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(1) Broadstairs, (2) Kent Hop Garden with Oast-House,
(3) Rye, (4) Chartwell,
(5) Eton College, (6) Blenheim Palace |
"This England never did, nor never shall,
Lie at the proud foot of a conqueror."
- William Shakespeare -
Tipps für den Südosten: Der Südosten, besonders die Grafschaft Kent, ist den meisten Englandbesuchern nur als Durchfallachse nach London bekannt, vielleicht ein kurzer Halt in Canterbury und schon ist man in London. Dabei bietet der "Garten von England" sehr viel, sobald man sich etwas außerhalb der ausgetretenen Pfade bewegt: Seebäder wie Broadstairs mit seinem 'olde worlde' charm, verträumte Dörfchen wie Chilham, Lenham und Biddenden, das romantische Rye, phantastische Gärten wie in Sissinghurst, alte Landsitze wie The Knole oder Hever Castle und mit Chartwell einen nationalen Schrein, - nicht nur für Churchill-Fans.
There'll be blue birds over
The white cliffs of Dover,
Tomorrow, just you wait and see.
There'll be love and laughter
And peace ever after
Tomorrow, when the world is free.
The shepherd will tend his sheep,
The valley will bloom again
And Jimmy will go to sleep,
In his own little room again.
There'll be blue birds over
The white cliffs of Dover,
Tomorrow, just you wait and see-gesungen von Vera Lynn -
Das Lied ist neben Lilli Marleen wohl einer der berühmtesten Pop-Klassiker aus dem Zweiten Weltkrieg. Er wurde 1942 zu einem Riesenhit, da er die Gefühle der Alliierten für die Briten in ihrem Kampf gegen Hitler am besten ausdrückte.Nähert man sich England - oder poetisch gesprochen "Albion" - "in style", d. h. mit dem Schiff - auf der kürzesten Distanz vom "Continent" zwischen Calais und Dover, wird man je nach Wetter früher oder später von den weißen Klippen von Dover begrüßt, einer einzigartigen Kulisse, gekrönt von Dover Castle. Rechts vom Hafen grüßt der weiße Leuchtturm von St. Margaret's-at-Cliffe und links das auf vielen Hügeln gelegene Dover mit dem Shakespeare Cliff, unterhalb dessen der Channel Tunnel unter dem Ärmelkanal verschwindet. Dem aufmerksamen Beobachter entgeht auch nicht der Balkon in den weißen Klippen direkt über dem Hafen. Von diesem 'Lookout' erwartete Churchill im Zweiten Weltkrieg die deutsche Marine - glücklicherweise vergeblich. Im Felsen dahinter waren Höhlen und Tunnel, die heute als Hell Fire Corner besichtigt werden können .
Shakespeare Cliff Dover Cliffs 'Lookout' Leuchtturm bei St. Margaret
Dover Promenade und Castle
Dover - neben Hastings, Hythe, New Romney and Sandwich einer der sog. Cinque Ports (ein Städtebund im Südosten Englands, der ursprünglich als militärische und wirtschaftliche Allianz von fünf Hafenstädten am Ärmelkanal gegründet wurde) bietet dem Touristen nicht allzu viele Attraktionen. Sehr schön saniert sind die Gebäude an der Promenade, dahinter liegt ein Factory Outlet. Auf der anderen Straßenseite am Beginn der Fußgängerzone liegt das "White Cliffs Experience", das die Geschichte der Landungen von den Römern an verfolgt und Dover aus wirtschaftlichen Schwierigkeiten helfen sollte, die mit der Konkurrenz des Tunnels für die Stadt entstanden sind. Außerdem gibt es noch "Dover Old Town Goal" in der Biggin Street, ein Rundgang durch das alte Gefängnis von Dover, wo in den einzelnen Zellen die Gefangenen ihre Geschichten erzählen.
Verlässt man Dover auf der A20 / M 20 lohnt ein kurzer Abstecher zu Samphire Hoe, das durch einen Tunnel erreicht wird. Es handelt sich um ein kleines Naturschutzgebiet, das mit 4,9 Mio cbm Kalkmergelabraum aus dem Tunnelbau aufgeschüttet wurde. Hier wächst der Seefenchel und weitere seltene Pflanzen.
Tipp: Will man einen herrlichen Blick über Dover Harbour werfen, gelangt man über die Upper Road (Dover Castle) zu einem Parkplatz im Besitz vom National Trust (kostenpflichtig). Von hier hat man einen herrlichen Blick ("a breath-taking view") über den Hafen von Dover.
Verlässt man Dover über den Jubilee Way und biegt (rechts) auf die B 2058 ab, gelangt man in das hübsche Dörfchen
St. Margaret's-at-Cliffe, das sich idyllisch die Klippen hinunter zum Meer zieht. Der Ort war im Zweiten Weltkrieg weitgehend evakuiert und von Militär besetzt, die hier Geschütze aufgestellt hatten, um die Landung deutscher Schiffe zu verhindern (zwei 14-Zoll Geschütze vom Schlachtschiff 'HMS King George V', die "Winnie" und "Pooh" genannt wurden.
Eines Tages soll Winston Churchill den Ort besucht haben und "Winnie" abgefeuert worden sein:
The officer-in-charge saluted and reported, "A direct hit, Sir".
"On what?" enquired Winston,
"Er - France, Sir".
Der Schauspieler Sir Peter Ustinov war hier stationiert und der Ort gefiel ihm so gut, dass er nach dem Krieg ein Haus kaufte. Am Ende des Ortes sind Cottages, von denen zwei dem Schauspieler und Schriftsteller Noel Coward und Ian Fleming (James Bond) gehörten. Am Strand starten die Kanalschwimmer und die Unterwasserkabel zum Kontinent verschwinden hier im Wasser.
Ein Kuriosum befand sich inmitten des ländlichen Kents bei Betteshanger, wo einst Kohle gefördert wurde. Im
19. Jahrhundert hatte man mit dem Bau eines Kanaltunnels begonnen und stieß auf Kohle, die man ab 1921 abbaute und in einem Kohlekraftwerk in der Nähe von Sandwich verstromte. Nach dem großen Bergarbeiterstreik von 1985 unter der Regierung Thatcher wurde diese Kohlegrube im Besitz des National Coal Board 1989 geschlossen auch deshalb, weil die Miners aus Kent als besonders militant galten. Die Kohle ist verschwunden, aber die Schlote des Kraftwerkes stehen noch immer als Eyesore in der Landschaft.
Die Isle of Thanet war ein Kalkinsel, die beim Durchbruch des Kanals 6500 vor Christus gebildet wurde. Sie war lange Zeit durch den Wantsum Channel vom Festland getrennt bis Ablagerungen des River Stour die Insel mit dem restlichen Kent verband. Die Hauptorte in Thanet sind Ramsgate, Broadstairs und Margate.
12 km vor der Küste von Kent ist am 23. September 2010 der größte Offshore-Windpark der Welt eröffnet worden. 115 Meter hohe Rotoren erstrecken sich auf ein Areal, das 35 Quadratkilometer groß ist und erzeugen eine Nennleistung von drei Megawatt. Mit der durchschnittlich erzeugten Energie könnten bis zu 200 000 Haushalte mit Strom versorgt werden - ein einziges Windrad ist stark genug, um 230 Mio. Tassen Tee zu kochen. Der schwedische Energiekonzern Vattenfall hat fast eine Mrd. Euro in das Projekt investiert. Großbritannien ist das windigste Land Europas, daher
sind mehrere Riesen-Windparks mit jeweils mehreren tausend Megawatt Leistung geplant, einer davon direkt an der Themsemündung. Insgesamt sollen in den nächsten Jahren
32.000 Megawatt Offshore-Windleistung installiert werden, die bis 2020 bis zu 15 Prozent des gesamten Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien decken sollen.Ramsgate war einst eine prächtige Stadt mit seiner Regency-Architektur und einem Royal Harbour dank Georg IV., der heute eine große Marina beherbergt. Die Stadt hat eine alte Seefahrertradition. Berühmt berüchtigt wurde die Stadt auch für die Australienauswanderer, da hier die Schiffe noch einmal Station machten und Frauen noch in einfachen handwerklichen Tätigkeiten, wie Nähen und Sticken unterrichtet wurden, um in der neuen Heimat ihren Lebensunterhalt verdienenen zu können. Von der einstigen Pracht zeugen auch die vielen Crescents, halbmondförmige, zurückschwingende Häuserreihen, die teilweise hervorragend restauriert wurden.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Stadt eine der bedeutendsten Seebäder Englands, die Eisenbahn führte direkt in den Hafen und auf Bildern aus den 50er Jahren ist der Strand von Menschen übersäht. Damals gab es auch noch ein Schwimmbad im Hafenbereich, das heute nicht mehr existiert. Mittlerweile ist die Stadt in ein europäisches Förderungsprogramm aufgenommen, das auch über den Kanal in die Region des Pas de Calais reicht. Einige Straßenzüge wurden saniert, der Strand wurde neugestaltet und die alten Lifte zwischen höher gelegener Straße und Strand wiederbelebt. Eine der Haupteinnahmequellen der Stadt bieten die vielen Sprachschulen, die ein internationales Publikum anlocken. Trotzdem versucht Ramsgate mit vielen Aktivitäten wieder Touristen anzuziehen. Es gibt ein Harbour Festival und engagierte Bürger versuchen, mit 'Costumed Walks' die Geschichte der Stadt wiederzubeleben.
Ramsgate leidet wirtschaftlich aber weiterhin unter seiner Lage als "Backwater", da viele Versuche, den Fährhafen zu beleben, nicht von Erfolg gekrönt waren. In den 1960er Jahren wurde in Pegwell Bay ein Hoverport für Luftkissenboote errichtet, der nur wenige Jahre existierte. Später versuchte die Sally Line für einige Jahre erfolgreich auf der Fährlinie Ramsgate-Dünkirchen besonders Lkw-Fahrer anzulocken. Allerdings war die Hafenausfahrt im Ort besonders für Lkws umständlich, man konnte den Hafen nur über einen kleinen Kreisel mit einem U-Turn verlassen und die Anwohner beklagten sich über den Lärm der Trucker. Nach vielen Jahren begann man vor dem Ortseingang mit dem Bau eines Tunnels, der direkt in den Hafen führt. Tragischerweise war er fertiggestellt, als Ramsgate seine Bedeutung als Fährhafen weitgehend verloren hatte. Es gibt jedoch wieder eine Fährverbindung von Ostend nach Ramsgate mit 4 Überfahrten pro Tag.
Ein hübscher kleiner Ort südlich von Thanet ist Sandwich, einer der "Cinque Ports," mit seinen schmucken Fachwerkhäusern und mehreren Golfplätzen. Außerhalb des Ortes finden sich die neuen Labore und Arbeitsstätten von Pfizer's, dem amerikanischen Pharmaunternehmen, einem der größten Arbeitsgeber der "Insel". Hier wurde auch das Potenzmittel Viagra entwickelt.
Broadstairsverbreitet noch immer einen gewissen "Old World Charm". Der Ort zieht heute nicht mehr die grossen Massen an Touristen an, aber vor allem ältere Leute lieben den Ort, ausserdem haben hier viele Sprachschulen ein jugendliches Publikum angelockt. Es gibt einen hübschen, aber nur kleinen Strand in einer malerischen Bucht mit Beach Huts und einem Pool, der von den Gezeiten mit Wasser gefüllt wird. Vor ein paar Jahren wurde sogar der alte Beach Lift reaktiviert.
Die Stadt ist eng mit dem Namen des Romanschriftstellers Charles Dickens verbunden, der im 19. Jahrhundert in seinen Romanen die Auswüchse der industriellen Revolution anprangerte. Er verbrachte seinen Sommerurlaub in Bleak House mit Blick auf den Kanal, wo er den größten Teil von David Copperfield schrieb. Das Haus kann nach umfangreicher Renovierung wieder besichtigt werden. Außerdem gibt es ein Dickens House Museum in Victoria Parade und - natürlich - einen Dickens Pub. Seit vielen Jahren findet jeweils im Juni ein Dickens Festival statt, bei dem besonders Oliver Twist in vielen Kostümen seine Auferstehung feiert. Jedes Jahr im August wird seit 1965 die 'Folk Week' gefeiert, die ebenfalls viele Begeisterte anzieht. Ein berühmter Zeitgenosse stammt aus dem benachbarten St. Peters, Sir Edward Heath, englischer Premierminister von 1970 - 1974 und Old Boy von Chatham House School in Ramsgate, gehörte dem Broadstairs Sailing Club an und kehrte jedes Jahr zurück, um das 'Broadstairs Carol Concert' zu leiten.
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Margate zusammen mit Cliftonville hinterlässt heute einen etwas heruntergekommenden Eindruck mit den vielen Amusement- und Bingohallen und dem dahinterliegenden Bembons, ein Holiday Park, ebenfalls slightly run down. Trotzdem war die Stadt mit ihrer Nähe zu London eines der ersten Seebäder, nachdem Dr. Richard Russell 1750 die Heilwirkung des Seewassers nachgewiesen hatte. Hier gab es 1898 die ersten Bademaschinen und Liegestühle. Am Pfingstwochenende 1964 (17. - 18. Mai) erlangte es traurige Berühmtheit durch Schlachten zwischen den Mods mit ihren Motorrollern und Rockers mit ihren schweren Motorrädern, nur ein Kapitel in der steigenden Kriminalität der Stadt.
Die Stadt hat einen breiten Sandstrand direkt vor der durch eine belebte Straße getrennten Amüsierzeile und einen Winter Garden, der zu besseren Zeiten ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm bot. Margate ist Schauplatz in Grahahm Swift's Buch Last Orders, in dem die Freunde von Jack Dodd aus London seine Asche in Margate verstreuen wollen, da er nach seiner Pensionierung hierher ziehen wollte ("Margate of all places"). In jüngster Zeit hofft man wieder an die Heydays der viktorianischen Zeit anknüpfen zu können: 2011 wird hier die für 17.5 Mio Pfund errichtete Turner Gallery eröffnet, die Turners Bilder und die seiner Zeitgenossen zeigt.
Whan that Aprille with his shoures sote
The droghte of Marche hath perced to the rote,
and bathed every veyne in swich licour,
Of which vertu engendred is the flour;
....
Than longen folk to goon on pilgrimages
(And palmers for to seken straunge strondes)
To ferne halwes, couthe in sondry londes;
And specially, from every shires ende
Of Engelond, to Caunterbury they wende,
the holy blisful martir for to seke,
That hem hath holpen, whan that they were seke.
(Geoffrey Chaucer: "The Prologue" to
The Canterbury Tales)Ein großer touristischer Magnet ist das mittelalterliche Canterbury mit seiner Kathedrale, bereits im Jahr 602 gegründet, einem meisterhaften Werk der Gotik, Sitz des Erzbischofs von Canterbury, dem religiösen Oberhaupt der Anglikanischen Kirche. Seit dem Mittelalter führten Pilgerzüge zur Kathedrale, in der am 29. Dezember 1170 der Erzbischof Becket von vier Rittern Heinrichs II. ermordet wurde ("Who will rid me of this meddlesome priest?") weil er sich gegen die Einschränkung der Rechte der Kirche durch Heinrich II. gewehrt hatte. Nach seinem Tod erhielt der Ort bald den Ruf von Wunderheilungen und so besuchten zahlreiche Pilger das Grab des Märtyrers. Unsterblich gemacht wurde die Pilgerfahrten zum Schrein von Becket durch Geoffrey Chaucer in seinen Canterbury Tales. Der Mord an Becket wurde von T. S. Eliot in Murder in the Cathedral (1935) und Jean Anouilh in Becket ou l'honeur de Dieu (1959) literarisch verarbeitet.
Heute ist die Kathedrale Hauptanziehungspunkt zahlreichen Touristen, leidet aber unter dem täglichen Ansturm von Besuchern, so dass man sich schon frühzeitig gezwungen sah, diesen Strom über ein Eintrittsgeld zu regulieren.
Canterbury - von den Römer Durovernum Cantiacorum genannt - ist eine sehenswerte Stadt und hat viele schöne Fachwerkbauten im Zentrum, darunter auch The Weavers, das den eingewanderten Flamen gehörte, leider aber in den letzten Jahren häufige Mieterwechsel gesehen hat und dementsprechend aussieht. Die intakte mittelalterliche Stadtmauer kann man teilweise begehen. Einer der großen Söhne der Stadt ist Christopher Marlowe (1564 - 1593), Dichter und der bekannteste englische Dramatiker vor Shakespeare. Die Public School King's School im Cathedral Close soll 597 von St. Augustine gegründet worden sein und wäre damit die älteste Schule ihrer Art auf der Welt. Sie ist heute eine exklusive Public School und hält an einer Reihe von Traditionen fest, die einzigartig sind, wie z.B. den Gatings, einer Bestrafung bei der der Schüler jeden Tag die Schuluniform, den "Canterbury Dress" den ganzen Tag tragen muss, so dass sie bis zu einer Woche die Schule nicht verlassen können. Bekannte Schüler waren z.B. Christopher Marlowe, W. Somerset Maugham, Carol Reed, Hugh Walpole und Field-Marshal Montgomery. Die University of Kent wurde 1962 gegründet und liegt ausserhalb der Stadt.
Auch die Umgebung von Canterbury is reizvoll. Hier kann man einem Abschnitt des North Downs Way folgend nach
Chilham wandern. Der hübsche Ort liegt etwas abseits der vielbefahrenen A 28 von Canterbury nach Ashford im Tal des River Stour am alten Pilgrim's Way von Winchester nach Canterbury. Im Zentrum des Ortes liegt ein Platz aus dem
15. Jahrhundert, der im Südwesten durch die Tore zum Castle und im Nordosten durch eine Kirche aus dem 13. Jh. flankiert werden. Dieser Platz symbolisiert für viele eines der perfektesten mittelalterlichen Settings in Südost-England. Die Kirche ist für ein kleines Dorf relativ groß und im Perpendicular Style erbaut. Die schwarz-weißen Fachwerkhäuser sind denkmalgeschützt, sog. Listed Buildings.
Nicht weit ist es zu Leeds Castle, romantisch auf zwei kleinen Inseln des Flüßchens Len gelegen. Es wurde im Laufe der Jahrhunderte nach und nach genutzt als normannische Festung, als Wohnsitz von sechs mittelalterlichen Königinnen, als Palast Heinrichs VIII., als Zufluchtsort für die Reichen und Mächtigen und in den Gegenwart als Tagungsort der G 8 Staaten und der Nordirland Friedensverhandlungen.
Der innere Teil der Grafschaften Sussex und Kent ist geologisch gesprochen der älteste Teil einer Schichtstufenlandschaft, die an den beiden Flanken von mesozoischen Kalkschichten gebildet wird, den North Downs, die in Dover zum Meer abfallen und den South Downs, die in Beachy Head zum Meer abfallen, .
Dieses Gebiet war einst von einem dichten Wald bedeckt, was sich auch aus dem Namen Weald herleitet: Sprachgeschichtlich wurde (altdeutsch) "Wald" zu (altenglisch) "Weald", zu "Weld" geebnet und bei der mittelalterlichen Langvokalverschiebung - dem "Long Vowel Shift" - sprachlich zu [wi:ld]. Das lange i: wurde orthographisch später mit ea geschrieben, so dass das heutige Wort Weald mit der entsprechenden Aussprache entstand.
Der Weald ist der höchste und auch raueste Teil von Kent, so dass hier die Häuser häufig als Windschutz mit Brettern, dem sog. Weather Boarding verkleidet sind. Im Weald gibt es sehr fruchtbare alluviale Lehmböden in geschützten Tallagen, auf denen im "Garten von England" Obst in Ochards, Hopfen, Gemüse und sogar Wein angebaut werden. Der Hopfenabau wurde 1524 als kommerzielle Pflanze aus Flandern angebaut, wie auch in den benachbarten Grafschaften Surrey und Essex."Hops, Reformation, Bays and Beer
Came to England all in one year"
(Old English saying)Zwar war die Hopfenfläche früher viel größer, heute finden wir den Hopfenanbau nur noch auf den fruchtbarsten Böden in geschützten Lagen. Ein vertrautes Bild sind die Oast Houses mit ihren weißen Hauben, in denen die Hopfenzapfen getrocknet wurden. Heute ist es "in", solche Oast Houses in moderne Wohnhäuser umzubauen. Ein lohnendes Ziel ist es, zur Blütezeit auf einer Blossom Route von Maidstone nach Tonbridge durch diese typische Landschaft zu fahren.
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Kent bietet dem Besucher viel Abwechslung, jedoch ein absolutes 'Must' ist der Besuch von Sissinghurst Castle, einem der beliebtesten Gärten Englands und weltweit bekannt. Wer hier allerdings ein Castle erwartet, wird enttäuscht, denn von dem einst umfangreichen Gebäudekomplex ist nur noch ein Tower erhalten. Die Gartenanlage wurde von Vita Sackville-West, Schriftstellerin, und ihrem Ehemann Sir Harold Nicolson, Autor und Diplomat, geschaffen und ist seit 1967 im Besitz des National Trust. Seit 1992 wird sowohl die Anzahl der gleichzeitigen Besucher im Garten als auch die Gesamtbesucherzahl pro Jahr (160.000) geregelt, um den Garten zu schonen.
Der Entwurf des Gartens basiert auf einer Reihe von Räumen, jeder mit einem anderen Charakter und einer anderen Farbe bzw. einem anderen Thema, begrenzt durch hohe, kurzgeschnittene Hecken und Ziegelsteinmauern, die die Grundmauern der ursprünglichen Burganlage bilden. Diese oft noch mannshohen Mauern werden bewusst zur Gestaltung herangezogen, da sich an ihnen die unterschiedlichsten Pflanzen emporranken.
Biddenden ist eng mit der Geschichte der "Biddenden Maids" verknüpft ist, den siamesischen Zwilligen Eliza und Mary Chalkhurst. Sie begrüßen den Besucher bereits im Town Sign und waren an Hüfte und Schulter miteinander verbunden. Als eine der beiden starb und die Ärzte der Überlebenden zu einer Operation rieten, lehnte die andere ab - und starb ebenfalls. Ihr Geld hinterließen sie den Bedürftigen der Gemeinde.Bei der großen Fruchtbarkeit der Region und dem milden Klima wird auch Wein angebaut. Einen solchen Vineyard kann man in Lamberhurst gegen eine Gebühr besichtigen, wo verschiedene Weißweinsorten, aber auch Rotwein angebaut werden. Der Weingarten wurde 1972 mit 1,2 ha von Kenneth McAlpine begonnen und mit Hilfe eines deutschen Weinbautechnikers aus Geisenheim auf 24 ha erweitert. Es werden u.a. Müller-Thurgau, Seyval Blanc, Reichensteiner, Schönburger, Huxelrebe und auch Rotwein angebaut.
Tenterden, das sich ganz unbescheiden 'The Jewel of the Weald' nennt, lohnt einen kurzen Abstecher, kurz deshalb, weil der Ort doch recht überschaubar ist. Die High Street bietet historische Gebäude, Geschäfte, Restaurants und Pubs, die von der Fahrbahn durch einen breiten mit Bäumen bestandenen Grasstreifen getrennt sind. Im Mittelalter erlebte der Ort einen Wohlstand dank der Schafzucht, die vorwiegend auf der nahe gelegenen Romney Marsh betrieben wurde. Edward III. holte Weber und Färber aus Flandern, die den Bauern die Herstellung von "Broadcloth" beibrachten und für 350 Jahre den Ort zum Zentrum dieser Tuchherstellung machten.
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Rye, Mitglied der mittelalterlichen Cinque Ports, war einst am Meer gelegen, hat aber heute keine direkte Verbindung mehr mit der See. Der Ort besteht weitgehend aus alten Fachwerkhäusern, die auf herrlichen Keramikschildern Namen oder Nummern der Häuser verkünden und an teilweise steilen Cobbled Streets gelegen sind. Eines dieser Häuser beherbergt mit der "Mermaid Inn" einen der schönsten Pubs des Landes. Die einstige Stille und Abgeschiedenheit des Örtchens lockte auch den amerikanischen Schriftsteller Henry James an, dem hier Lamb House gehörte und heute besichtigt werden kann.
Wer ein etwas exotisches Ziel sucht, sollte vielleicht den Port Lympne Wild Animal Park besuchen, der die größte Zuchtherde von Black Rhinos außerhalb Afrikas, wie die von sibirischen und indischen Tigern bietet, außerdem afrikanischen Elefanten, kleinen Katzen, Affen, Barbary Lions und vielen seltenen und gefährdeten Tierarten. Der Welt größtes Gorillarium, "The Palace of the Apes" ist Heimat einer Familie von Gorillas. Der Zoo wurde von John Aspinall ("zoo owner and gambler") aufgebaut, der sein Geld mit Spielhallen in London gemacht hatte und den Besitz dem Schriftsteller Siegfried Sassoon abgekauft hatte.Bateman's in Burwash (südwestlich von Hawkhurst) aus dem 17. Jahrhundert, ist der Herrensitz des Literaturnobel-Preisträgers von 1907, Rudyard Kipling, den er in den Jahren 1902 bis zu seinem Tode 1936 bewohnte. Er wurde 1865 in Bombay geboren und war ein echter Weltenbürger. Er lebte in Pakistan, den USA und England und bereiste als Journalist China, Birma, Japan und Südafrika. Er schrieb überwiegend Kinder- und Jugendbücher, sein berühmtestes Werk ist "Das Dschungelbuch". Er veröffentlichte Kurzgeschichten, unter anderem The Man Who Would Be a King. Seinen Gegnern ist Kipling als glühender Verfechter des Empire verhasst, zu dessen Beweis sie sein 1899 verfasstes Gedicht The White Man's Burden heranziehen.
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Im höchsten Teil des Weald liegt Tunbridge Wells, ein alter Kurort, der einst durch den Playboy des 18. Jahrhunderts, Master of Ceremonies in Bath, Beau Nash, "fashionable" gemacht wurde. Er organisierte Bälle, Konzerte, Lotterien und legte einen strikten Verhaltenscode auf, an den sich alle hielten. Der Ort leitet seinen Namen vom nahegelegenen älteren Tonbridge ab. Nachdem man die Heilquellen, die "Wells", entdeckt hatte, entstand hier jedoch ein eigener Ort, der sich zum Unterschied mit u schrieb. Von dem Wasser der Heilquelle kann man sich heute noch von dem "Dipper" ein Glas aus der eisenhaltigen Chalybeate Spring in den Pantiles reichen lassen. Tunbridge Wells, pardon - "Royal" Tunbridge Wells - Edward VII hatte 1909 nach einem angenehmen Besuch die Stadt mit ihrer langen Liste von königlichen Besuchern mit dem Adjektiv "Royal" geadelt - zieht sich über mehrere Hügel, die Hauptstraßen sind von Bäumen umsäumt und im Zentrum liegt der Common mit 100 ha Fläche. Die Stadt wird heute gern von den feineren wohlhabenden Damen aus London als Alterssitz gewählt. Der Ort ist in der Redensart "Disgusted with Tunbridge Wells" verewigt, das trefflich die konservative Haltung und die traditionellen Werte der Einwohner beschreibt und damit zu einem der Icons von England geworden ist. Auf dem Common kann man schöne Verwitterungsformen des Tunbridge Wells Sandstone bewundern, die im kleinen Nachbarort Rusthall eine seltsame Verwitterungsform in Gestalt einer hockenden Kröte, den sog. Toad Rock, hervorgebracht haben.
Nahe Tunbridge Wells liegt der kleine Ort Penshurst mit seinen Tudor Cottages, bekannt durch Penshurst Place, eines der schönsten historischen Manor Houses von Kent. Hier wurde 1554 der Dichter Sir Philip Sidney geboren, der durch seinen Schäferroman "Arcadia" und "Astrophel and Stella" aus 108 Sonetten bekannt wurde. Der Walled Garden und der Terrace Formal Garden umfasst mehrere farbenprächtige Räume, von Eibenhecken getrennt, entlang dem Fluß Medway.
Für den jetzigen Glanz von Hever Castle bei Edenbridge ist vor allem Lord Astor verantwortlich, der einen großen Teil seines Vermögens im frühen 20. Jahrhundert in die Renovierung investierte und das Haus mit Schätzen füllte. Das Castle aus dem 13. Jahrhundert gleicht eher einem Manor House und zur Tudorzeit wurde Anne Boleyn, eine der Frauen Heinrich VIII., hier geboren. Es gibt einen italienischen Garten und einen 14 ha großen See, der in zwei Jahren von 800 Arbeitern angelegt wurde.
"A day away from Chartwell is a day wasted."
In Westerham wird man bereits auf dem Common von einer Statue von Winston Churchill begrüßt. Außerhalb des Ortes liegt Chartwell, der Landsitz von Winston Churchill, in dem er mehr als 40 Jahre wohnte, heute im Besitz des National Trust, nationaler Schrein und seit 1966 der Öffentlichkeit zugänglich. Chuchill erwarb das Haus 1922 und behielt es bis zu seinem Tod 1965. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Haus meist nicht bewohnt, da es zu gefährdet für Angriffe der Deutschen Luftwaffe galt. Das Haus ist so erhalten, wie es unter den Churchills aussah: Die Räume sind mit Erinnerungsstücken und Geschenken dekoriert, haben das Originalmobiliar und zeigen seine Bücher sowie die Auszeichnungen und Orden. Als es den Churchills nach dem Krieg finanziell schlecht ging, kauften wohlhabende Freunde 1947 den Besitz und die Churchills zahlten eine nominelle Miete von jährlich £ 350. Der ausgedehnte Besitz mit seinem See lädt zu Spaziergängen ein und bietet weite Blicke über den Weald of Kent.
Winston Churchill hat eine Karriere gemacht, wie es sie auf der britischen Insel seit langem nicht gegeben hatte: als Spross der Dukes of Marlborough, einer der bedeutendsten Familien Englands, war er erfolgreicher Journalist und Bestseller-Autor, zudem schon vor dem Ersten Weltkrieg Handels- und Innenminister, dann Erster Lord der Admiralität (Marinechef), im Zweiten Weltkrieg Munitionsminister, danach Kriegs- und Luftfahrtminister, Kolonialminister, zuletzt Finanzminister und zweimal Premierminister (1940-1945 und 1951-1955). Er pflegte eine strikte Routine: Er wachte um 7.30 Uhr auf, frühstückte ausführlich im Bett und las die Post und die nationalen Zeitungen. Die nächsten Stunden, immer noch im Bett, diktierte er seinen Sekretären. Um 11.00 Uhr stand er auf, badete und machte ein Spaziergang im Garten und nahm einen mit Soda verdünnten Whisky in sein Arbeitszimmer. Um 13.00 Uhr aß er mit Gästen und Familie ein dreigängiges Menü, um 15.30 Uhr arbeitete er weiter oder überwachte Arbeiten am Besitz oder spielte Karten mit seiner Ehefrau Clementine. Um 17.00 Uhr, nach einem weiteren Whisky, zog er sich zu einer 1 ½ stündigen "Siesta" zurück. Um 18.30 Uhr stand er auf und badete wieder und zog sich für das Dinner um 20.00 Uhr um. Dinner war der Haupttreffpunkt und das Highlight des Tages. Die Gespräche am Tisch wurden von Churchill dominiert und waren ebenso wichtig wie das Essen. Je nach Gästen, Drinks und Zigarren dauerte das bis weit nach Mitternacht. Während sich die Gäste zurückzogen, kehrte Churchill für ungefähre 1 ½ Stunden an die Arbeit zurück.Weitere Besitztümer des National Trust sind das aus dem 14. Jahrhundert stammende Ightham Mote, Sheffield Park Garden in der Nähe von Lewes, die rechteckige Niederungsburg und das von einem Burggraben umgebene Bodiam Castle, Emmetts Garden, der einen unbehinderten Blick auf den Weald von Kent bis zu den North Downs eröffnet. The Knole in Sevenoaks, gefiel Heinrich VIII. so sehr, dass er den Erzbischof von Canterbury zwang, es ihm 1538 zu übereignen. Das Haus wird wegen seiner 365 Räume auch als "Kalenderhaus" bezeichnet.
In Nymans Garden, in der Nähe von Haywards Heath, West Sussex, stehen die Ruinen des alten Herrenhauses, in dem drei Generationen der Familie Messel über einen Zeitraum von hundert Jahren residierten. Der Rosengarten von 1920 wurde 1989 komplett mit neuen Wegen und Bögen angelegt. Expeditionen in den Himalaya und nach Südamerika dienten den Eigentümer dazu, Sammlung an seltenen und ausgesuchten Pflanzen zu vergrößern. In den über 100 Jahren von Nymans seit 1890 waren nur drei Hauptgärtner beschäftigt, so dass sich der Besitz heute so zeigt, wie ihn die Familie Messel von den 1920er bis 1940er Jahren bewohnt hatte. Der Neffe von Messel ist der Photograph Lord Snowdon, der ehemalige Ehemann von Prinzessin Margaret und dessen Sohn der Möbeldesigner Viscount Linley.
Blenheim Palace, das Schloss der Marlboroughs und seinen berühmtesten Sproß Curchill, ist Weltkulturerbe. Der Besucher muss hier - wie in allen privaten Herrensitzen - tief in die Tasche greifen. Er kann die "State Rooms" besichtigen und in aller Ruhe im 850 ha großen und von Capability Brown 1760 gestalteten Park spazieren zu gehen.
Einen weiterer Bezug zu Churchill findet man ganz in der Nähe von Woodstock - kostenlos. Auf dem Friedhof in Bladon liegen die Gräber der Churchills, auch das von Winston Churchill, der es abgelehnt hatte, in Westminster Abbey beigesetzt zu werden.
Oxford hat eine Bevölkerung von 134.248 Einwohnern (2001) und ist Heimat der University of Oxford, der ältesten Universität in der englischsprechenden Welt. Sie ist bekannt als "City of Dreaming Spires", ein Ausdruck, der von Matthew Arnold als Referenz für die harmonische Architektur der Universitätsgebäude geprägt wurde. Die Themse fließt durch Oxford und ist auf einer Strecke von 16 km als Isis bekannt. Oxford wurde zuerst von Sachsen bewohnt und als "Oxenaforda" bekannt.
Die Universität wird erstmals in Berichten des 12. Jh. erwähnt, die frühesten Colleges waren University College (1249), Balliol (1263) und Merton (1264). Im frühen 20. Jh. wuchs die Stadt schnell mit den Druckereien und Verlagen, William Morris gründete die Morris Motor Company für die Massenproduktion von Pkws in Cowley. In den 1970er Jahren war Oxford zweigeteilt, die Universitätsstadt westlich von Magdalen Bridge und die Autostadt im Osten. In den 1980er und 1990er Jahren gingen während des Niedergangs von British Leyland viele Arbeitsplätze verloren, wo jetzt in einer kleineren Fabrik der erfolgreiche New Mini für BMW produziert wird. Oxfords zweite Universität, Oxford Brookes University, wurde 1991 Universität und wurde fünf Jahre lange zur besten neuen Universität gewählt.Südlich von Oxford an der Themse bei Maidenhead liegt mit Cliveden, der Palast von Lord und Lady Astor, heute im Besitz des National Trust. Leider sind meist nur die Gärten zur Besichtigung freigegeben, an einzelnen Tagen auch das Haus, das als exklusives Hotel geführt wird, einschließlich Chauffeurservice durch Auto, aber auch Helikopter und Jet. Der Parkplatz mit seinen Luxuskarossen lässt bereits ahnen, dass hier Geld keine große Rolle spielt. Das Hotel profitiert von der Nähe zu London mit Heathrow Airport und Ascot mit seinen Pferderennen und ist nicht nur zur Zeit der Rennen ausgebucht. Wer durch den Park schlendert, kann auf der Terrasse dann einen Blick auf elegant gekleidete Damen (meist mit Hüten) und Männer mit den bekannten Top Hats werfen. Manche Gäste mieten gleich den ganzen Besitz wie z.B. Fußballstars, die dann ihre Hochzeit an die Yellow Press verkaufen. Michael Jackson wollte Cliveden kaufen, aber als National Trust Property war es unveräußerlich.
Das jetzige Haus wurde 1851 von dem Architekten Charles Barry im klassischen italienischen Stil erbaut. In einem rustikalen Theater im Garten wurde 1740 zum ersten Mal das Lied "Rule Britannia" gesungen. 1893 kam das Haus an die Astor Familie und 1919 lebten hier Waldorf Astor, 2nd Viscount Astor und seine Frau Nancy Astor, Viscountess Astor, erste weibliche Abgeordnete des britischen Parlaments. Zur Zeit der Astors wurden hier rauschende Feste gefeiert "for the literati, the glitterati and the clitorati" (Malcolm Bradbury), einschließlich vieler Politiker. Diese Leute wurden als 'Cliveden Set' bekannt und hatten großen Einfluß auf die Staatsgeschäfte.
Am Ufer der Themse spielte sich im Sommerhaus 1961 ein Skandal ab, der ganz England erschütterte und zum Rücktritt einer ganzen Regierung führte. 1961 hatte der britische Verteidigungsminister ihrer Majestät, John Profumo ("in dubio Profumo"), eine sexuelle Affäre mit dem Callgirl Christine Keeler. Peinlich war, das sie gleichzeitig eine Liebesbeziehungen zu einem Attaché der russischen Botschaft unterhielt. Profumo, der im Kabinett Macmillans dieses Verhältnis zuerst im Parlament leugnete, musste zurücktreten und fiel - sozial gesehen - tief. Seine Frau hielt auch in dieser Zeit zu ihm, als er ein zweites Leben als Sozialarbeiter im East End von London startete. Diese jahrelange entbehrungsreiche Arbeit wurde 1975 mit dem CBE (Commander of the British Empire) durch die Premierministerin Margaret Thatcher belohnt.
Von hier ist es nicht weit bis Eton, allen aus dem Kreuzworträtsel bekannt als "Schulstadt mit 4 Buchstaben". Die exklusive Privatschule kostete bereits 2007 pro Jahr £26.490 (ungefähr € 39.000) "plus some extras". "For a small fee" kann man außer in der Mittagszeit die Colleges besichtigen. Mit ein wenig Überredungskunst darf man aber auch ein paar Schritte in die Innenhöfe gehen, um ein Foto zu schießen. Interessanter ist es aber, bei Unterrichtsschluß durch die Straßen zu gehen, wenn die Eton Boys in ihrer traditionellen Uniform lachend und feixend über die Straße gehen. Bis in die 1960er Jahre musste man seinen Sohn - Mädchen sind nicht zugelassen - bei der Geburt auf eine "House List" setzen lassen, die ihm einen Platz sicherte, wenn er das Common Entrance Examination mit 13 Jahren schaffte. Heute muss jemand auf der Eton List erfasst sein, ein Auswahlverfahren im Alter von 11 Jahren schaffen und die Eingangsprüfung bestehen.Wer sich ein bißchen die Füße vertreten will, sollte das Auto am besten in einer ruhigen Seitenstraße parken und zu Fuß über die Brücke nach Windsor gehen. So erspart man sich einen großen Umweg und heftige Parkgebühren. Der Ort wimmelt von Touristen und es wird kräftig abkassiert und wer Windsor Castle besuchen will, dem geht es auch nicht besser, denn der zu bezahlende Bereich um das Schloss wird immer stärker ausgeweitet. Man kann noch kostenlos die Straße vom Bahnhof zum Palast hochgehen und einen Blick auf das Monument von Queen Viktoria werfen, aber das war's. Wer also die "State Apartments" und die Chapel besichtigen will, soll das gern tun, aber ansonsten wieder ruhigere Gefilde aufsuchen. Ach ja, das Standesamt, in dem Charles und Camilla getraut wurden, ist noch kostenlos zu sehen. Die Restaurants sind überfüllt und Essen und Trinken werden lieblos serviert. Die noch vereinzelt angebrachten "By appointment to Her Majesty the Queen" Schilder haben eine gewisse Patina angesetzt und zeugen nicht mehr von Qualität der Geschäfte.
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Shopping im Südosten
Im Zeichen einer globalisierten Welt verwischen sich zwar die Unterschiede zu anderen Ländern immer mehr, aber England ist immer noch different (laut Napoleon "a nation of shopkeepers"), obwohl es mittlerweile auch hier Aldi, Lidl, Hennes & Mauritz, Zara und weitere internationale Ketten gibt. In jeder englischen Stadt gibt es heute einen Pedestrian Precinct, eine Fußgängerzone oder eine mehr oder minder große Shopping Mall. Häufig findet man in der High Street Filialisten wie Marks & Spencer, Debenham's als allgemeine Warenhäuser, Tesco, Sainsbury, Waitrose oder Asda für den Lebensmittelbereich, Boots als Apotheke / Drogerie, W.H.Smith als Newsagents und Waterstone's als Buchhandelsketten.
Interessanter sind jedoch Geschäfte, die man nicht in jeder Stadt findet und hier hat England einiges zu bieten. Es gibt sie noch, die kleinen Tante Emma Läden (Corner Shops) für alle möglichen Dinge und besonders für Kitchen Utensils. Einzigartig sind die riesigen Gartencenter, die sich rühmen außer an Christmas Day jeden Tag im Jahr geöffnet zu haben.
Weit verbreitet sind Factory Outlets, teilweise als Shopping Villages, wie z.B. gleich in Dover. Eine größere Auswahl findet sich in einem architektonisch den Oast Houses nachgebildeten Shopping Complex der Kette Glen McArthur in Ashford, wo über 100 Geschäfte viele "Schnäppchen" anbieten.
Bluewater Shopping Mall
Dieses High-Street Shopping Centre liegt gegenüber dem neuen riesigen Bahnhof Ebbsfleet in der Nähe von Dartford. Es ist in einer riesigen früheren Kalkgrube gelegen, die mit einer See- und Erholungslandschaft gestaltet und 1999 eröffent wurde. Die Gesamtfläche beträgt 97 ha, die Verkaufsfläche beträgt 154,000 qm und ist das zweitgrößte Englands. Die Baukosten betrugen £ 400 Mio.
Die Anlage ist dreieckig mit drei Anchorshops (John Lewis, House of Fraser und Marks and Spencer) und hat
330 Geschäfte, 40 Cafés und Restaurants und ein großes Multiplexkino. Es sind 7.000 Arbeitsplätze entstanden und über
27 Mio Besucher kaufen hier pro Jahr. Die Parkplätze reichen für 13.000 Autos. Es gibt drei Malls mit verschiedenen Zielrichtungen: Thames Walk für junge Leute, The Water Circus mit einem Kino mit 13 Leinwänden und Esslokalen,
The Guild Hall für Designerwaren, The Village mit anspruchsvollerer Gastronomie und The Rose Gallery mit Läden, wie man sie in der typischen High Street antrifft. Als Erholungmöglichkeiten bietet Bluewater einen Park mit sechs künstlichen Seen.
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