Dorthin kann man mit einem kleinen Boot übersetzen und das Naturschutzgebiet erwandern.

Nordost-England

(1) York Minster, (2) Angel of the North, (3) Haworth Bronte Vicarage, (4) The Sage, Gateshead, (5) Humber Bridge, (6) Saltaire, (7) Yorkshire Moors, (8) Howard Castle, (9) Hadrian's Wall, (10) Holy Isaldn, Lindisfarne, (11) Durham Cathedral, (12) Puffins

 

Die Region Süd-Yorkshire hieß auf Grund ihrer Radikalität früher im Volksmund nur ‚The People's Republic of South Yorkshire,' wo die Labourpartei eine derartige Übermacht darstellt, dass man bei Wahlen "die Labourstimmen mit der Kohleschaufel" zählen musste. Zwischen Sheffield und Doncaster liegt Rotherham, eine Stadt von ungefähr 250.000 Einwohnern, die im frühen Mittelalter an einer Römerstraße nahe einer Furt über den Fluß Don entstand. Hier hatte man schon früh Eisenerze ausgebeutet, aber erst der Kohleabbau brachte die Industrielle Revolution nach Rotherham. Eisen und später Stahl wurden die Hauptindustrien und die Walker-Familie baute sich ein Eisen- und Stahlimperium auf. Corus Engineering Steels (CES) in Rotherham produziert heute ungefähr 1 Mio Tonnen Stahl pro Jahr für eine Anzahl von Produkten einschließlich Renault Formel 1 Autos und dem Airbus 380. Steel, Peach and Tozer, örtlich nur als ‚Steelos' bekannt, war einer der größten Firmen in der Gegend. Die Templeborough-Stahlwerke, auf dem Gelände eines römischen Forts aus dem Jahr 50 gelegen, war eine Meile lang und beschäftigten zur Blütezeit in der Mitte des 20. Jh. 10.000 Leute. Nach der Verstaatlichung von 1967 wurden sie Teil der British Steel Corporation. Die Produktion wurde 1993 eingestellt, ein Teil der Fläche wurde in ein Museum umgewidmet, das als das £ 46 Mio-Projekt ‚Magna Science Adventure Centre' bekannt wurde. Die Hauptausstellungsstücke sind in fünf Pavillons unterteilt, die als ‚Earth, Air, Fire, Water and Power' bezeichnet werden. Zu jeder vollen Stunde findet in Magma ein Feuerwerk statt, das ‚The Big Melt' genannt wird und demonstriert, wie Stahl früher hergestellt wurde.
Die Stadt wird zur Zeit weitgehend umgebaut mit einem Projekt, das sich ‚Rotherham Renaissance' nennt, d.h. es werden neue Wohnungen, größere High-Street Stores und Außencafés gebaut. Sie ist damit weit von der Stadt der 1980er Jahre entfernt, als es eine Arbeitslosigkeit von über 22% gab. Auf dem Gelände der Guest and Chrimes Factory wurden 2007 eine große Bücherei, Büros der Stadtverwaltung und ein neues Theater gebaut, was die Skyline der Stadt veränderte. Weitere Pläne sehen neue Einkaufskomplexe, Busstationen, einen neuen Bahnhof und Freizeiteinrichtungen vor.

Sheffield mit einer geschätzten Einwohnerzahl von 525.800 Einwohnern (2006) erwarb sich im 19. Jahrhundert seinen Ruf als Stahlstadt. Viele Erfindungen wurden hier entwickelt, einschließlich des ‚Crucible and Stainless Steel'. Im 14. Jahrhundert bereits war die Stadt für ihre Herstellung von Messern berühmt, wie es in Geoffrey Chaucer's Canterbury Tales heisst und um 1600 war es Zentrum der Herstellung von Essbesteck. Versilberte Bestecke wurden erfunden und als ‚Sheffield Plate' bekannt. Für die rasch anwachsende Bevölkerung baute man eine große Zahl von ‚Back-to-Back Houses', die zusammen mit der Umweltverschmutzung George Orwell zur Aussage veranlaßten "Sheffield, I suppose, could justly claim to be called the ugliest town in the Old World".
Im Zweiten Weltkrieg wurden hier Waffen und Munition hergestellt und so wurde die Stadt im 'Sheffield Blitz' Ziel deutscher Luftwaffenangriffe. In den 1950er und 1960er Jahren wurden die Slums abgerissen und durch Wohnanlagen wie die Park Hill Flats ersetzt. Ein neues System von breiten Straßen wurde durch das Stadtzentrum gelegt. Durch zunehmende Automation und Wettbewerb wurden immer mehr Stahlwerke geschlossen, so dass Zyniker behaupteten, Sheffield sei die sauberste Stadt Englands. Die Wirtschaft erlebte in den 1980er Jahren ihren Tiefgang und der Bergarbeiterstreik von 1984/85 schädigte die Gegend östlich und nordöstlich von Sheffield nachhaltig.
Die Schwerindustrie, die einst die ganze Region beherrschte, ist weitgehend verschwunden. Der Bergbau wurde in den späten 1960er Jahren aufgegeben und die Gesetzgebung hat dafür gesorgt, dass das Gebiet nicht länger schwarz ist. Lang vergessen daher die Tage, dass einer Anekdote zufolge, Königin Viktoria befohlen hatte, dass die Vorhänge in ihrem Zugabteil zugezogen wurden, wenn der königliche Zug hier durchfuhr. Es gibt noch verarbeitendes Gewerbe, aber in erheblich geringerem Umfang.

Der Bau von Meadowhall 1990 auf dem Gelände eines früheren Stahlwerkes zwischen Sheffield und Rotherham mit direktem Autobahnanschluß schuf zwar neue Jobs, beschleunigte aber zugleich den Niedergang der Geschäfte in der Innenstadt, wie auch in Rotherham. Die 270 Läden und 30 Restaurants ziehen ungefähr 30 Mio Besucher pro Jahr an. Sehr voll wird es vor Weihnachten und in den ‚January Sales', im Extremfall gilt eine ‚one-in, one-out'-Politik in einigen Läden. Als Sainsbury's, einer der größten Läden des Centres, in der Mitte des Jahres 2005 schloß, gingen viele Kunden in andere Einkaufszentren. Im Dezember 2005 bekam es den fünften Apple Store im UK und 2007 den dritten Puma Store nach London und Glasgow. Daneben gibt es große Warenhäuser wie Bhs, House of Fraser und Debenhams und einen großen Food Court - das ‚Oasis', das einer italienischen Piazza nachempfunden ist. Von 2006 bis 2007 wurden £ 91 Mio investiert.

Eine bequeme Anreise in den Nordosten Englands bieten die Kreuzfahrtschiffen ähnlichen Fähren von Zeebrügge oder Rotterdam nach Kingston-upon-Hull (kurz: Hull). Die Schiffe verlassen gegen 18.00 Uhr. Es empfiehlt sich für die 12-stündige Überfahrt Halbpension und eine Kabine zu buchen. Die Standardkabinen sind zwar nicht groß, haben aber Dusche und WC, aber es gibt auch richtig bequeme Aussenkabinen mit Doppelbetten. Die Abendessen und Frühstück werden als Menü gereicht und sind sehr gut. Abends gibt es ein breites Angebot an Speisen, von skandinavisch mit Fisch bis indisch (hot), Frühstück sowohl ‚Continental' wie englisches Frühstück einschließlich ‚Porridge' und ‚Black and White Pudding'.

Der Humber ist eine Trichtermündung, die durch den Zusammenfluss der beiden Flüsse Trent und Ouse gebildet wird, die manchmal auf Karten fälschlicherweise auch als River Humber bezeichnet wird. In Kingston-upon-Hull fließt der River Hull von Norden in den Humber. Hull hat ungefähr 257.000 Einwohner und liegt am der Trichtermündung des Humber. Die Stadt war stark von Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg betroffen, erlebte eine lange Phase des wirtschaftlichen Niedergangs und hat sich in jüngster Zeit jedoch wieder erholt. Die Stadt war die Heimat von vielen bekannten Dichtern, unter ihnen Philip Larkin, dessen Gedichte in der Stadt spielen. Im späten 12. Jh. gründeten die Mönche von Meaux Abbey in der Nähe von Beverley die Stadt Wyke-upon-Hull, die sie nach dem Erzbischof John Wyke nannten, aber die Einheimischen nannten sie einfach Hull nach dem gleichnamigen Flüßchen. Den Hafen nutzten sie für die Verschiffung der Wolle aus der Abtei. 1293 erwarb Edward I. die Stadt von der Abtei, gewährte ihre ‚Royal Charter' und nannte sie Kingston-upon-Hull. Der Hafen entwickelte sich zu einem der bedeutendsten an der Ostküste und betrieb als Mitglied der Hanse auch einen lebhaften Handel mit den Ostseeländern. Walfang spielte bis in die Mitte des 19. Jh. eine bedeutende Rolle und wurde von der Tiefsee-Fischerei abgelöst, die mit dem englisch-isländischen Kabeljaukrieg 1975-76 endete und einen wirtschaftlichen Niedergang auslöste.
Die wirtschaftliche Bedeutung des Hafens und seiner Industrie führte zu umfangreichen Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg, es war neben London die am stärksten zerstörte Stadt Englands. Der Hafen hat nach dem Niedergang der Fischerei heute Bedeutung als Fährhafen zum europäischen Festland mit jährlich über 1 Mio Passagieren und 5000 Beschäftigten.

Die Hauptverkehrsverbindung in Richtung Westen ist die Autobahn M 62, die Hull mit Leeds, Manchester und Liverpool verbindet. Der Weg nach Süden führt heute über die imposante Humber Bridge, die von 1972 bis 1081 gebaut wurde. Sie ist wie die meisten englischen Brücken mautpflichtig und kostete £ 2.70. Ein Kuriosum ist, dass es die einzige Brücke in GB ist, auf der auch Motorradfahrer zahlen müssen (£ 1.20). 2004 inszenierte eine große Gruppe Motorradfahrer daher einen Protest, sie zogen die Helme ab und bezahlten in großen Banknoten. Die Polizei berichtete von einer Schlange von 6 km - aber es blieb bei der Gebühr!
Über 100 Jahre wurde für eine solche Brücke gekämpft, aber erst 1959 wurde durch den ‚Humber Bridge Act' der Bau einer Hängebrücke genehmigt. Mit dem Bau begann man jedoch erst 14 Jahre später. Sie hat eine totale Länge von 2.220 Metern und wurde am 17. Juli 1981 - naturally - durch die Queen feierlich eröffnet. Die Brücke verbindet zwei entlegene Teile Grossbritanniens und verkürzte die Strecke zwischen Hull und Grimsby um 80 km. Anfangs als Brücke ‚that leads from nowhere to nowhere' verspottet, ist sie heute stark befahren.

Nördlich von Hull liegt Beverley, berühmt durch sein Münster aus dem 13. und 14. Jahrhundert, das als 'the finest gothic church in Europe' beschrieben wird. Drei gotische Stile blenden ineinander: der Chor in ‚Early English', das Percy-Grab in ‚Decorated Style' und das Nordportal in ‚Perpendicular'.
Obwohl die Stadt hauptsächlich wegen der Kathedrale besucht wird, gibt es neben weiteren bedeutenden religiösen Bauten einen schönen Marktplatz und eine Rennbahn. Die Stadt selbst ist ungefähr 1.300 Jahre alt und wurde 2007 in einer Studie der Royal Bank of Scotland zum besten Wohnort des VK genannt. Der Heilige ‚Saint John of Beverley' gründete ‚Inderawuda' in der Zeit des angelsächsischen Königreichs Northumbria. Die Stadt wuschs unter den Normannen weiter, war im Mittelalter Ziel von Pilgerreisen dank ihres Gründers und wurde schließlich als Wollhandelszentrum bekannt. Beverley war einst die zehntgrößte Stadt Englands und zählte zu den reichsten des Landes, nahm aber nach der englischen Reformation an Bedeutung ab.

Westlich der Städteagglomeration Leeds-Bradford liegt Haworth mitten im öden Pennine-Moor und durch seine Verbindung mit den Schriftstellerschwestern der Brontes (Anne, Charlotte, und Emily)bekannt. Sie wurden zwar in Thornton in Bradford geboren, schrieben aber ihre berühmten Romane in der ‚Haworth Parsonage', heute ein Museum im Besitz der Bronte Society, als ihr Vater Pfarrer von Haworth war. In und um Haworth ist alles 'Bronte': Der berühmteste der vielen Wanderwege aus dem Ort führt am Stanbury Reservoir vorbei zu den malerischen Bronte-Wasserfällen, Bronte-Brücke und der Bronte Stone Chair, wo - der Legende nach - die Schwestern abwechselnd gesessen und ihre ersten Geschichten geschrieben haben sollen. Er geht weiter auf das Moor nach Ponden Hall (‚Thrushcross Grange' in Emily Brontë's Wuthering Heights) und Top Withens, einer öden Ruine, angeblich das Bauerngehöft ‚Wuthering Heights'.
Im Ort gibt es viele Teestuben, Souvenir- und Antiquitätenläden, Restaurants, Pubs und Hotels wie z.B. den ‚Black Bull', wo Branwell Brontes Absturz in die Alkohol- und Opiumsüchtigkeit begann. Der Ort ist ein guter Ausgangspunkt, um sich die Hauptattraktionen von Bronte Country zu erschließen. Haworth ist besonders beliebt bei Besuchern aus Japan, wo Wuthering Heights eine Kultanhängerschaft hat.

Das nahegelegene Bradford kam mit der Industriellen Revolution durch Textilindustrie zu Wohlstand. Der Niedergang dieses Industriezweiges begann in den 1920er Jahren, seitdem hat die Stadt aber wieder einen Aufschwung durch High-Tech Firmen, Gallerien und Museen erlebt. Seit der Industriellen Revolution gab es mehrere Einwanderungswellen. Ungefähr 22% der Bevölkerung gehören ethnischen Minderheiten an, besonders aus Pakistan. Die Restaurants asiatischer Einwanderer führten dazu, dass Bradford als ‚Curry Capital of Europe' bezeichnet wurde. Bradford hat den vierthöchsten Anteil von Moslems in Grossbritannien. Im Januar 1989 wurden hier Salman Rushdie's The Satanic Verses öffentlich verbrannt und die Moslems der Stadt führten eine Kampagne gegen das Buch im VK an. 2001 entluden sich Rassenspannungen in den nordenglischen Städten im ‚Bradford Riot'. Die ethnische Zusammensetzung von Bradford nennt Bangladeshi 4,968 (1.1 %); Black or Black British 4,333 (1.0 %); Indian 12,504 (2.7 %); Mixed 6,937 (1.5 %); Pakistani 67,994 (14.5 %); White 366,041 (78.3 %) und andere ethnische Gruppen 4,890 (1.0 %).

Drei Meilen nördlich des Stadtzentrums liegt das World Heritage Site (2001) von Saltaire, 1853 von Sir Titus Salt gegründet. Der Name ist eine Mischung aus dem Namen Salt und dem Fluss Aire. Er wollte bessere Bedingungen für seine Arbeiter schaffen und verlegte die Fabrik an den Leeds-Liverpool-Kanal und die Eisenbahnlinie. Er baute ordentliche Häuser für seine Arbeiter mit fließendem Wasser - die heute horrende Preise erzielen, Badehäuser, ein Krankenhaus, ein Institut für Erholung und Erziehung mit Bücherei, Leseraum, Konzerthalle, Billiardzimmer, naturwissenschaftlichen Labors und eine Sporthalle. Der Ort besaß auch Armenhäuser, Schrebergärten, einen Park und ein Bootshaus. Von einem Sohn Salts ging Saltaire auf James Roberts aus Haworth über, der schon seit seinem 12. Lebensjahr in der Textilfabrik gearbeitet hatte. Er kaufte übrigens auch die Bronte Parsonage in Haworth für die Nation.
Salts Mill schloß 1986 und wurde ab dem folgenden Jahr restauriert. Heute beherbergt sie Geschäfts- und Handelsräume, Freizeiteinrichtungen und Wohnkomplexe. Es gibt die Gallerie von 1853, verschiedene Räume mit Ausstellungsstücken des aus Bradford stammenden Künstlers David Hockney, Firmen wie den Hersteller von Elektronikteilen Pace Micro Technology, Läden für Kleidung, Bücher, Künstlerbedarf, Schmuck, Antiquitäten, Fahrräder, Haushaltswaren und Restaurants und Cafés. Die New Mill auf der anderen Seite des Kanals beherbert Büroräume für die örtlichen National Health Service Trusts und Wohnapartments. Der Ort ist gut erhalten, leidet aber unter dem starken Durchgangsverkehr.

Die Grafschaft Yorkshire wird durch drei sehr unterschiedliche Landschaften charakterisiert: im Süden das Vale of York, im Osten die Yorkshire Moors und im Westen die Yorkshire Dales, ein für englische Maßstäbe recht hohes Gebirge aus Sandstein mit teilweise sehr schroffen Felslandschaften, Mooren und großen Weideflächen für Schafe. Diese werden von malerischen Mauern aus unbehauenen Steinen unterteilt, die ohne Mörtel errichtet sind und daher Dry-Stone Walls genannt werden,. Diese Dry-Stone Walls bestimmen das Bild der Yorkshire Dales. Der North York Moors National Park ist ein Nationalpark, der 1952 gegründet wurde. Er besteht zum größten Teil aus Weideland, das sich mit purpurfarbener und brauner Moorheide abwechselt. Die Gesteine entstammen der Jurazeit, die nachfolgend gehoben und nach Süden gekippt und in der Eiszeit glazial überformt wurden.

York ist wenigstens 2.000 Jahre alt - innerhalb seiner Stadtmauern finden sich römische, Wikinger- und mittelalterliche Spuren vermischt mit der Architektur vom 18. bis zum 20. Jahrhundert. Die Stadtmauer um die mittelalterliche Stadt wird von vier Toren unterbrochen Bootham Bar, Micklegate Bar, Monk Bar and Walmgate Bar. Die Römer gründeten ‚Eboracum' im Jahr 71 am Zusammenfluss der Flüsse Foss und Ouse als Hauptstadt von zwei römischen Provinzen, in die sie Britannien unterteilten. Auch die Wikinger machten Jorvik zu ihrer Hauptstadt und hinterließen viele archäologische Spuren, die im ‚Jorvik Viking Centre' in Coppergate besichtigst werden können. Die Normannen bauten hier zwei Castles. Im Mittelalter erwirtschaftete der Wollhandel einen beträchtlichen Wohlstand. York hat heute ein modernes Einkaufszentrum und mit The Shambles, eine der besterhaltenen mittelalterlichen Straßen Europas, eine enge gepflasterte Straße mit schönen Läden und Cafés. In York befindet sich das National Railway Museum, dessen Besuch erstaunlicherweise kostenlos ist, mit einer einzigartigen Sammlung von Lokomotiven, Zügen und Waggons. York ist außerdem berühmt durch seine Universität und Schokoladenfabriken mit Namen wie Rowntree's und Terry's of York.

York today
Ein absolutes ‚Must' ist der Besuch von Bettys in St. Helen's Square zum Cream Tea. Die Teastube gehört ‚Bettys and Taylors of Harrogate', einer Schweizer-Yorkshire Familie mit neun Filialen in Yorkshire. Es handelt sich um ‚Tearooms', die traditionelle Mahlzeiten servieren mit Einflüssen aus der Schweiz und Yorkshire. Die Produkte sind von Hand hergestellt mit Zutaten von hoher Qualität, die meist örtlich besorgt werden. Der erste Bettys Tearoom wurde im Cambridge Crescent in Harrogate, North Yorkshire, von Frederick Belmont, einem Schweizer Konditor 1919 eröffnet. Eigentlich wollte Belmont an die Südküste, aber er war so verwirrt über die überfüllten Londoner Eisenbahnhöfe und - da er wenig Englisch sprach - stieg er in den falschen Zug und kam nach Yorkshire. Die Landschaft erinnerte ihn stark an seine Schweizer Heimat und so entschloss er sich, dort zu bleiben. 1920 eröffnete er seine erste Backstube in Harrogate, dann eine in York.

York Minster ist die zweitgrößte gothische Kathedrale in Nordeuropa (nach Köln), Sitz des Erzbischofs von York - des zweithöchsten Amtes in der Church of England und Kathedrale für die Diocese of York. Das Hauptschiff und Kaptitelhaus der Kathedrale sind im ‚Decorated Gothic', der Chor und das Ostende in ‚Perpendicular' und die nördlichen und südlichen Querschiffe im ‚Early English Stil' erbaut. Die Kirche wurde am 9. Juli 1984 durch ein Feuer stark zerstört, das vielleicht durch einen Blitz ausgelöst wurde.
Dabei wurden das Dach des südlichen Querschiffes und das ‚Rose Window' vernichtet, insgesamt ein Schaden von mehr als £ 1 Mio. Das Minster ist von speziellem Interesse für Liebhaber von Glasmosaiken, besonders das ‚Great East Window', das größte mittelalterliche Beispiel seiner Art, so groß wie ein Tennisplatz.

Howard Castle liegt 40 km nördlich von York und ist eines der großartigsten privaten Landsitze. Der größte Teil wurde von 1699 bis 1712 für den dritten Earl of Carlisle nach einem Entwurf von Sir John Vanbrugh gebaut. Der Landsitz ist seit mehr als 300 Jahren im Besitz der Howard-Familie und gehört zu den ‚Treasure Houses of England'. Dem Fernsehpublikum ist Castle Howard als ‚Brideshead' in der Granada Fernsehverfilmung von 1981 von Evelyn Waugh's Brideshead Revisited bekannt. Direkt hinter dem Haus ist ein großer Formaler Garten, der dann in einen Park übergeht. Zwei Gebäude sind in diese Landschaft eingebunden, der ‚Temple of the Four Winds' am Ende des Gartens und das Mausoleum im Park.

Westlich von York liegt Harrogate, ein alter Kurort aus dem 17. Jh., der durch seine eisenhaltigen Quellen bekannt wurde und Kurgäste anzog, die zum Wohlstand der Stadt beitrugen. Der Niedergang setzte nach dem Ende des Ersten Weltkrieges ein. Im Zweiten Weltkrieg wurden in die großen Hotels Büros der Ministerien aus London evakuiert, die heute als Konferenzzentrum dienen. Harrogate wurde in Deutschland durch die Austragung des Eurovision Song Contest 1982 bekannt, bei dem Nicole aus dem Saarland mit "Ein bisschen Frieden" gewann.

50 km nördlich von York liegt Ripon. Die historische Kathedralstadt hat ungefähr 16.000 Einwohner (2001) und ist nach Wells, Ely und der City of London die viertkleinste Stadt Englands. Hier fließen die Flüsse Laver und Skell in den Ure. Die Straßen sind eng und obwohl die meisten Häuser relativ modern sind, tragen sie Giebel aus früheren Zeiten. Die Stadt wird beherrscht von der Kathedrale, die von der Encyclopædia Britannica 1911 etwas despektierlich als "not ranking among those of the first class" beschrieben wurde. Sie ist trotzdem interessant auf Grund der verschiedenen Architekturstile. Die Gesamtlänge beträgt 81 m, das Querschiff 40 m und die Breite des Hauptschiffes und der Mittelgang sind 26,5 m. Außer dem viereckigen zentralen Turm gibt es zwei Westtürme. Das Münster wurde auf den Ruinen der Abtei St. Wilfrid um 680 erbaut, davon existiert aber nur noch die ‚St. Wilfrid's Needle' genannte Crypta. Das jetzige Gebäude wurde unter Erzbischof Roger (1154-1181) begonnen. Die Westfront und Türme sind im Early English Stil errichtet, Ende des 13. Jahrhunderts wurde der Ostteil des Chors im Decorated Stil gebaut. Hauptschiff, Teile des zentralen Turms und die zwei Erker des Chors sind im Perpendicular Stil (15. Jahrhundert). Ein Teil des Domkapitels und die Sakristei sind rein normannisch. 1836 wurde die Kirche Kathedrale und Sitz des Bischofs von Ripon.

Südlich von Ripon liegt Fountains Abbey, die Ruine eines Zisterzienserklosters, das 1132 gegründet wurde, eine der größten und besterhaltenen Zisterzienserklöster in England, das heute dem National Trust gehört und von English Heritage unterhalten wird. Zusammen mit dem benachbarten ‚Studley Royal Water Garden' gehört es zum Weltkulturerbe. Die Abtei liegt geschützt im Flußtal des Skell und wurde bis 1539 genutzt. Die Gebäude und mehr als 2 qkm Land wurden 1540 an Sir Richard Gresham verkauft.

Die Landschaft westlich der North York Moors und den Yorkshire Dales ist bekannt als Herriot Country. James Herriot - Pseudonym von James Alfred Wight, OBE (1916-1995) - war Tierarzt und Schriftsteller. Er wurde bekannt durch seine halbautobiographischen Geschichten, die unter All Creatures Great and Small veröffentlicht wurden und im Deutschen Fernsehen als "Der Doctor und das liebe Vieh" liefen und in den dritten Programmen weiterhin wiederholt werden. Nach seinem Staatsexamen in Tiermedizin in Glasgow eröffnete er eine Praxis in Thirsk in Yorkshire, nahe den Yorkshire Dales und North York Moors. Sein Haus in Kirkgate Nr. 23 ist heute ein Museum mit ‚The World of James Herriot'. Erst mit 50 Jahren begann er zu schreiben. If Only They Could Talk wurde 1969 im VK veröffentlicht, aber der Absatz war schleppend, bis St. Martin's Press in New York eine Ausgabe in die Hände bekam und die ersten beiden Bücher als ein Band All Creatures Great and Small in den USA herausgegeben wurde. Dieser war ein sofortiger Erfolg und hatte sechs Fortsetzungen, Verfilmungen und Fernsehausgaben zur Folge. In seinen Büchern schrieb er über Ereignisse, die ihm und Leuten in seiner Umgebung passierten. Das machte ihn ungeheuer populär. Trotzdem führte er seine Tierpraxis mit einem Partner bis kurz vor seinem Tod 1995 weiter. Sein Name hat in Thirsk einen blühenden Fremdenverkehr hervorgebracht.

Flamborough Head ist ein ungefähr 11 km langes Kap an der Yorkshire Küste aus Kalk zwischen Filey und Bridlington als ‚Special Area of Conservation' gekennzeichnet zum Schutz von Seevögeln, wie Tölpel und Papageientauchern, die hier in großer Zahl brüten. So ist es ein beliebter Standort zum ‚Bird Watching', besonders weil es im Herbst viele Zugvögel anzieht.

Scarborough, 50.000 Einwohner, auf einem Limestone Cliff gelegen, ist das größte Seebad in Yorkshire mit seiner North Bay und South Bay. South Bay ist der touristische Anziehungspunkt mit Arkaden und Unterhaltungsbetrieben, dahinter liegt die Stadt. In der North Bay geht es ruhiger zu, hier liegt der Peasholm Park, der 2007 im japanischen Stil mit Pagoden wieder hergestellt wurde. Beide Buchten werden von Scarborough Castle überragt.
To pee or not to pee' - Schlagzeile einer Boulevardzeitung auf die Frage, ob in Scarborough in die öffentlichen Toilettenanlagen oder in das Theater von Alan Ayckbourn investiert werden sollte. Ayckbourn gilt als einer der erfolgreichsten Komödienautoren Europas und hat ca. 72 Theaterstücke geschrieben und im Stephen Joseph Theatre und in London auf die Bühne gebracht. Zuerst wurden seine Dramen als zu "seicht" kritisiert, mittlerweile sehen ihn Gelehrte aber als einen wichtigen Kommentator des Lebensstils der britischen ‚Suburban Middle Class' an. Seine bekanntesten Stücke sind Absurd Person Singular, The Norman Conquests Trilogy, Bedroom Farce, Just Between Ourselves, A Chorus Of Disapproval, A Small Family Business und Man Of The Moment. Sie wurden in mehr als 35 Sprachen übersetzt, für Fernsehen und Kino verfilmt und er selbst erhielt viele Auszeichnungen, 1987 den CBE und 1997 wurde er zum ‚Knight Bachelor' geadelt.

Die Yorkshire Moors sind ein Nationalpark mit einer Größe von ungefähr 1.430 qkm. Die Landwirtschaft hat jahrhundertelang das Landschaftsbild gepägt, das für Kühe und Schafe als Weideland dient. Die Farmer haben das Recht, ihr Vieh auf der offenen Moorlandschaft grasen zu lassen. In den letzten Jahren ist die Landwirtschaft rückläufig und die Moorhuhnjagd soll neuerdings die ausgedehnten Heideflächen nutzen. Im Süden, wo das Ackerland durch den Limestone-Gürtel besser ist, werden Gerste, Weizen, Raps, Kartoffeln und Zuckerrüben angebaut, außerdem werden Schweine und Geflügel gehalten. Bekannte Ortschaften sind

Pickering mit der ‚North Yorkshire Moors Railway' und das romantische kleine Dorf Hutton-le-Hole.
Rievaulx Abbey ist eine frühere Zisterzienserabtei in der Nähe von Helmsley in Nord- Yorkshire. Die Abtei wurde 1132 von
12 Mönchen von Clairvaux als Missionszentrum für die Kolonisierung des Nordens von England und Schottland gegründet. Die Abgelegenheit in einem bewaldeten Tal am Fluss Rye war ideal für die Zisterzienser, deren Wunsch es war, ein striktes Leben von Gebet und Autarkie zu führen. Mit der Zeit bauten sie erfolgreich Blei und Eisen ab, züchteten Schafe und verkauften Wolle in ganz Europa. Gegen Ende des 13. Jahrhundert erlitten sie jedoch hohe Verluste, dazu kamen Krätze bei den Schafen, schottische Überfälle im 14. Jahrhundert und Pest. Sie mussten viel Land vermieten und um 1381 gab es nur noch 14 Chormönche, die daraufhin ihren Besitz verkleinerten. 1538 wurde die Abtei durch Heinrich VIII. aufgelöst und die Gebäude wurden unbewohnbar gemacht. Das Gelände wurde an den Earl of Rutland, einem der Ratgeber von Heinrich gegeben, später kam es an die Duncombe-Familie. Die von Thomas Duncombe III. in den 1750er erbauten ‚Rievaulx Terrace & Temples' gehören heute dem National Trust. Dem frühere Premierminister Harold Wilson (1916-1995) wurde nach seinem Rücktritt zuerst der Hosenbandorden verliehen, da er weiter Abgeordneter bleiben wollte. Erst bei seiner Verabschiedung aus dem Unterhaus wurde er ‚Baron Wilson of Rievaulx' nach der Abtei in seiner heimatlichen Grafschaft Yorkshire, obwohl er im Ruhestand auf den Scilly Isles lebte und auch dort begraben ist.

Wo die Cleveland Hills ans Meer stoßen wie in Robin Hood's Bay, hat sich eine als ‚Heritage Coast' bezeichnete, eindrucksvolle und fossilreiche Küste ausgebildet. Dank des ‚Countryside and Rights of Way Act 2000' kann man hier ungehindert spazieren gehen, u.a. auf dem bekannten Cleveland Way, was von vielen Touristen jedes Jahr genutzt wird, außerdem zum Fahrradfahren, Mountainbiking, Reiten und Segelfliegen.
Robin Hood's Bay zieht sich durch enge Straßen zum Meer hinunter, aber es ist zweifelhaft, ob Robin Hood je hier war. Man muss das Auto etwas oberhalb des Ortes parken und zu Fuß in den Ort gehen. Der Ort hat eine alte Schmuggeltradition und ein unterirdisches Netz von Gängen verbindet die Häuser miteinander. Die Einwohner lebten hauptsächlich vom Fischfang, der aber im 19. Jahrhundert stark abnahm, heute ist der Tourismus die Haupteinnahmequelle.

Whitby ist Fischereihafen und Touristenziel. Im Jahr 657 erfüllte Oswiu, König von Northumbria, einen Schwur und gründete hier ein Kloster, das als ‚Whitby Abbey' bekannt wurde. Die erste Äbtissin war Hilda, die später als Heilige verehrt wurde. Whitby wurde ein Zenturm der Gelehrsamkeit und die Dichtung von Caedmon gehört zu den frühesten Beispielen angelsächsischer Literatur. Die Synode von Whitby im Jahr 664 wird oft als die Entscheidung Englands für die römisch-katholische Kirche und gegen die keltische Kirche bezeichnet. Als lokale Synode in Northumbria konnte sie nur für Northumbria bindende Entscheidungen treffen. Im
9. Jahrhundert zerstörten dänische Wikinger das Kloster. Es wurde aber nach der normannischen Eroberung unter William de Percy wiedergegründet, St. Peter und St. Hilda gewidmet und unter Heinrich VIII. wieder aufgelöst.
Im 16. Jahrhundert bestand Whitby aus nicht mehr als 20 oder 30 Häusern. Mit der Zeit entwickelte sich die Stadt landeinwärts und in Richtung des West Cliffs, während das Ostcliff von den Ruinen der Abtei beherrscht wurde. Es ist mit dem Auto nur umständlich zu erreichen, es sei denn, man entschließt sich, die 199 Treppenstufen von der Stadt hinaufzugehen.

Der moderne Hafen von Whitby, strategisch günstig für Europa und die skandinavischen Länder gelegen, kann ein breites Spektrum von Waren abfertigen, einschließlich Korn, Stahlprodukten, Holz und Pottasche. Es gibt hier einen Fischmarkt und der stete Nachschub an Frischfisch zeigt sich in einem Überangebot an ‚Chippies' in der Stadt.
Der Roman Caedmon's Song von Peter Robinson spielt in Whitby, ebenso wie Possession von A. S. Byatt. Michel Fabers Roman The Hundred and Ninety Nine Steps hat Whitby zum Schauplatz gemacht wie auch The Resurrectionists von Kim Wilkins.

Nahe dem Städtchen Middleton-on-Teesdale findet sich der High Force Waterfall im River Tees, der mit 20 m zwar nicht der höchste Wasserfall Englands ist, aber trotzdem beeindruckt. Er stürzt über zwei unterschiedlichen Felsformationen, die obere besteht aus Winstone, einem sehr widerstandsfähigen harten Felsen, der untere aus kohleführenden, weichen Limestone, der leicht verwittert. So bewegt sich der Wasserfall langsam flussaufwärts und hinterlässt davor eine enge, schmale Schlucht.

Swaledale ist durch einen Bergrücken von Wensleydale getrennt und verläuft parallel dazu. Es ist ein typisches Limestone Tal mit engen Straßen auf der Talsohle, grünen Weiden mit Schafen, bergseitigen Feldern und weißen Steinwällen auf den von der Eiszeit überformten Talflanken. Der Name ‚Dale' kommt vom nordisch-germanischen Wort für "Tal." Die Dales bezeichnet ein Ansammlung von Flußtälern und Hügeln, die vom Vale of York im Westen bis zu den Bergspitzen der Pennine-Wasserscheide reicht. Östlich vom Vale of York liegen die Yorkshire Moors.

Wensleydale gehört zum ‚Yorkshire Dales National Park', 1954 geschaffen und heute einer der 12 Nationalparks Englands.

Hawes, am Ende des Tals, ist eine ‚Honeypot Tourist Attraction', die berühmt ist für die Produktion von Wensleydale-Käse der Hawes Creamery. Die Hawes Creamery produziert heute wieder ‚Real Yorkshire Wensleydale' neben vielen anderen Sorten. Wensleydalekäse wurde zuerst von französischen Zisterziensermönchen aus der Roquefort-Region hergestellt, die sich in Wensleydale niedergelassen hatten. Sie brachten ein Rezept für Schafskäse mit, später wurde jedoch Kuhmilch verwendet, aber es wurde noch etwas Milch von Mutterschafen beigemischt. So entwickelte sich der Schimmelkäse, der damals sehr beliebt war. Als sich 1540 die Klöster auflösten, produzierten die Farmer den Käse bis zum Zweiten Weltkrieg weiter. Während des Krieges wurde die meiste Milch zur Herstellung von ‚Government Cheddar' verwendet, um unabhängig von Lieferung aus anderen Ländern zu sein. 1992 schloss Dairy Crest, eine Tochter des ‚Milk Marketing Board', die Hawes Creamery und verlagerte die Produktion nach Lancashire und
59 Angestellte verloren ihren Job. Sechs Monate später gab es einen Management Buyout von dem Geschäftsmann John Gibson und seinem Team. Mit 11 Mitarbeitern begann man wieder die Produktion, heute ist Wensleydale Dairy Products ein blühendes Unternehmen mit 190 Angestellten und 36 Farmen im Tal, die die Milch liefern.

Hardraw Waterfall, außerhalb des Dörfchen Hardraw am Fuß des Buttertubs-Passes, fällt 100 Fuß von einem Felsvorsprung hinunter. Der Zugang zum Wasserfall führt durch den ‚Green Dragon Pub' und kostet £ 2.00 Eintritt. Der Wasserfall war im Film Robin Hood: Prince of Thieves in der Szene zu sehen, wo ‚Maid Marian' Robin Hood beim Bad unter dem Wasserfall überrascht. Über 200 Jahre hat der Wasserfall Touristen angelockt, auch Literaten und Künstler wie Ruskin, Turner und Wordsworth. Wordsworth schrieb im Dezember 1799 an Coleridge:
"We walked up to the fall; and what would I not give if I could convey to you the feelings and images which where communicated to me? After cautiously sounding our way over stones of all colours and sizes, encased in the clearest water formed by the spray of the fall we found the rock, which had before appeared like a wall, extending itself over our heads like the ceiling of a huge cave, from the summit of which the water shot directly over our heads into a basin, and among the fragments wrinkled over with masses of ice as white as snow, or rather, as Dorothy said, like congealed froth. The water fell at least ten yards from us and we stood directly behind it."

Joseph Mallord William Turner wohnte hier drei Tage, um vier Zeichnungen des Mossdale Head und zwei Skizzen von Hardraw Force anzufertigen, von denen eines als fertiges Bild im Fitzwilliam Museum, Cambridge, hängt.

Auf der Straße nach Ingleton kommt man vorbei am Ribblehead-(Eisenbahn-) Viaduct über das Tal des Flusses Ribble. Es ist der längste und berühmteste Viadukt an der Eisenbahnlinie von Settle nach Carlisle. Vom Ingenieur John Sydney Crossley entworfen wurde er 1870 - 1874 erbaut, ist 32 m hoch und 402 m lang mit 24 Bögen. Die Arbeiter, die an der Brücke bauten, wohnten in Barackensiedlungen im Moor, die nach den Siegen des Krimkrieges und sarkastisch nach vornehmen Stadtteilen von London benannt wurden. Da viele Arbeiter durch Unfälle und Blatternepidemien starben, musste der Friedhof im nahe gelegenen Chapel-le-Dale erweitert werden.

Endpunkt einer Tagesfahrt durch Wensleydale ist Horton-in-Ribblesdale, Ausgangspunkt für den 'Three Peaks Walk' zum Pen-y-ghent (694 m), Whernside (736 m) and Ingleborough (723 m) - 'but if you do it, please do it anti-clockwise'. Die Region ist populär, um das Alum Pot und Long Churn-Höhlensystem zu erkunden.

Durham ist berühmt wegen seiner normannischen Kathedrale, seinem Castle und Durham University, an der der frühere Premierminister Tony Blair Student war. Der Name kommt aus dem altenglischen ‚dun-holm', was ‚Hill-Island' heisst, denn der Fluß Wear schließt die Stadt auf drei Seiten zu einer hügeligen Halbinsel ein. An zentralster und hervorragender Stelle beherrscht die Kathedrale die Silhouette. Die Steilufer des Flusses sind dicht bewaldet. Am Fuß der Halbinsel liegt der Marktplatz, wo noch regelmäßig Markt abgehalten wird, der mit den umgebenden Straßen das kommerzielle Zentrum der Stadt bildet. Neben der Kathedrale und dem Castle hat die Stadt noch mehr als 630 historische Gebäude. Frühe Siedlungsspuren gehen auf ca. 2000 v.Chr. zurück, aber die heutige Stadt kann auf das Jahr 995 datiert werden, als eine Gruppe von Mönchen aus Lindisfarne die Halbinsel ausersahen, hier mit der Leiche vom Saint Cuthbert zu siedeln und eine Kirche zu gründen. Die jetzige Kathedrale wurde von 1093 an gebaut und hat noch die Gebeine von St Cuthbert und auch Venerable Bede. Gegenüber der Kathedrale liegt Durham Castle, ursprünglich von den Normannen 1071 erbaut, aber zu einem großen Teil zur viktorianischen Zeit restauriert. Beides gehört zur UNESCO World Heritage Site. Seit 1837 beherbergt das Castle das University College, das erste College der Universität. Im Mittelalter war Durham ein wichtiges politisches und kirchliches Zentrum, hauptsächlich wegen seiner strategischen Lage nahe der Grenze zu Schottland.

Der Angel of the North ist eine moderne Skulptur vom Bildhauer Antony Gormley in Newcastle - Gateshead, die nach dem Willen des Stadtrates von Gateshead an der A 1 das Tor zur Tyneside darstellen soll. Sie entstand auf dem Gelände einer ehemaligen Kohlengrube und zollt dem industriellen Erbe des Nordostens Anerkennung. Es ist eine Stahlkonstruktion, 20 m hoch mit Flügeln von 54 m Länge. Die Flügel sind nicht eben, sondern haben eine Winkel von 3,5° vorwärts, um eine Art Umarmung zu suggerieren. Die Arbeiten begannen 1994 und kosteten £ 1 Mio, wobei das meiste Geld aus der National Lottery kam. Die Statue muss Stürmen von über 160 km/h widerstehen können. So wurden 165 t Beton für den Sockel benötigt, die die Skulptur mit dem Felsen 20 m darunter verbinden. Sie wurde in den Hartlepool Steel Fabrications Ltd in drei Teilen erstellt und dann hierher transportiert und war am 16. Februar 1998 fertiggestellt. Heute ist sie einer der 12 offiziellen ‚Icons of England', die laut Schätzungen jeden Tag von ungefähr 90.000 Leuten gesehen wird.

Gateshead in Tyne and Wear liegt am Ufer der Tyne gegenüber Newcastle-upon-Tyne. Die Zentren der beiden Städte bilden 'Tyneside'. Die erste offizielle Erwähnung von Gateshead geschieht in einem Schreiben des Venerable Bede, der sich auf den Abt von Gateshead namens Utta 653 bezog. Die Stadt blühte mit der Industriellen Revolution auf. In der Umgebung wurde Kohle abgebaut. Hawks und Co. in Gateshead war eines der größten Eisengießereien des Nordens. Robert Stirling Newall begann hier mit der Herstellung von Stahldrahtseilen und er entwickelte Unterwasserkabel. Das erste Kabel von Dover nach Calais 1851 kam aus Newalls Werk ebenso die Hälfte des ersten Atlantikkabels. Sir Joseph Swan entwickelte hier die elektrische Glühbirne. Als Hawks schließen musste, begann der Niedergang der Region, der besonders durch die Depression der 1920er und 1930er Jahre viele Arbeitslose schuf. Nach dem Jahr 2000 fing der Gemeinderat an, die Stadt umfangreich zu sanieren. So liegt das MetroCentre, das größte Einkaufszentrum in der Europäischen Union, in Gateshead. Trotzdem stand in einem Artikel des London Telegraph, dass im Januar 2009 einem Mann die Einreise nach England verweigert wurde, weil er als Grund einen Besuch in Gateshead angab. Die Einwanderungsbehörde hielt es für "nicht glaubwürdig" (‚not credible'), dass jemand eine Woche in Gateshead verbringen wollte.
Gateshead hat von namhaften Literaten daher nicht gerade rühmliche Zitate erfahren. Dr. Johnson beschrieb es als "a dirty little back lane out of Newcastle" und J. B. Priestley meinte, dass "no true civilisation could have produced such a town" und fügte hinzu, das es entworfen wurde "by an enemy of the human race". Der Stadtrat von Gateshead hat sich für die Entwicklung Kaianlagen von Gateshead als Kulturzentrum eingesetzt. Das schloß 2001 den Bau der ‚Gateshead Millennium Bridge' ein, die 2002 den ‚James Stirling Prize for Architecture' gewann. Das ‚BALTIC Centre for Contemporary Art' wurde in einer umgebauten Mehlmühle eingerichtet. ‚The Sage Gateshead', eine Festhalle für Musik und darstellende Kunst, von Norman Foster entworfen, wurde 2004 fertiggestellt. Das Zentrum ist eine geschwungene Glas- und Stahlkonstruktion mit herrlichen Ausblicken auf Newcastle und Gateshead Quaysides, die Tyne-Brücke und die Gateshead Millennium-Brücke. Die Kosten von über £ 70 Mio wurden hauptsächlich durch die National Lottery aufgebracht. Das Zentrum hat eine Reihe von Sponsoren, besonders ‚The Sage Group plc', Hersteller von ‚Business Management Software and Services', die viel Geld dazugab, um dem Gebäude ihren Namen zu geben. ‚The Sage Gateshead' wurde vom 17.- 19. Dezember 2004 mit freiem Eintritt und einem Variétéprogramm in verschiedenen Stilrichtungen eröffnet, getreu ihrer Philosophie, dass keine Musikgattung mehr wert ist als die andere. Es gibt drei Aufführungsräume mit exzellenter Akustik, eine mit 1.700 Sitzplätzen, eine mit 400 und einen kleineren Proben- und Aufführungsraum. Die verschiedenen Säle können das Soundprofil je nach Anforderung der Aufführung ändern. Das Gebäude ist auch außerhalb der Aufführungen geöffnet. Es gibt fünf Bars, einen Vielzweckraum für Parties, Hochzeiten, kleine Konferenzen und Musikauftritte für 200 Personen. Diese Aktivitäten haben Gateshead, eine der 10 ärmsten Regionen Großbritanniens, bei Beschäftigung, Unterhaltung und Hochschulen geholfen.

Der Hadrian's Wall wurde auf einer vulkanischen Klippe errichtet. Der beeindruckenste, gebirgige Teil liegt zwischen Hexham und Haltwhistle, von wo man den Northumberland Nationalpark im Norden und die ‚North Pennines Area of Outstanding Natural Beauty' im Süden am besten sehen kann. Hier spiegeln sich 2000 Jahre Geschichte wider und zeigen, wie die Römer in Dörfern und Städten ihre Spuren hinterlassen haben. Es war der am stärksten befestigte Limes des römischen Empires und existiert heute noch im Mittelabschnitt. Fast die ganze Länge des Hadrian's Wall kann man erwandern. Er ist die größte Touristenattraktion in Nordengland.
Er ist 117 km lang - von Segedunum bei Wallsend am Fluß Tyne im Osten bis zum Solway Firth im Westen - und je nach dem Baumaterial, das in der Nähe zur Verfügung stand, zwischen 3 - 6 m breit und 5 - 6 m hoch. Begonnen wurde der Bau im Jahr
122 n.Chr. Entlang des Walls lagen 14 römische Unterstützungslager einschließlich 'Vercovicium' (Housesteads) und 'Banna' (Birdoswald). Im Abstand von je einer römischen Meile lagen 80 Tore. Zwischen zwei Toren stand immer ein Turm, der zur Beobachtung und zur Signalübermittlung verwendet wurde. Die Garnison bestand aus Hilfstruppen der Armee, die keine römischen Bürger waren. Ihre Zahl schwankte während der Besatzungszeit, doch man schätzt, dass sie etwa 9000 betrug.
Der Wall war Teil eines Verteidigungssystems, das von Norden nach Süden gesehen aus folgenden Elementen bestand:
Einem 'Glacis' mit einem tiefen Graben, gefüllt mit spitzen Holzpfählen, dem Wall selbst, einer Militärstraße und dem 'Vallum', zwei großen Dämmen mit einem Graben dazwischen. Nach Kaiser Hadrians Tod im Jahr 138 verfiel die Mauer langsam. Der Erhalt ist dem Rechtsanwalt John Clayton zu verdanken, der im 19. Jahrhundert begann, das Land aufzukaufen. Schließlich kümmerte sich der National Trust um den Erhalt. 2005 wurde er Teil der größeren ‚Frontiers of the Roman Empire' Weltkulturerbe.

Northumberland National Park, 1956 unter Schutz gestellt, der nördlichste Nationalpark Englands, ist mehr als 1.030 qkm groß und reicht im Norden mit den Cheviot Hills an die schottische Grenze und im Süden an den Hadrian's Wall. Er wurde oft beschrieben als ‚Land of the Far Horizons' und ist mit Sicherheit der einsamste Nationalpark. Im Süden befinden sich Moore, von denen einige wie der Kielder Forest aufgeforstet wurden. Sein offizielles Symbol ist der Brachvogel. Der Park unterteilt sich in das ‚High Hills Country' (‚Cheviot Hills') im Norden und ‚Reiver Country' (‚Tynedale and Hadrian's Wall') im Süden. In High Hills Country kann man oft stundenlang wandern, ohne auf jemanden zu stoßen. Es wird beherrscht on den Cheviot Hills, deren höchste Erhebung der Cheviot mit 815 m ist.
Es handelt sich um erloschene Vulkane, die durch Wind und Wetter zu den heutigen Formen abgerundet wurden. ‚Reiver Country' ist nach den Familien benannt, die an der Grenze wohnten und sich im 14. - 16. Jahrhundert befehdeten. Sie waren Gesetzlose, die Vieh stahlen und sich gegenseitig die Häuser niederbrannten. Das Vermächtnis dieser ‚Border Wars' kann man noch in den vielen ‚Peel Towers' (Aussichts-Türmen) und ‚Bastles' (befestigten Farmen) sehen. Housesteads in Bardon Mill gehörte den Armstrongs, einer der gefürchteten Border Reiver-Familien, Pferde- und Viehdiebe, die das alte Fort 'Vercovicium' als Weide für ihr Diebesgut nutzten. Alle Familienmitglieder war Gesetzlose, der letzte Armstrong wurde im 17. Jahrundert gehängt und seine Brüder flohen nach Amerika. Sie lebten in einem typischen zweistöckigen Bastle House (der Name soll from franz. ‚bastille' kommen), ein Haus aus 1 m dicken Steinwänden, wo im Erdgeschoss Viehställe waren. Das Wohngeschoss war im ersten Stock über eine Leiter zu erreichen, die nachts hochgezogen wurde. Die einzigen Lichtöffnungen waren Pfeilschlitze und das Dach war aus Feuerschutzgründen mit Schiefer gedeckt.


Alnwick, laut Country Life, 'a historic county town of Northumberland and seat of the Duke of Northumberland, Alnwick is the most picturesque market town in Northumberland, and the best place to live in Britain'. Zur Stadt gehören Alnwick Castle, Heimat der Dukes of Northumberland und Alnwick Garden. Alnwick Castle ist nach Windsor das zweitgrößte bewohnte Castle Englands. Das Castle ist beliebt bei Filmschaffenden: Harry Potter, Blackadder und Robin Hood, Prince of Thieves sind einige der Filme, die hier gedreht wurden. Mit Alnwick Garden sollte nach dem Willen der Duchess of Northumberland ein Garten für ‚contemplation, fun, inspiration and education' geschaffen werden. Er wurde im Oktober 2002 von Prinzen von Wales eröffnet, als die erste Entwicklungsphase abgeschlossen war. Hier gibt es Wasserspiele, wunderbare Gärten und eines der größten Baumhäuser auf der Welt, gestaltet von den belgischen Designern Jacques Wirtz und Sohn Peter. Sie realisierten die Vision der Duchess für den einst vergessenen, 5 ha großen ummauerten Garten. Der Garten wechselt zwischen belebten und ruhigen Teilen. 2006 öffnete der Gartenpavillon und das Besuchszentrum, durch den die Besucher den Garten betreten.

Bamburgh wird beherrscht von Bamburgh Castle, dem früheren Sitz der Könige von Northumbria. Außerdem lebte die viktorianische Heldin Grace Darling hier, deren Vater Leuchtturmwärter war. Als sie in den frühen Morgenstunden des 7. September 1838 aus dem Longstone Lighthouse zu den Farne-Inseln hinübersah, erblickte sie die SS Forfarshire, die auf Grund gelaufen war. Das Wetter war für das Lifeboat zu rau und so ruderte sie mit ihrem Vater zu der Insel und rettete neun verängstigte Überlebende und brachte sie sicher zum Leuchtturm.

Farne Islands sind eine Inselgruppe von 15 - 20 Inseln (je nach Wasserstand), die mit Ausflugsbooten von Seahouses erreicht werden kann. Sie bringen Touristen nach Inner Farne, Staple Island und Longstone. Die anderen Inseln sind ihnen verboten, um die Fauna zu schützen. Man kann Papageientaucher, arktische Meerschwalben und eine Kolonie von grauen Seelöwen sehen.

Einer der nördlichsten Punkte Englands ist Lindisfarne, eine Insel im Gezeitenbereich, die auch als ‚Holy Island' bekannt ist und von Sir Walter Scott folgendermaßen beschrieben wurde

For with the flow and ebb, its style
Varies from continent to isle;
Dry shood o'er sands, twice every day,
The pilgrims to the shrine find way;
Twice every day the waves efface
Of staves and sandelled feet the trace.


Der Damm zur Insel wird zweimal pro Tag von den Gezeiten überspült und man muss sich vorab informieren, wann man den Damm befahren kann. Auf der Insel leben 162 Einwohner. Große Teile der Insel und das Überflutungsgebiet gehören zum ‚Lindisfarne National Nature Reserve', um die Vögel zu schützen, die hier überwintern, außerdem kann man Zugvögel gut beobachten (‚Redwing', ‚Fieldfare' und ‚Yellow-browed Warblers'), insgesamt sollen es 300 verschiedene Arten sein. Das Kloster wurde von dem Iren Saint Aidan gegründet, der auf Bitten von König Oswald 635 von Iona nach Northumbria geschickt wurde. Es wurde die Basis der Christianisierung von Nordengland. Der Schutzheilige von Northumberland, Saint Cuthbert, war Mönch und später Abt des Klosters. Seine Wunder und sein Leben werden vom ‚Venerable Bede' berichtet, der später Bischof von Lindisfarne wurde. In den frühen 700er Jahren wurde das berühmte Manuskript der ‚Lindisfarne Gospels' - des Evangeliums von Markus, Lukas und Johannes - hier hergestellt.
783 wurde die Kirche von den Wikingern zerstört und die Mönche flohen von der Insel. Die Lindisfarne Gospels sind heute in der ‚British Library' in London aufbewahrt. Das Kloster ist eine Ruine im Besitz von English Heritage. Auf der Insel liegt auch Lindisfarne Castle, ebenfalls vom National Trust verwaltet, das durch Sir Edwin Lutyens im Arts and Crafts-Stil aufgebaut wurde und einen Garten hat, der von Gertrude Jekyll geschaffen wurde. Lindisfarne war viele Jahre ein Fischerort und lebte von Landwirtschaft und Kalk-Produktion. Der Tourismus wurde zur wichtigsten Einnahmequelle und die Insel ist heute ein beliebtes Ziel geworden, manchmal zu beliebt, da Platz und Möglichkeiten beschränkt sind. Bei Flut ist es erheblich ruhiger, da die meisten Touristen dann die Insel verlassen haben. Der Gezeitenplan hängt an beiden Enden des Dammes aus. Der Damm ist üblicherweise von 3 Stunden nach Hochwasser bis 2 Stunden vor dem nächsten Hochwasser offen. Für diejenigen, die es nicht mehr schaffen, gibt es ‚Notausstiege', allerdings nicht für die Autos ("sorry").